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Neuer Wehrdienst: Ray Baracks in Friedberg bald Bundeswehr-Standort?
Regional · 10.08.2026 21:10

Neuer Wehrdienst: Ray Baracks in Friedberg bald Bundeswehr-Standort?

Kurz: Die ehemaligen Ray Barracks in Friedberg könnten wieder militärisch genutzt werden. Der Bund plant dort eine Ausbildungseinrichtung für den neuen Wehrdienst.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Die ehemalige US-Kaserne Ray Barracks in Friedberg steht vor einer möglichen Rückkehr zur militärischen Nutzung. Wie das Bundesverteidigungsministerium in Berlin am Montag bekannt gab, befindet sich das rund 74 Hektar große Gelände im Fokus der Bundeswehr, um dort Kapazitäten für die Ausbildung von Soldaten zu schaffen. Im Rahmen der bundesweiten Planung, an fünf Standorten vorbereitende Schritte für den neuen Wehrdienst einzuleiten, ist der Standort in der Wetterau-Kreisstadt als ein zentrales Ziel identifiziert worden. Die Absicht des Bundes, das Areal für militärische Zwecke zu reaktivieren, hat sich in den vergangenen Tagen deutlich verfestigt. Dies stellt eine Zäsur für die bisherigen Planungen des Wetterau-Kreises dar, der das Gelände nach dem Abzug der US-Streitkräfte in ein ziviles Quartier umwandeln wollte. Die Entwicklung markiert einen Wendepunkt, da nun eine Absichtserklärung erarbeitet werden soll, die den rechtlichen und organisatorischen Rahmen für die Wiedernutzung der Liegenschaft durch das Verteidigungsministerium abstecken wird. Damit zeichnet sich ab, dass die militärische Vergangenheit des Areals, das einst durch prominente Bewohner wie Elvis Presley internationale Bekanntheit erlangte, eine direkte Fortsetzung finden könnte.

Die Einzelheiten der Planung

Die Ray Barracks umfassen eine Gesamtfläche von etwa 74 Hektar und beinhalten neben den Kasernengebäuden auch den US-Übungsplatz im Stadtteil Ockstadt. Die vom Bund angestrebte militärische Nutzung erfordert nach Angaben des Ministeriums kurzfristig eingeleitete Landbeschaffungsverfahren, um die notwendigen Ausbildungskapazitäten für den neuen Wehrdienst zu schaffen. Dabei soll die Liegenschaft wieder vollständig in den Besitz des Bundesverteidigungsministeriums übergehen. Der Wetterau-Kreis hat in das Areal bereits erhebliche Summen investiert. Rund 13 Millionen Euro flossen bisher in die Kernsanierung ehemaliger Kasernengebäude, um diese als Unterkünfte für Geflüchtete nutzbar zu machen. Landrat Jan Weckler (CDU) betonte die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Bundeswehr, stellte jedoch die Forderung auf, dass der Bund die bereits getätigten Investitionen in Höhe von 13 Millionen Euro erstatten müsse. Die Stadt Friedberg, vertreten durch Bürgermeister Kjetil Dahlhaus, Stadtverordnetenvorsteher Bernd Wagner (CDU) und die Erste Stadträtin Christine Diegel, befindet sich nach eigenen Angaben in der Anlaufphase der Gespräche mit dem Bund. Das Ziel sei es, die militärische Nutzung mit den städtischen Interessen in Einklang zu bringen, wenngleich die Rahmenbedingungen noch sehr vage sind.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die Geschichte der Ray Barracks ist tief mit der militärischen Präsenz der USA in Deutschland verbunden. Im Jahr 2007 gaben die US-Streitkräfte das Gelände auf und übergaben die Flächen an den Bund. Das Areal bot zu diesem Zeitpunkt eine autarke Infrastruktur, die unter anderem ein Kino, ein Theater, einen Supermarkt sowie eine Sport- und Fitnesshalle umfasste. Weltweit bekannt wurde der Standort vor allem durch Elvis Presley, der dort von Oktober 1958 bis März 1960 seinen Wehrdienst leistete. Nach der Rückgabe an den Bund entwickelte der Wetterau-Kreis ambitionierte Pläne für eine zivile Nachnutzung. Es sollte ein eigenständiges Quartier entstehen, das Wohnraum, gewerbliche Flächen, Mischgebiete und Angebote zur Nahversorgung vereint. Ein Teil der Gebäude wurde bereits saniert, um als Unterbringungsmöglichkeit für Geflüchtete zu dienen. Diese zivile Umnutzung wurde nun durch den Bedarf der Bundeswehr an neuen Ausbildungsplätzen in Frage gestellt. Der Bund sucht bundesweit nach Standorten, um den neuen Wehrdienst organisatorisch umzusetzen, wobei die vorhandene Infrastruktur der Ray Barracks aufgrund ihrer militärischen Historie und der vorhandenen Bausubstanz als besonders geeignet für eine schnelle Reaktivierung angesehen wird.

Die beteiligten Akteure

In den Prozess der Standortentscheidung sind verschiedene Institutionen und Entscheidungsträger involviert. Auf Bundesebene treibt das Bundesverteidigungsministerium die Planungen voran, da es für die Schaffung der Ausbildungskapazitäten verantwortlich ist. Auf kommunaler Ebene sind der Wetterau-Kreis sowie die Stadt Friedberg die primären Ansprechpartner. Landrat Jan Weckler (CDU) vertritt die Interessen des Kreises und fordert eine finanzielle Entschädigung für die bisherigen Investitionen. Die Stadt Friedberg ist durch Bürgermeister Kjetil Dahlhaus, den Stadtverordnetenvorsteher Bernd Wagner (CDU) und die Erste Stadträtin Christine Diegel in den laufenden Prozess eingebunden. Diese Akteure haben in einer gemeinsamen Stellungnahme ihre Haltung zur aktuellen Situation dargelegt. Sie betonen einerseits die Kooperationsbereitschaft, halten aber gleichzeitig an der Hoffnung fest, dass Teile des Geländes für die ursprünglich geplante Stadtentwicklung reserviert bleiben können. Die Kommunikation zwischen dem Ministerium und den kommunalen Vertretern befindet sich laut den Beteiligten erst in der Anlaufphase, was die Komplexität der Abstimmungsprozesse zwischen den verschiedenen Verwaltungsebenen unterstreicht.

Einordnung der Situation

Einzuordnen ist die aktuelle Entwicklung als ein Konflikt zwischen zwei konträren Flächennutzungsinteressen. Einerseits steht das nationale Interesse des Bundes, die Verteidigungsfähigkeit durch den neuen Wehrdienst zu stärken, was den schnellen Zugriff auf geeignete Liegenschaften erfordert. Andererseits steht das lokale Interesse der Stadt Friedberg, die städtebauliche Entwicklung voranzutreiben und den bereits begonnenen Umbau zu einem zivilen Quartier nicht vollständig zu verwerfen. Den Berichten zufolge ist die Lage für die Stadt Friedberg schwierig, da die militärische Nutzung des Geländes die ursprünglichen Pläne für Wohnen und Gewerbe massiv einschränken könnte. Die Forderung des Landrats nach einer Kostenerstattung von 13 Millionen Euro verdeutlicht zudem, dass der Bund nicht nur eine Fläche, sondern auch die finanzielle Last der bisherigen Kreis-Investitionen übernehmen müsste. Es ist davon auszugehen, dass die Integration der Bundeswehr in das Stadtleben eine Herausforderung darstellt, da die militärische Nutzung Sicherheitsaspekte und logistische Anforderungen mit sich bringt, die mit einer zivilen Quartiersentwicklung kollidieren könnten. Die Absichtserklärung wird hierbei als entscheidendes Dokument gewertet, um die künftige Ausrichtung des Geländes verbindlich zu regeln.

Offene Fragen und Lücken

Trotz der Ankündigung des Verteidigungsministeriums bleiben zahlreiche Fragen unbeantwortet. Die Stadtverwaltung von Friedberg weist ausdrücklich darauf hin, dass es aktuell noch mehr offene Fragen als geklärte Punkte gibt. Konkret unklar ist, wie die Zuwegung zum Gelände gestaltet werden soll, wenn ein Teil militärisch genutzt wird. Auch die Infrastruktur stellt ein großes Fragezeichen dar: Es ist nicht geklärt, wie die Wasser- und Energieversorgung für die Bundeswehr sichergestellt werden soll, ohne die Kapazitäten für die zivile Stadtentwicklung zu gefährden. Zudem ist offen, wie der Bedarf an Wohnraum, Schulplätzen und Kindergartenplätzen in der Stadt gedeckt werden kann, falls durch die Bundeswehr ein Zuzug von Personal erfolgt. Ein weiterer kritischer Punkt ist die Integration der Bundeswehr in das städtische Leben, wofür derzeit noch keine Konzepte vorliegen. Die genaue Aufteilung des 74 Hektar großen Geländes – also welcher Anteil militärisch genutzt wird und welcher Teil für die ursprüngliche Stadtentwicklung verbleibt – ist ebenfalls noch nicht definiert. Diese Lücken in der Planung verdeutlichen, dass die Verhandlungen zwischen Bund und Kommune noch am Anfang stehen.

Wie es weitergeht

Die nächsten Schritte sehen die Ausarbeitung einer Absichtserklärung vor, die als Grundlage für die Wiedernutzung der Liegenschaft dienen soll. Das Bundesverteidigungsministerium hat angekündigt, dass in diesem Zusammenhang kurzfristig Landbeschaffungsverfahren eingeleitet werden müssen, um die geplanten Ausbildungskapazitäten zu realisieren. Diese Verfahren sind notwendig, um die Liegenschaften wieder in eine militärische Nutzung zu überführen und in den Besitz des Bundes zu bringen. Für die Stadt Friedberg und den Wetterau-Kreis bedeutet dies, dass sie in den kommenden Wochen und Monaten in intensive Verhandlungen mit den Vertretern des Bundes treten müssen. Es bleibt abzuwarten, ob die geforderte finanzielle Entschädigung für die bereits getätigten Investitionen in Höhe von 13 Millionen Euro in die Absichtserklärung aufgenommen wird. Zudem müssen die offenen infrastrukturellen Fragen geklärt werden, bevor eine endgültige Entscheidung über die tatsächliche Flächenaufteilung getroffen werden kann. Die Stadtverwaltung bleibt vorsichtig optimistisch, dass ein Teil des Geländes für die zivile Entwicklung erhalten bleibt, doch die rechtliche und organisatorische Dominanz des Bundes im Rahmen der Wehrdienst-Planungen lässt den Spielraum für die Kommune derzeit begrenzt erscheinen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/demo-29360204/ · Foto: Tobi &Chris
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-neuer-wehrdienst-ray-baracks-in-friedberg-als-bundeswehr-standort-im-blick-100.html