Ein symbolischer Protest gegen den Machtanspruch
Unter dem Slogan "Atin Ito" – zu Deutsch "Es gehört uns" – hat sich ein ziviles Bündnis aus Fischern, Bauernverbänden, Politikern und Jugendgruppen auf eine riskante Reise begeben. An Bord der "Kapitan Felix Oca", einem gecharterten Schulschiff, brachen etwa 100 Aktivisten von Manila aus in Richtung der Spratly-Inseln auf. Ihr Ziel ist es, ein Zeichen gegen die zunehmende Dominanz der Volksrepublik China in einem der umstrittensten Seegebiete der Welt zu setzen.
Die Reise ist mehr als eine bloße Überfahrt; sie ist eine Demonstration nationaler Souveränität. Während die Aktivisten die philippinische Nationalhymne singen und Flaggen schwenken, wird deutlich, wie tief der Konflikt in der philippinischen Gesellschaft verwurzelt ist. Das Bündnis sieht in den Gewässern, die sie als "Westphilippinisches Meer" bezeichnen, ein angestammtes Territorium, das durch Pekings Gebietsansprüche bedroht ist.
Die Spratly-Inseln: Ein Brennpunkt internationaler Spannungen
Die Spratly-Inseln, bestehend aus zahlreichen Riffen und Sandbänken, sind seit Jahrzehnten Schauplatz geopolitischer Auseinandersetzungen. China beansprucht nahezu das gesamte Südchinesische Meer für sich, was von Anrainerstaaten wie den Philippinen, Vietnam und Malaysia entschieden zurückgewiesen wird. Ein Urteil des Ständigen Schiedshofs in Den Haag aus dem Jahr 2016 stützte die philippinische Position und erklärte Chinas weitreichende Ansprüche für nicht gerechtfertigt. Peking erkennt dieses Urteil jedoch bis heute nicht an.
Die strategische Bedeutung der Region ist immens, da dort bedeutende Öl- und Erdgasvorkommen vermutet werden. Für die lokale Bevölkerung, insbesondere für Fischer, geht es jedoch um die unmittelbare Lebensgrundlage.
Konfrontation auf hoher See
Schon kurz nach dem Auslaufen der "Kapitan Felix Oca" wurde die symbolische Reise von der Realität des Konflikts eingeholt. Die chinesische Küstenwache nahm das Schiff in ihre Beobachtung auf. Die Aktivisten berichteten von gezielten Einschüchterungsversuchen: Elektronische Geräte wie Kameradrohnen fielen aus, und Mobiltelefone empfingen Begrüßungsnachrichten chinesischer Netzbetreiber, die den philippinischen Aktivisten signalisierten, sie befänden sich bereits auf chinesischem Staatsgebiet.
Über Funk wurden Warnungen ausgesprochen, die das Schiff aufforderten, seine Position zu melden und umzukehren. Der Kapitän ignorierte diese Aufforderungen konsequent. Diese Vorfälle sind symptomatisch für die Spannungen im Südchinesischen Meer, wo es in der Vergangenheit bereits mehrfach zum Einsatz von Wasserwerfern und zu physischen Kollisionen zwischen chinesischen und philippinischen Schiffen kam.
Der Kampf um die Insel Pag-asa
Ein zentraler Punkt der Reise ist die Insel Thitu, von den Philippinern "Pag-asa" (Hoffnung) genannt. Seit den 1970er-Jahren verwalten die Philippinen dieses Eiland, auf dem etwa 400 Menschen leben. Die Insel verfügt über eine Landebahn und eine Stationierung philippinischer Soldaten sowie Einheiten der Küstenwache. China betrachtet diese Verwaltung als illegal und antwortet mit einer massiven Militarisierung der Umgebung.
Besonders deutlich wird dies am nahegelegenen Subi-Riff. Was ursprünglich eine bei Flut überflutete Sandbank war, hat China zu einem Militärstützpunkt ausgebaut, inklusive einer drei Kilometer langen Start- und Landebahn. Die Präsenz chinesischer Fischtrawler, die von der Küstenwache und teils von Kriegsschiffen geschützt werden, drängt die philippinische Konkurrenz zunehmend ab. Die Fischerei, die für die Bewohner von Pag-asa die wirtschaftliche Basis bildet, ist durch diese Verdrängung massiv gefährdet. Der philippinische Staat muss die Bewohner inzwischen mit kostenlosen Lebensmittellieferungen unterstützen, um die Versorgung aufrechtzuerhalten.
Ungewisse Zukunft
Die Lage im Südchinesischen Meer bleibt hochgradig volatil. Während die philippinische Regierung versucht, diplomatische Wege zu finden – etwa durch Gespräche im Rahmen von ASEAN-Außenministertreffen –, bleibt der Druck vor Ort bestehen. Die zivile Fahrt der "Kapitan Felix Oca" und die Unterstützung durch kulturelle Akteure, wie die Hip-Hop-Band Morobeats, unterstreichen den Willen der philippinischen Zivilgesellschaft, die Gebietsansprüche nicht kampflos aufzugeben.
Wie die nächsten Schritte in diesem Konflikt aussehen könnten, bleibt offen. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklung mit Sorge, da das Südchinesische Meer eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt ist. Für die Menschen auf Pag-asa bleibt die Situation ein täglicher Balanceakt zwischen dem Festhalten an ihrer Heimat und der ständigen Präsenz einer übermächtigen chinesischen Militär- und Milizpräsenz.