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Niedrigwasser legt Munition frei: Phosphorgranate aus Rhein bei Trebur aufgetaucht
Regional · 12.08.2026 16:43

Niedrigwasser legt Munition frei: Phosphorgranate aus Rhein bei Trebur aufgetaucht

Kurz: Das extreme Niedrigwasser des Rheins bei Trebur hat eine gefährliche Phosphorgranate aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt, die für einen Polizeieinsatz sorgte.

Ein gefährlicher Fund am Rheinufer

Die anhaltende Trockenperiode in Hessen führt derzeit zu historisch niedrigen Wasserständen in den Flüssen, was in der Region Groß-Gerau nun zu einem gefährlichen Zwischenfall geführt hat. Am Rheinufer bei Trebur entdeckte ein aufmerksamer Spaziergänger in den frühen Morgenstunden des vergangenen Mittwochs ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg. Es handelte sich um eine Phosphorgranate, die durch den sinkenden Pegelstand des Rheins freigelegt wurde. Sobald das Kampfmittel an die Wasseroberfläche gelangte und mit der Umgebungsluft in Berührung kam, setzte eine gefährliche chemische Reaktion ein. Der enthaltene Phosphor reagierte unmittelbar mit dem Sauerstoff, was dazu führte, dass das Objekt zu qualmen begann. Der Finder handelte besonnen und alarmierte umgehend die zuständigen Sicherheitskräfte, woraufhin die Polizei den Bereich sicherte. Ein spezialisierter Kampfmittelräumdienst wurde hinzugezogen, um die Granate vor Ort unschädlich zu machen und den gefährlichen Gegenstand sicher abzutransportieren. Glücklicherweise kam bei diesem Vorfall niemand zu Schaden, doch der Vorfall unterstreicht die latente Gefahr, die von den im Flussbett verborgenen Hinterlassenschaften des Krieges ausgeht.

Details zum Einsatz in Trebur

Der Vorfall ereignete sich im Bereich Kornsand, einem bekannten Uferabschnitt bei Trebur. Wie die Polizei am Mittwoch offiziell mitteilte, ging die Meldung über den Fund gegen 1:40 Uhr in der Nacht ein. Die Beamten trafen zeitnah am Fundort ein, um die Lage zu sondieren und den Bereich für die Experten des Kampfmittelräumdienstes abzusperren. Die Besonderheit bei Phosphorgranaten liegt in ihrer Instabilität: Der Kontakt mit Sauerstoff führt zu einer Selbstentzündung, was den Fund besonders tückisch macht. Da der Kampfmittelräumdienst des Regierungspräsidiums Darmstadt die Granate noch vor Ort unschädlich machen konnte, wurde eine größere Gefährdung für die Bevölkerung in der Umgebung vermieden. Der Abtransport verlief ohne weitere Zwischenfälle, sodass die unmittelbare Gefahr nach dem Einsatz der Experten gebannt war. Den Berichten zufolge handelte es sich um einen klassischen Fund, der durch die klimatischen Bedingungen der letzten Wochen begünstigt wurde, da das Wasser so weit zurückwich, dass die Munition erst sichtbar und dann durch den Luftkontakt reaktiv wurde.

Hintergrund der Munitionsfunde

Das Auftauchen von Munition aus dem Zweiten Weltkrieg ist in hessischen Gewässern bei Niedrigwasser kein Einzelfall, sondern ein wiederkehrendes Phänomen. Erst vor etwa zwei Wochen gab es einen ähnlichen Vorfall bei Lampertheim im Kreis Bergstraße, bei dem Infanteriemunition aus dem Rhein geborgen werden musste. Damals hatte ein Finder die Munition eigenmächtig zur Feuerwehr gebracht, was einen größeren Einsatz des Kampfmittelräumdienstes auslöste. Diese Ereignisse zeigen, dass die jahrzehntelange Lagerung unter Wasser die Kampfmittel keineswegs harmlos gemacht hat. Im Gegenteil: Die Witterungseinflüsse über viele Jahrzehnte hinweg haben die Hüllen der Granaten und Patronen korrodieren lassen, wodurch sie extrem unberechenbar geworden sind. Die chemischen Zünder und Füllungen sind oft noch immer hochgradig gefährlich. Experten weisen darauf hin, dass die Veränderung des Wasserstandes die Munition nicht nur freilegt, sondern auch die chemische Stabilität der Objekte verändern kann, sobald diese aus ihrer schützenden Schlammschicht an die Oberfläche gelangen.

Die Rolle der Beteiligten und Institutionen

An dem Einsatz bei Trebur waren primär die Polizei sowie der Kampfmittelräumdienst des Regierungspräsidiums Darmstadt beteiligt. Diese Institutionen sind für die Gefahrenabwehr bei derartigen Funden zuständig. Der Kampfmittelräumdienst fungiert dabei als zentrale Instanz, die über die notwendige Expertise verfügt, um die instabilen Kampfmittel zu identifizieren und zu entschärfen. Die Polizei übernimmt dabei die Absicherung des Fundortes, um zu verhindern, dass unbeteiligte Personen in die Gefahrenzone geraten. Der Finder, dessen Identität nicht näher beleuchtet wurde, wird in den Berichten als die Person hervorgehoben, die durch ihren Notruf die Rettungskette in Gang setzte. Die Behörden betonen in diesem Zusammenhang, dass das Verhalten des Finders in Trebur vorbildlich war, da er Abstand hielt und die Experten informierte, anstatt selbst Hand an das gefährliche Objekt zu legen. Dies steht im Kontrast zu dem Vorfall in Lampertheim, bei dem der Finder durch das eigenmächtige Transportieren der Munition sich und andere in eine unnötige Gefahr brachte.

Einordnung und offene Fragen

Einzuordnen ist das Geschehen als eine direkte Folge der klimatischen Extrembedingungen, die den Rheinpegel sinken lassen. Die Experten des Kampfmittelräumdienstes warnen eindringlich davor, bei Spaziergängen am Rheinufer gefundene Gegenstände zu berühren, zu bewegen oder gar mitzunehmen. Die Munition ist durch den langen Aufenthalt im Wasser und die chemische Zersetzung der Gehäuse in einem Zustand, in dem jede Erschütterung oder Temperaturänderung eine Detonation oder eine chemische Reaktion auslösen kann. Den Berichten zufolge ist die Gefahr bei Phosphorgranaten besonders hoch, da diese bei Luftkontakt zu brennen beginnen. Was der Quelltext jedoch nicht beantwortet, ist die Frage, wie viele weitere Kampfmittel noch im Bereich Kornsand oder an anderen Abschnitten des Rheins verborgen liegen könnten. Auch bleibt offen, ob es systematische Absuchungen durch die Behörden gibt oder ob man sich ausschließlich auf Zufallsfunde durch die Bevölkerung verlässt. Ebenso wenig wird geklärt, wie hoch die Dunkelziffer an nicht gemeldeten Munitionsfunden ist, die von Spaziergängern möglicherweise aus Unwissenheit ignoriert oder falsch behandelt wurden. Es bleibt bei der dringenden Empfehlung, bei jedem Verdacht sofort den Notruf zu wählen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/menschen-strasse-banner-freiheit-27500137/ · Foto: Omar Ramadan
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-niedrigwasser-legt-munition-frei-phosphorgranate-aus-rhein-bei-trebur-aufgetaucht-100.html