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Niedrigwasser der Donau: Ungarn schaltet AKW aus
Schlagzeilen · 02.08.2026 12:37

Niedrigwasser der Donau: Ungarn schaltet AKW aus

Kurz: Wegen historischer Niedrigwasserstände der Donau schaltet Ungarn sein einziges Atomkraftwerk Paks komplett ab. Auch in Deutschland sinken die Pegel dramatisch.

Ein beispielloser Schritt für die ungarische Energieversorgung

Die anhaltende Trockenheit und die damit verbundenen sinkenden Pegelstände der Donau haben in Ungarn zu einer drastischen Maßnahme geführt. Wie Ministerpräsident Peter Magyar bekannt gab, wird das einzige Atomkraftwerk des Landes, Paks, vollständig vom Netz genommen. Dieser Schritt ist historisch: Zum ersten Mal seit seiner Inbetriebnahme vor 44 Jahren wird das Kraftwerk, das etwa 100 Kilometer südlich von Budapest liegt, komplett abgeschaltet.

Der Grund für diesen Notfallplan ist die Abhängigkeit des AKW von der Donau. Das Flusswasser wird zwingend zur Kühlung der vier Reaktorblöcke benötigt. Da der Wasserstand am Unterlauf des Flusses stellenweise auf nur noch ein Drittel des langjährigen Juli-Durchschnitts gesunken ist, ist ein sicherer Betrieb der Anlage nicht mehr gewährleistet.

Stromengpässe und Maßnahmen für die Industrie

Die Abschaltung bedeutet den Ausfall von 2.000 Megawatt Strom aus heimischer Produktion. Um die Versorgungssicherheit trotz der steigenden Nachfrage – bedingt durch die sommerliche Hitze – aufrechtzuerhalten, hat die ungarische Regierung weitreichende Vorkehrungen getroffen. Ministerpräsident Magyar ordnete an, dass die Stromzufuhr für industrielle Großverbraucher gedrosselt werden kann, sollten diese ihre Sparziele nicht eigenständig umsetzen.

Erste Unternehmen, darunter namhafte Automobilhersteller wie Mercedes und Suzuki, haben bereits reagiert und angekündigt, den Energieverbrauch in ihren ungarischen Werken zu reduzieren. Zudem ist die Bevölkerung dazu aufgerufen, in den Spitzenzeiten zwischen 17 und 22 Uhr den Stromverbrauch – etwa durch Klimaanlagen oder das Laden von Elektrofahrzeugen – auf ein Minimum zu beschränken.

Die Lage in Deutschland: Rekordtiefstände an Rhein und Elbe

Nicht nur Ungarn kämpft mit dem Wassermangel. Auch in Deutschland verzeichnen die großen Flüsse besorgniserregende Tiefststände. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) warnt vor einer anhaltenden Tendenz sinkender Pegel, da Regenschauer lediglich kurzzeitige Entlastungen bringen, die den langfristigen Abwärtstrend nicht stoppen können.

Besonders kritisch stellt sich die Situation am Rhein dar. In Köln wurde ein neuer Negativrekord gemessen: Mit 67 Zentimetern liegt der Pegel unter dem bisherigen Tiefststand aus dem Oktober 2018. Auch in Duisburg-Ruhrort und Düsseldorf wurden die historischen Tiefstwerte von 2018 erneut erreicht. Die Auswirkungen auf den Schiffsverkehr sind gravierend. Auf der Elbe führte das Niedrigwasser bereits zur Einstellung des Fährbetriebs in Magdeburg-Westerhüsen, da die Wassertiefe für einen sicheren Betrieb nicht mehr ausreichte.

Klimawandel als Treiber der Wasserknappheit

Experten betonen, dass Niedrigwasserphasen zwar kein neues Phänomen sind, sich jedoch durch den Klimawandel in ihrer Intensität und Häufigkeit verändern. Üblicherweise treten solche Phasen erst im Spätsommer oder Herbst auf. Die Kombination aus hohen Temperaturen und ausbleibenden Niederschlägen führt jedoch zu einer beschleunigten Verdunstung, die die Wasserläufe zunehmend austrocknen lässt.

Das Informationssystem Niwis verdeutlicht das Ausmaß der Krise: Aktuell weisen rund 78 Prozent der Messstellen an der Donau sowie 44 Prozent am Rhein extrem niedrige Wasserstände auf. Deutschland hat nach Angaben der BfG in den vergangenen 25 Jahren rund 60 Milliarden Kubikmeter Wasser verloren. Diese Entwicklung stellt nicht nur die Energieversorgung, sondern auch die Schifffahrt und die betroffenen Ökosysteme vor enorme Herausforderungen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/standard-34431047/ · Foto: K
Quelle: https://www.zdfheute.de/panorama/fluesse-niedrigwasser-rhein-donau-ungarn-akw-100.html