Ein System bricht zusammen
Die Entscheidung der US-Regierung unter Präsident Trump, das Hilfsprogramm USAID weltweit einzustellen, zieht in Nepal gravierende Konsequenzen nach sich. Was als strategische Neuausrichtung der US-Außenpolitik begann, hat in dem südasiatischen Land zu einer humanitären Lücke geführt, die weitreichende soziale und gesundheitliche Folgen hat. Schätzungen zufolge waren in Nepal rund 35.000 Menschen im humanitären Sektor beschäftigt, deren Arbeitsgrundlage nun entfallen ist.
Die Auswirkungen treffen insbesondere marginalisierte Gruppen. Rubi Lama, eine Transfrau, die zuvor selbst in der Präventionsarbeit tätig war, steht beispielhaft für viele Betroffene. Durch den Wegfall der Finanzierung verlor sie nicht nur ihre Beschäftigung, sondern auch den Zugang zu grundlegenden Schutzmaßnahmen, die sie zuvor selbst an andere weitergegeben hatte.
Die prekäre Lage der LGBTQ-Gemeinschaft
Besonders schwer wiegt der Wegfall der Unterstützung für die LGBTQ-Community. Die "Blue Diamond Society", eine Organisation, die sich seit 25 Jahren für die Rechte dieser Menschen einsetzt, musste einen Großteil ihrer Programme einstellen. Laut dem Gründer Sunil Babu Pant ist dies kein Einzelfall: Schätzungsweise 300 bis 400 Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in Nepal mussten ihre Arbeit aufgrund der ausbleibenden US-Gelder reduzieren oder ganz beenden.
Für Menschen wie Rubi Lama, die aufgrund ihrer Identität oft familiäre Unterstützung verloren haben, ist der wirtschaftliche Abstieg vorprogrammiert. Da der Zugang zu Krediten für Menschen ohne Sicherheiten oder festes Einkommen in Nepal kaum möglich ist, bleibt vielen Betroffenen laut Pant kaum eine andere Wahl, als in die Sexarbeit abzuwandern. Dies geschieht unter extrem prekären Bedingungen.
Gesundheitsrisiken und Gewalt
Die sexuelle Dienstleistung am Straßenrand ist für viele Betroffene mit massiven Gefahren verbunden. Berichte über Übergriffe durch aggressive, teils berauschte Kundengruppen sind an der Tagesordnung. Die finanzielle Notlage verschärft das gesundheitliche Risiko zusätzlich:
* **Kostenfaktor Verhütung:** Ein Kunde zahlt oft nur etwa 100 Rupien für sexuelle Dienstleistungen. Eine Packung Kondome kostet hingegen 150 Rupien, was den Schutz für die Betroffenen unbezahlbar macht.
* **Wegfall kostenloser Angebote:** Früher durch USAID finanzierte Leistungen wie kostenlose Kondome, Gleitmittel und HIV-Präventionsmedikamente (PrEP) sind nicht mehr verfügbar.
* **Fehlende medizinische Versorgung:** HIV-Behandlungen, die zuvor flächendeckend angeboten wurden, sind für die Betroffenen nun kaum noch zugänglich.
Fehlende Daten als neues Hindernis
Ein weiteres Problem ist die mangelnde Dokumentation der aktuellen Lage. Da Forschungsgelder gestrichen wurden, können Organisationen wie die Blue Diamond Society die Zunahme von Menschenrechtsverletzungen oder die Ausbreitung von Infektionskrankheiten kaum noch wissenschaftlich belegen. Es gibt zwar Berichte über einen Anstieg sexuell übertragbarer Infektionen, doch eine fundierte Datenerhebung ist ohne externe Finanzierung kaum möglich.
Die Priorisierung der Mittel ist für die verbliebenen Organisationen ein täglicher Kampf. Wenn überhaupt noch Gelder vorhanden sind, fließen diese in die unmittelbare Versorgung wie Kondome oder Tests, während die Forschung und Dokumentation vollständig auf der Strecke bleiben. Die Situation in Nepal verdeutlicht, wie der Rückzug internationaler Hilfsprogramme eine Kette von Ereignissen auslöst, die von der Arbeitslosigkeit über soziale Ausgrenzung bis hin zu akuten gesundheitlichen Gefahren reicht.