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Nach Landtagswahl - BSW will unter Umständen Weg für AfD-Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt freimachen
Schlagzeilen · 12.08.2026 11:57

Nach Landtagswahl - BSW will unter Umständen Weg für AfD-Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt freimachen

Kurz: Das BSW plant nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ein politisches Manöver, das indirekt einen AfD-Ministerpräsidenten ermöglichen könnte.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Kurz vor der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sorgt das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) mit einer strategischen Ankündigung für erhebliches Aufsehen. Die Parteigründerin Sahra Wagenknecht hat gegenüber der „Bild“-Zeitung dargelegt, dass ihre Partei unter bestimmten Voraussetzungen den Weg für einen Ministerpräsidenten der AfD freimachen könnte. Das erklärte Ziel des BSW ist es, den amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Schulze abzulösen. Um dieses Ziel zu erreichen, schlägt Wagenknecht ein Modell vor, bei dem ein überparteilicher Kandidat mit einem sogenannten Kompetenzkabinett und wechselnden Mehrheiten regieren soll. Sollte dieses Modell von den anderen politischen Akteuren im Landtag abgelehnt werden, plant das BSW, sich im entscheidenden dritten Wahlgang der Ministerpräsidentenwahl der Stimme zu enthalten. Da in diesem dritten Wahlgang lediglich die Mehrheit der abgegebenen Stimmen ausreicht, könnte eine solche Enthaltung rechnerisch dazu führen, dass der AfD-Spitzenkandidat Siegmund zum Regierungschef gewählt wird. Die politische Landschaft in Sachsen-Anhalt ist somit in Bewegung geraten, da die strategischen Überlegungen des BSW eine direkte Auswirkung auf die Machtverhältnisse nach dem 6. September haben könnten.

Die Einzelheiten der politischen Strategie

Die Ausgangslage für dieses Szenario basiert auf aktuellen Umfragewerten des Instituts Insa. Demnach erreicht die AfD in Sachsen-Anhalt derzeit einen Zustimmungswert von 42 Prozent, während das BSW bei fünf Prozent liegt. Die etablierten Parteien CDU, Linke und SPD kommen zusammen lediglich auf 41 Prozent. Das Wahlverfahren sieht vor, dass in den ersten beiden Wahlgängen die absolute Mehrheit aller Abgeordneten erforderlich ist. Erst im dritten Wahlgang reicht die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen aus, wobei Enthaltungen bei der Berechnung nicht berücksichtigt werden. Sahra Wagenknecht betonte, dass der angestrebte überparteiliche Kandidat mit einem Kompetenzkabinett agieren solle. Wer genau für diese Rolle vorgesehen ist, ließ die BSW-Gründerin jedoch offen. Auf der Gegenseite hat der AfD-Spitzenkandidat Siegmund bereits deutlich reagiert. In einem Interview mit dem Sender „Welt TV“ wies er die mögliche Schützenhilfe des BSW zurück. Er betonte, dass er sich keinesfalls durch eine Enthaltung des BSW im dritten Wahlgang zum Regierungschef wählen lassen wolle. Sein erklärtes Ziel bleibe stattdessen eine Alleinregierung seiner Partei, ohne auf derartige taktische Manöver anderer Fraktionen angewiesen zu sein.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die Debatte um die Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt findet vor dem Hintergrund einer stark polarisierten politischen Stimmung statt. Die Landtagswahl ist für den 6. September 2026 terminiert. Die Überlegungen des BSW, den amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Schulze abzulösen, spiegeln den Wunsch der Partei wider, die bisherige politische Ordnung im Bundesland grundlegend zu verändern. Dass das BSW dabei sogar eine indirekte Unterstützung für einen AfD-Kandidaten in Kauf nimmt, markiert eine Zäsur im bisherigen Auftreten der jungen Partei. Die Strategie, auf wechselnde Mehrheiten und ein überparteiliches Kabinett zu setzen, wird von Wagenknecht als Alternative zur bisherigen Regierungsführung präsentiert. Dass die AfD mit ihren hohen Umfragewerten von 42 Prozent eine zentrale Rolle in den Berechnungen spielt, unterstreicht die schwierige parlamentarische Arithmetik, die nach dem Wahltag zu erwarten ist. Die bisherige politische Konstellation, in der die CDU als stärkste Kraft agiert, sieht sich nun mit einer Herausforderung konfrontiert, die durch die taktische Ankündigung des BSW eine neue Dynamik erhalten hat.

Die Beteiligten und ihre Positionen

Die zentralen Akteure in diesem politischen Geflecht sind Sahra Wagenknecht als Gründerin des BSW, der amtierende Ministerpräsident Schulze von der CDU sowie der AfD-Spitzenkandidat Siegmund. Wagenknecht fungiert hierbei als Strategin, die das Ziel der Abwahl des amtierenden Regierungschefs priorisiert. Der amtierende Ministerpräsident Schulze steht als Zielscheibe dieser Abwahlbestrebungen im Zentrum der Angriffe. Der AfD-Spitzenkandidat Siegmund nimmt eine ambivalente Rolle ein: Einerseits profitiert seine Partei von den rechnerischen Möglichkeiten, die sich aus der Schwäche der anderen Parteien und der Enthaltungstaktik des BSW ergeben könnten, andererseits lehnt er eine solche Unterstützung ausdrücklich ab. Er setzt auf eine klare politische Linie und eine Alleinregierung, was seine Distanz zu den taktischen Spielchen des BSW verdeutlicht. Die Institutionen, die in den Berichten genannt werden, umfassen das BSW, die CDU, die Linke, die SPD sowie die AfD, die alle in unterschiedlicher Weise von den Ergebnissen der Landtagswahl und den daraus resultierenden Koalitions- oder Tolerierungsverhandlungen betroffen sind.

Einordnung der politischen Lage

Einzuordnen ist das Vorgehen des BSW als ein Versuch, die parlamentarische Blockade, die sich durch die Umfragen abzeichnet, durch ein unkonventionelles Modell aufzubrechen. Den Berichten zufolge ist die Ankündigung der Enthaltung ein Druckmittel, um das Modell des überparteilichen Kandidaten für andere Parteien attraktiver zu machen oder zumindest die CDU-geführte Regierung zu destabilisieren. Politisch bedeutet dies, dass das BSW bereit ist, das Risiko einer AfD-Regierung in Kauf zu nehmen, um den eigenen politischen Einfluss geltend zu machen. Die Ablehnung durch den AfD-Spitzenkandidaten Siegmund zeigt jedoch, dass die Rechnung des BSW nicht zwingend aufgehen muss. Selbst wenn das BSW den Weg frei machen würde, ist unklar, ob die AfD bereit wäre, ein solches Modell anzunehmen, da Siegmund explizit eine Alleinregierung anstrebt. Die Situation verdeutlicht die Komplexität der Regierungsbildung in einem Parlament, in dem die traditionellen Mehrheitsverhältnisse erodieren und neue, unvorhersehbare Konstellationen entstehen.

Offene Fragen und Ausblick

Zahlreiche Fragen bleiben nach den Äußerungen von Sahra Wagenknecht offen. Insbesondere bleibt unklar, wer der von ihr erwähnte „überparteiliche Kandidat“ sein könnte, der ein solches Kompetenzkabinett anführen soll. Auch die Frage, wie ein solches Kabinett mit wechselnden Mehrheiten in der Praxis regieren soll, ohne in ständige parlamentarische Blockaden zu geraten, wird nicht beantwortet. Ebenso offen ist, wie die anderen Parteien – insbesondere Linke und SPD – auf das Angebot des BSW reagieren werden, da sie in der aktuellen Umfrage gemeinsam mit der CDU auf 41 Prozent kommen, was eine Zusammenarbeit mit dem BSW rechnerisch relevant machen könnte. Wie es weitergeht, hängt nun maßgeblich vom Wahlausgang am 6. September ab. Erst nach der Veröffentlichung der offiziellen Sitzverteilung im Landtag wird sich zeigen, ob die rechnerischen Szenarien des BSW überhaupt eine Grundlage für reale Verhandlungen bieten oder ob die Parteien auf andere Koalitionsmodelle ausweichen müssen. Die kommenden Wochen bis zum Wahltermin werden zeigen, ob die Ankündigung von Wagenknecht die Wähler beeinflusst oder ob sie lediglich ein taktisches Manöver bleibt, das nach der Wahl in der Realität der parlamentarischen Arbeit keine Anwendung findet.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/rathaus-zittau-im-morgenlicht-deutschland-33000553/ · Foto: Niklas Jeromin
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/bsw-will-unter-umstaenden-weg-fuer-afd-ministerpraesidenten-in-sachsen-anhalt-freimachen-100.html