Ein neues Gesicht für die europäische Gemeinschaftswährung
Mehr als 20 Jahre nach dem Start des Euro-Bargelds leitet die Europäische Zentralbank (EZB) einen Prozess zur optischen Neugestaltung der Banknoten ein. Dieser Schritt soll nicht nur die Ästhetik modernisieren, sondern auch die Identität der EU-Staaten stärken. Die EZB hat nun eine Phase eingeleitet, in der die europäische Bevölkerung aktiv an der Auswahl der grafischen Gestaltung mitwirken kann.
Bürgerbeteiligung bei der Designwahl
Die EZB hat zehn verschiedene Entwürfe veröffentlicht, die aus einem europaweiten Wettbewerb mit über 1.200 Einreichungen hervorgegangen sind. Interessierte können sich online durch diese Vorschläge klicken und ihre Einschätzungen sowie Präferenzen abgeben. Das Votum der Bürger fließt in die finale Entscheidung des EZB-Rats ein, die für Ende 2026 erwartet wird.
Es ist wichtig zu betonen, dass sich die aktuelle Abstimmung ausschließlich auf die grafische Umsetzung bezieht. Die inhaltlichen Motivwelten wurden bereits in einem vorherigen Prozess festgelegt, bei dem ebenfalls eine breite Bürgerbefragung stattfand.
Die zwei gewählten Motivwelten
Für die neuen Scheine haben sich zwei Themenkomplexe durchgesetzt, die den Euro als greifbares Symbol Europas repräsentieren sollen:
* **Europäische Kultur:** Diese Reihe würdigt prägende Persönlichkeiten der Geschichte. Auf den Vorderseiten finden sich unter anderem Maria Callas (5 Euro), Ludwig van Beethoven (10 Euro), Marie Curie (20 Euro), Miguel de Cervantes (50 Euro), Leonardo da Vinci (100 Euro) und Bertha von Suttner (200 Euro). Die Rückseiten zeigen kulturelle Motive wie Kinderchöre oder Straßenkunst.
* **Flüsse und Vögel:** Diese Serie setzt auf Naturmotive. Auf den Vorderseiten sind Vögel wie der Mauerläufer, der Eisvogel, der Weißstorch oder der Basstölpel abgebildet. Die Rückseiten thematisieren europäische Institutionen wie das Europäische Parlament oder die EZB selbst.
Mehr als nur ein neues Design
Die Überarbeitung der Banknoten verfolgt über die Ästhetik hinausgehende Ziele. Die neuen Scheine sollen laut EZB-Angaben:
* **Sicherheit bieten:** Durch modernste Sicherheitsmerkmale soll der Fälschungsschutz signifikant erhöht werden.
* **Nachhaltigkeit fördern:** Die neuen Banknoten sollen langlebiger und umweltfreundlicher in der Produktion sein.
* **Inklusion ermöglichen:** Ein zentraler Aspekt ist die bessere Unterscheidbarkeit für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen.
Während die bisherigen Scheine mit ihren abstrakten Brücken- und Tormotiven bewusst neutral gehalten wurden, um kein Land zu bevorzugen, setzen die neuen Entwürfe auf eine konkretere Bildsprache. EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte, dass die Banknoten eine der greifbarsten Ausdrucksformen des europäischen Zusammenhalts seien.
Kontext: Bargeld in einer digitalen Ära
Die Neugestaltung findet in einer Zeit statt, in der sich das Zahlungsverhalten in Europa wandelt. Studien, etwa vom Kölner Handelsforschungsinstitut EHI, zeigen, dass bargeldlose Zahlungen per Karte oder Smartphone in Deutschland bereits einen Großteil der Umsätze ausmachen. Dennoch bleibt Bargeld ein emotional besetztes Thema.
Parallel dazu arbeitet die EZB an der Einführung eines digitalen Euro. Hierbei wird jedoch betont, dass die digitale Währung lediglich als Ergänzung und nicht als Ersatz für physisches Bargeld konzipiert ist. Die in Brüssel diskutierten Gesetzesentwürfe sehen zudem eine verpflichtende Annahme von Bargeld vor, um dessen Rolle im Zahlungsverkehr langfristig zu sichern.
Ausblick
Die Abstimmungsphase für die grafischen Entwürfe endet am 21. September. Nach der finalen Entscheidung des EZB-Rats Ende 2026 wird es allerdings noch einige Jahre dauern, bis die neuen Banknoten tatsächlich in den Umlauf gelangen und die bisherigen Euro-Scheine schrittweise ablösen.