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Öl-Deal der USA mit Venezuela: Experten bezweifeln Trumps Versprechen
Schlagzeilen · 01.09.2026 01:43

Öl-Deal der USA mit Venezuela: Experten bezweifeln Trumps Versprechen

Kurz: US-Präsident Trump verspricht durch einen neuen Öl-Deal mit Venezuela sinkende Spritpreise. Experten und Kritiker äußern jedoch massive Zweifel an dem Vorhaben.

Was geschehen ist: Der neue Öl-Deal zwischen Washington und Caracas

Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat ein umfassendes Abkommen mit Venezuela geschlossen, das weitreichende Auswirkungen auf den globalen Energiemarkt haben soll. Ziel des Deals ist es, die derzeitigen Engpässe bei der Ölversorgung, die insbesondere durch Spannungen im Nahen Osten verschärft werden, auszugleichen. Präsident Trump und sein Innenminister Doug Burgum präsentieren das Abkommen als einen strategischen Wendepunkt. Die Kernbotschaft der US-Administration lautet, dass durch die Erschließung venezolanischer Ressourcen die Abhängigkeit von instabilen Regionen wie dem Nahen Osten verringert und die Benzinpreise für amerikanische Verbraucher zeitnah gesenkt werden sollen. Burgum betonte in einem Fernsehinterview, dass die Verlagerung der Energieströme zurück in die westliche Hemisphäre eine zuverlässige und erschwingliche Energieversorgung für kommende Generationen sichere. Der Deal, der Ende August 2026 publik wurde, soll die geopolitische Landkarte der Energieversorgung grundlegend neu ordnen. Während die Regierung von einem historischen Erfolg spricht, stehen die tatsächlichen Auswirkungen auf den Alltag der US-Bürger und die globale Marktstabilität jedoch unter intensiver Beobachtung und Kritik von Fachleuten.

Die Einzelheiten: Zahlen, Akteure und vertragliche Rahmenbedingungen

Das Abkommen sieht vor, dass das Unternehmen North American Blue Energy Partners die Förderrechte für insgesamt 17 venezolanische Ölfelder erhält. Die Laufzeit dieser Rechte ist auf 100 Jahre angelegt. Durch diesen Vertrag würde das Unternehmen zum weltweit zweitgrößten Halter nachgewiesener Ölreserven aufsteigen, lediglich übertroffen vom saudi-arabischen Konzern Aramco. Die US-Regierung hält an diesem Unternehmen einen passiven Anteil von 35 Prozent, der über das Verteidigungsministerium verwaltet wird, ohne dass hierfür staatliches Kapital investiert werden musste. Zudem sicherten sich die USA ein Vorzugsrecht auf 20 Prozent des zukünftig geförderten Öls zum Selbstkostenpreis. Trotz dieser scheinbar vorteilhaften Konditionen gibt es erhebliche Bedenken. Die demokratische Kongressabgeordnete Maggie Goodlander kritisierte das Vorhaben scharf und forderte, dass keine Steuergelder in die Erschließung venezolanischer Felder fließen sollten. Sie bezweifelt zudem, dass das Abkommen in absehbarer Zeit eine spürbare Entlastung bei den hohen Benzinpreisen bringen wird. Die Situation wird durch die Inhaftierung des ehemaligen venezolanischen Staatschefs Nicolas Maduro kompliziert, der nach seiner Entführung durch das US-Militär aus Caracas nun in einem New Yorker Gefängnis sitzt und von dort aus medienwirksam reagiert.

Hintergrund: Die Vorgeschichte und die strategische Neuausrichtung

Die Entscheidung für diesen Deal ist kein isoliertes Ereignis, sondern Teil einer breiteren Strategie der Trump-Administration zur Neuordnung globaler Ölströme. Bereits im März 2026 deuteten Analysen darauf hin, dass die USA ihre Energiepolitik massiv umstellen wollen, wobei Venezuela als ein zentraler Baustein fungiert. Die Vorgeschichte ist geprägt von einer jahrelangen Distanz zwischen Washington und Caracas, die durch den Sturz und die anschließende Verhaftung Maduros einen vorläufigen Höhepunkt fand. Zuvor hatten große amerikanische Ölkonzerne wie ExxonMobil es abgelehnt, in Venezuela in großem Stil zu investieren, obwohl sie von der Regierung dazu gedrängt wurden. Diese Zurückhaltung basierte auf der Einschätzung, dass das juristische und politische Risiko sowie die marode Infrastruktur des Landes eine rentable Förderung erschweren. Der Markt für das spezifische schwere Öl aus Venezuela gilt zudem als begrenzt. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die US-Regierung nun bereit ist, durch ein vom Staat gefördertes Privatunternehmen Risiken einzugehen, die private Konzerne zuvor als zu hoch eingestuft hatten. Dies stellt eine bemerkenswerte Abkehr von der bisherigen Marktlogik dar und unterstreicht den politischen Druck, unter dem die US-Energiepolitik derzeit steht.

Die Beteiligten: Institutionen, Experten und politische Akteure

An dem Prozess sind diverse Akteure beteiligt, deren Interessen teilweise stark divergieren. Auf der Seite der US-Regierung treiben Präsident Trump und Innenminister Doug Burgum das Projekt voran, während das Verteidigungsministerium die Verwaltung der Unternehmensanteile übernimmt. Außenminister Marco Rubio wird ebenfalls als Befürworter genannt, der Vorteile für Venezuela sieht. Auf der kritischen Seite steht die demokratische Abgeordnete Maggie Goodlander, die den wirtschaftlichen Nutzen für die US-Bevölkerung infrage stellt. Fachliche Expertise kommt von Analysten wie David Roche von Quantum Strategy, der die technische Machbarkeit der Infrastruktur-Sanierung bezweifelt, und Rosemary Kelanic von der Denkfabrik Defense Priorities. Kelanic warnt insbesondere vor dem hohen Korruptionsrisiko in Venezuela. Auf der anderen Seite steht das Unternehmen North American Blue Energy Partners, das nun in den Wettbewerb mit anderen US-Ölfirmen tritt. Auch der inhaftierte Nicolas Maduro bleibt als Symbolfigur der alten Ordnung präsent, wenngleich sein politischer Einfluss durch die Entführung und Inhaftierung faktisch gebrochen scheint. Die Konstellation aus staatlicher Förderung und privatem Unternehmertum sorgt zudem für interne Spannungen unter den US-Ölkonzernen.

Einordnung: Warum Experten an dem Erfolg zweifeln

Einzuordnen ist das Vorhaben der US-Regierung als ein hochriskantes geopolitisches Manöver. Experten wie David Roche betonen, dass die venezolanische Öl-Infrastruktur in einem derart schlechten Zustand ist, dass der Wiederaufbau Jahre in Anspruch nehmen wird. Die Erschließung neuer Felder, wie sie der Deal vorsieht, würde noch deutlich mehr Zeit benötigen. Den Berichten zufolge ist die Skepsis der Fachwelt daher groß, ob das Versprechen sinkender Benzinpreise überhaupt eingehalten werden kann. Rosemary Kelanic gibt zu bedenken, dass die bloße Eigentümerschaft an Reserven nicht mit einer tatsächlichen Fördermenge gleichzusetzen ist. Entscheidend für den Weltmarkt sei allein, wie viel Öl physisch aus Venezuela exportiert werden kann. Die Korruptionsproblematik im Land wird dabei als ein strukturelles Hindernis angesehen, das sich nicht durch Verträge allein beheben lässt. Einzuordnen ist der Deal somit als ein politisches Signal, das kurzfristig die Märkte beruhigen soll, während die ökonomische Realität hinter den vollmundigen Ankündigungen der Regierung weit zurückbleibt. Die Hoffnung, dass Venezuela die Engpässe in der Straße von Hormus kompensieren kann, wird von vielen Analysten als unrealistisch eingestuft.

Offene Fragen: Was der Deal noch nicht klärt

Trotz der weitreichenden Ankündigungen bleiben zahlreiche Fragen unbeantwortet. Es ist unklar, wie die Finanzierung für den massiven Wiederaufbau der venezolanischen Infrastruktur konkret aussehen soll, wenn die US-Regierung selbst kein Kapital investieren will. Auch bleibt offen, wie das Unternehmen North American Blue Energy Partners gegen die bestehenden Risiken im Land abgesichert werden soll, die private Konzerne wie ExxonMobil zuvor abgeschreckt haben. Des Weiteren ist nicht geklärt, wie die USA auf die zu erwartende Konkurrenzsituation zwischen dem staatlich geförderten Unternehmen und anderen US-Ölfirmen reagieren werden, die auf dem freien Markt agieren. Die Frage, ob das venezolanische Öl aufgrund seiner spezifischen Beschaffenheit überhaupt in den US-Raffinerien ohne aufwendige Umrüstungen in dem Maße verarbeitet werden kann, wie es für eine Preissenkung nötig wäre, wird im Quelltext nicht adressiert. Ebenso bleibt die langfristige politische Stabilität in Venezuela ein unkalkulierbarer Faktor, der den gesamten 100-Jahres-Plan gefährden könnte. Die Lücke zwischen der politischen Rhetorik und der operativen Umsetzung ist derzeit die größte Unbekannte in diesem komplexen internationalen Energieabkommen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/wahrzeichen-reise-reisen-usa-20185817/ · Foto: Shea B
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/usa-venezuela-oel-deal-100.html