Alte Bekannte in neuer Umgebung
Es ist ein Bild, das bei vielen Fußballfans in Deutschland nostalgische Gefühle weckt: Thomas Müller und Robert Lewandowski stehen im Rampenlicht und entscheiden Spiele durch ihre individuelle Klasse. Doch statt in der Allianz Arena in München agieren die beiden Routiniers nun in der nordamerikanischen Major League Soccer (MLS). Dass sie das Toreschießen auch im fortgeschrittenen Fußballeralter nicht verlernt haben, stellten beide Akteure jüngst eindrucksvoll unter Beweis.
Thomas Müller: Anführer bei den Vancouver Whitecaps
Thomas Müller, inzwischen 36 Jahre alt, hat sich bei den Vancouver Whitecaps als unverzichtbarer Anführer etabliert. In einem hochkarätigen Duell gegen den Los Angeles FC vor über 40.000 Zuschauern bewies der Oberbayer Nervenstärke. Mit einem präzisen Elfmeter sicherte er seinem Team ein 1:1-Unentschieden und festigte damit die Tabellenführung der Kanadier in der Western Conference.
Für Müller ist dies bereits das sechste Saisontor, ergänzt durch vier Vorlagen. Seine Bedeutung für das Team geht jedoch über die reinen Statistiken hinaus. Nach dem Finaleinzug in der Vorsaison gelten die Whitecaps erneut als einer der Top-Favoriten auf den Titel. Die Anerkennung der Fans ist dabei so groß, dass er in sozialen Medien bereits als "GOAT" (Greatest Of All Time) bezeichnet wird – ein Prädikat, das normalerweise eher mit Weltstars wie Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo assoziiert wird.
Robert Lewandowski: Traumdebüt in Chicago
Auch Robert Lewandowski hat in den USA ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt. Der 37-Jährige, der nun für Chicago Fire aufläuft – jenen Verein, bei dem einst auch Bastian Schweinsteiger aktiv war –, feierte im legendären "Soldier Field" ein bemerkenswertes Debüt. Beim 2:1-Sieg gegen den Charlotte FC erzielte Lewandowski beide Treffer und drehte die Partie damit im Alleingang.
Dieser Erfolg war für Chicago Fire von großer Bedeutung, da der Club als Tabellenvierter der Eastern Conference weiterhin voll auf Play-off-Kurs liegt. Auch Lewandowski erntet für seine Leistungen bereits euphorische Reaktionen, wobei Fans in Anlehnung an seinen Spitznamen bereits den Begriff "LewanGOATski" prägten.
Ein Duell mit Hindernissen
Die Wege der beiden ehemaligen Teamkollegen vom FC Bayern München hätten sich fast schon früher gekreuzt. Ein geplantes Aufeinandertreffen zwischen Chicago Fire und den Vancouver Whitecaps musste jedoch vor zwei Wochen kurzfristig abgesagt werden. Grund dafür waren Waldbrände und die daraus resultierende schlechte Luftqualität, die einen sicheren Spielbetrieb unmöglich machten.
Obwohl das sportliche Duell ausfiel, nutzten die beiden Spieler die Zeit für ein privates Treffen in Chicago. Ein gemeinsames Foto der beiden abseits des Platzes unterstrich die Verbundenheit der ehemaligen Weggefährten. Fußballfans müssen sich nun noch etwas gedulden: Das direkte Aufeinandertreffen der beiden Torjäger in der MLS ist für den 6. Oktober angesetzt.
Perspektiven in der MLS
Die aktuelle Form der beiden Routiniers zeigt, dass die MLS zunehmend von der Erfahrung europäischer Top-Spieler profitiert. Während Müller seine Rolle als Taktgeber und Vollstrecker in Vancouver gefunden hat, fungiert Lewandowski in Chicago als entscheidender Faktor in der Offensive. Für beide Teams ist die Zielsetzung klar: Die Qualifikation für die Play-offs und der Kampf um die Meisterschaft stehen im Fokus. Mit ihrer Abgeklärtheit und ihrem Torinstinkt könnten Müller und Lewandowski in der entscheidenden Saisonphase den Unterschied ausmachen.