News aus aller Welt
Start
Mobile Klimaanlage: Midea PortaSplit lässt sich von jedermann fernsteuern
Technik · 18.08.2026 16:57

Mobile Klimaanlage: Midea PortaSplit lässt sich von jedermann fernsteuern

Kurz: Die mobile Klimaanlage Midea PortaSplit weist eine Sicherheitslücke auf: Unbefugte können das Gerät via Bluetooth fernsteuern – der Hersteller sieht kein Proble

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Ein Sicherheitsproblem bei der mobilen Klimaanlage Midea PortaSplit sorgt für Aufsehen. Wie Recherchen der Redaktion in Zusammenarbeit mit einem anonymen Hinweisgeber ergaben, lässt sich das Gerät von Unbefugten über eine Bluetooth-Schnittstelle fernsteuern. Dies geschieht völlig unabhängig von der offiziellen Hersteller-App, dem Pairing-Status oder einer eingerichteten Geräte-PIN. Die Schwachstelle ermöglicht es Personen in unmittelbarer Reichweite, das Raumklima nach Belieben zu beeinflussen, etwa durch das Ein- und Ausschalten der Anlage, das Ändern der Zieltemperatur oder den Wechsel zwischen Heiz- und Kühlmodus. Obwohl die offizielle App des Herstellers Midea eigentlich Sicherheitsmechanismen wie eine PIN-Abfrage vorsieht, wird dieser Schutz durch die entdeckte Schnittstelle vollständig umgangen. Die Redaktion hat den Sachverhalt geprüft und den Hersteller mit den Erkenntnissen konfrontiert, der jedoch die Problematik in seiner Stellungnahme nicht als Sicherheitslücke anerkennt, sondern die Risiken als nicht nachvollziehbar einstuft.

Die Einzelheiten – Fakten, Namen und technische Details

Die Midea PortaSplit ist ein beliebtes Klimagerät, das normalerweise über drei Wege gesteuert wird: eine Infrarot-Fernbedienung, Tasten am Gerät selbst oder die App „Midea Air“. Bei der App-Nutzung wird eine WLAN-Verbindung aufgebaut, wobei der Nutzer das Gerät in einen „Access-Point-Modus“ versetzen muss. Der nun aufgedeckte Zugriffsweg nutzt jedoch nicht das offizielle msmart-SDK, sondern eine für OEMs (Original Equipment Manufacturer) vorgesehene Schnittstelle namens „com.midea.oem.iot.sdk.ble“. Diese Schnittstelle basiert auf Bluetooth Low Energy (BLE). Sie verlangt keine PIN, setzt jedoch eine AES-Verschlüsselung voraus. Da die Klimageräte über Bluetooth-Broadcasts jedoch ausreichend Daten preisgeben, lassen sich die notwendigen Schlüssel berechnen. Der Hinweisgeber entwickelte hierfür mit Unterstützung künstlicher Intelligenz eine Android-App sowie Python-Skripte. Die Redaktion konnte diesen „Proof of Concept“ erfolgreich nachstellen. Dabei wurde ein Testgerät verwendet, das bereits per WLAN mit der offiziellen App verbunden und PIN-geschützt war. Trotz dieser Absicherung ließ sich das Gerät durch die prototypische App des Hinweisgebers problemlos manipulieren.

Hintergrund – Vorgeschichte und bisheriger Verlauf

Die Entdeckung der Schwachstelle erfolgte durch einen anonymen Hinweisgeber, der sich aufgrund der potenziellen Sicherheitsbedenken an die Redaktion wandte. Der Hinweisgeber äußerte dabei auch Bedenken hinsichtlich des „Hackerparagraphen“ §202c StGB, weshalb die Redaktion die Kommunikation mit dem Hersteller Midea übernahm. Die Redaktion dokumentierte den Sachverhalt ausführlich in einem Bericht und übermittelte diesen an die deutsche PR-Stelle von Midea. Während die Redaktion die Umgehung der Sicherheitsmaßnahmen als eindeutige Schwachstelle wertet, wies das Unternehmen dies zurück. Midea argumentierte, dass ein unbefugter Zugriff aus der Ferne nicht möglich sei, da für ein Zurücksetzen des Geräts oder eine neue Kopplung ein physischer Zugriff erforderlich wäre. Die Redaktion wies das Unternehmen am 11. August darauf hin, dass die Bluetooth-Schnittstelle lediglich als zusätzliche, unautorisierte Steuermöglichkeit fungiert und kein Zurücksetzen erfordert, erhielt jedoch bis zum aktuellen Zeitpunkt keine weitere Reaktion seitens des Konzerns.

Die Beteiligten – Personen und Institutionen

An der Untersuchung waren maßgeblich die Redaktion von heise security sowie ein anonymer Hinweisgeber beteiligt, der die technische Analyse der BLE-Schnittstelle durchführte. Auf Seiten des Herstellers ist die deutsche PR-Abteilung von Midea als Ansprechpartner involviert. Zudem wird auf die Rolle von Smarthome-Enthusiasten verwiesen, die das mangelhaft abgesicherte OEM-SDK für eigene Integrationslösungen nutzen, etwa durch auf GitHub veröffentlichte CLI-Tools und Android-Apps. Der Hersteller Midea selbst nimmt eine abwartende Haltung ein und sieht keinen Handlungsbedarf. Die Redaktion zieht in ihrer Einordnung Parallelen zu ähnlichen Vorfällen in der Branche, etwa bei Wechselrichtern der Marke Hoymiles oder bei E-Rikscha-Akkus, bei denen Sicherheitsforscher oder Dritte ebenfalls über Bluetooth-Schnittstellen auf Geräte zugreifen konnten, was in Einzelfällen sogar zu gefährlichen Situationen führte. Diese Vergleiche dienen dazu, die Relevanz der Sicherheitsfrage für vernetzte Haushaltsgeräte zu unterstreichen.

Einordnung – Die Bedeutung der Sicherheitslücke

Einzuordnen ist das Problem als eine Verletzung der Verfügbarkeit und Integrität von IT-Systemen. Auch wenn die Steuerung per Bluetooth auf eine Reichweite von wenigen Metern begrenzt ist, stellt die Umgehung der vom Hersteller beworbenen Sicherheitsfeatures wie der PIN-Abfrage ein erhebliches Manko dar. Den Berichten zufolge könnten Scherzbolde oder durch das Betriebsgeräusch genervte Nachbarn die Klimaanlage manipulieren, was zwar nicht lebensbedrohlich, aber im Alltag störend ist. Die Tatsache, dass Midea die Problematik als nicht existent einstuft, lässt darauf schließen, dass der Hersteller die OEM-Schnittstelle nicht als primären Angriffsvektor betrachtet. Dennoch zeigt der Fall, dass die Sicherheit von IoT-Geräten oft hinter der Funktionalität zurücksteht. Die Verfügbarkeit der Geräte bleibt trotz der Berichte über die Sicherheitslücke hoch, da die Nachfrage nach der PortaSplit weiterhin besteht, auch wenn die Preise auf dem freien Markt deutlich über der unverbindlichen Preisempfehlung liegen.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Der vorliegende Quelltext lässt einige Fragen unbeantwortet. So bleibt völlig unklar, ob Midea plant, die schlecht gesicherte OEM-Schnittstelle durch ein zukünftiges Firmware-Update zu schließen oder in irgendeiner Weise einzuschränken. Ebenso wenig ist bekannt, ob das Unternehmen die Problematik intern weiter untersucht oder ob es sich bei der Schnittstelle um ein bewusstes, wenn auch schlecht abgesichertes Feature für OEM-Partner handelt. Es gibt keine Informationen darüber, wie viele Geräte weltweit von dieser spezifischen Implementierung des SDK betroffen sind. Auch bleibt offen, ob es weitere, bisher unentdeckte Schnittstellen in der Firmware gibt, die ähnliche Risiken bergen könnten. Die Reaktion des Herstellers auf die explizite Nachfrage der Redaktion bezüglich eines Updates blieb aus, weshalb Nutzer derzeit keine offizielle Einschätzung oder Sicherheitsgarantie seitens des Herstellers erhalten haben.

Wie es weitergeht – Angekündigte Schritte und Ausblick

Konkrete Schritte zur Behebung der Sicherheitslücke wurden seitens des Herstellers nicht angekündigt. Nutzer, die sich vor unbefugtem Zugriff schützen wollen, haben derzeit kaum Möglichkeiten, die Bluetooth-Schnittstelle des Geräts selbst zu deaktivieren, sofern dies nicht über die Standard-Einstellungen vorgesehen ist. Für Smarthome-Enthusiasten bietet die Situation hingegen eine neue Möglichkeit, die Klimaanlage ohne Cloudzwang in eigene Systeme zu integrieren, da der Quellcode für die Steuerung via BLE öffentlich verfügbar ist. Der Markt für die PortaSplit bleibt unterdessen in Bewegung: Ein im Jahr 2027 anstehender Kühlmittelwechsel könnte die Verfügbarkeit der Geräte langfristig beeinflussen und den Fertigungsprozess verändern. Interessenten wird geraten, Preisvergleichsportale wie geizhals.de zu nutzen, um die Marktentwicklung zu beobachten. Da der Hersteller auf die Anfrage der Redaktion nicht weiter reagiert hat, ist kurzfristig nicht mit einer offiziellen Stellungnahme oder einer Sicherheitsaktualisierung zu rechnen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/bett-schlafzimmer-tisch-lampe-7060814/ · Foto: Max Vakhtbovych
Quelle: https://www.heise.de/hintergrund/Mobile-Klimaanlage-Midea-PortaSplit-laesst-sich-von-jedermann-fernsteuern-11417163.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag