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Massiver Umbau gekippt: Meta wollte „KI-nativ“ werden – und scheiterte
Technik · 28.08.2026 17:52

Massiver Umbau gekippt: Meta wollte „KI-nativ“ werden – und scheiterte

Kurz: Meta plante eine radikale Umstrukturierung, um Mitarbeiter durch KI zu ersetzen. Das Projekt wurde kurz vor der Umsetzung gestoppt – nach massiven Problemen.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Der Social-Media-Gigant Meta stand im Frühjahr dieses Jahres vor einer fundamentalen Neuausrichtung seiner Unternehmensstruktur. Wie aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf interne Dokumente und anonyme Insider hervorgeht, hatte Konzernchef Mark Zuckerberg die Umsetzung eines Projekts namens „Project OT“ angeordnet. Ziel dieses Vorhabens war es, das Unternehmen radikal in Richtung einer „KI-nativen“ Organisation umzubauen. Dies hätte bedeutet, dass ein erheblicher Teil der menschlichen Belegschaft durch künstliche Intelligenz ersetzt worden wäre. In einigen Teams waren Einsparungen von bis zu 60 Prozent der Stellen vorgesehen. Nur wenige Stunden vor der geplanten offiziellen Ankündigung am 20. Mai 2024 stoppte Zuckerberg das Vorhaben jedoch überraschend. Statt der geplanten massiven Entlassungswelle gab das Unternehmen lediglich den Abbau von 8000 Stellen bekannt, während weitere 7000 Mitarbeiter in neue Abteilungen versetzt wurden, um sich dort auf die Entwicklung von KI-Werkzeugen zu konzentrieren. Die abrupte Kehrtwende markiert einen bedeutenden Moment in der jüngeren Geschichte des Unternehmens, das sich mit den technologischen Versprechen der KI-Revolution konfrontiert sah und dabei an die Grenzen der eigenen Umsetzbarkeit stieß.

Die Einzelheiten der geplanten Umstrukturierung

Die Details zu „Project OT“ zeichnen das Bild eines Unternehmens, das seine Arbeitsabläufe grundlegend automatisieren wollte. Die Planung, die Anfang des Jahres auf Anweisung von Mark Zuckerberg initiiert wurde, sah eine zweiphasige Umsetzung vor, wobei die erste Welle für Mai und die zweite für November 2024 vorgesehen war. Führungskräfte bei Meta ließen sich hierbei von Start-ups inspirieren, die ihre gesamte Architektur um KI-Modelle herum aufbauen. Die Vision war es, dass KI-Systeme den Großteil der täglichen operativen Aufgaben übernehmen, während kleine, hochspezialisierte Teams aus menschlichen Experten lediglich die Steuerung übernehmen. Die Realität sah jedoch anders aus: Die interne Überwachung wurde massiv verschärft, unter anderem durch eine Software, die Mausbewegungen, Klicks und Tastenanschläge der Mitarbeiter protokollierte. Diese Daten sollten primär dazu dienen, die KI-Modelle mit menschlichem Verhalten zu trainieren. Die Auswirkungen auf die Belegschaft waren gravierend, da die Mitarbeiterzufriedenheit laut halbjährlicher interner Umfragen von 74 Prozent auf 55 Prozent einbrach. Zudem stiegen die Bemühungen innerhalb der Belegschaft, sich gewerkschaftlich zu organisieren, deutlich an, was den internen Druck auf das Management weiter erhöhte.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die Ursprünge des „Project OT“ liegen in dem Bestreben von Meta, die Effizienz durch den massiven Einsatz von KI-Technologien zu steigern. Das Management wollte eine schlanke, hochperformante Organisation schaffen, die in der Lage ist, schneller auf Marktveränderungen zu reagieren. Dass es überhaupt zu derartigen Überlegungen kam, ist auf den weltweiten Hype um generative KI zurückzuführen, der auch Meta unter Zugzwang setzte. Das Unternehmen sah sich gezwungen, seine internen Prozesse zu überdenken, um nicht den Anschluss an die technologische Entwicklung zu verlieren. Die Vorbereitungen für das Projekt liefen über Monate hinweg unter strenger Geheimhaltung. Dass es letztlich zur Abkehr von diesen Plänen kam, ist laut Berichten auf eine Kombination aus technischem Versagen und einer massiven Verschlechterung des Betriebsklimas zurückzuführen. Die Diskrepanz zwischen den theoretischen Versprechen der KI-Automatisierung und der praktischen Anwendbarkeit innerhalb der komplexen Infrastruktur von Meta führte zu einer internen Krise, die das Management letztlich zwang, die Notbremse zu ziehen und von dem ursprünglichen Vorhaben abzurücken, um die Stabilität des Unternehmens nicht weiter zu gefährden.

Die Beteiligten und ihre Rollen

Zentraler Akteur ist Mark Zuckerberg, der die ursprünglichen Pläne für „Project OT“ anordnete und später die Entscheidung zu deren Stopp traf. Er ist die entscheidende Instanz, die sowohl die strategische Ausrichtung als auch die operative Umsetzung verantwortete. Neben ihm spielten verschiedene Führungskräfte innerhalb von Meta eine Rolle, die sich von KI-fokussierten Start-ups inspirieren ließen und die Umstrukturierung vorantrieben. Auf der anderen Seite steht die Belegschaft, die durch die drohenden Entlassungen und die Überwachungsmaßnahmen massiv unter Druck gesetzt wurde. Die Mitarbeiter reagierten mit einer sinkenden Arbeitsmoral und einer verstärkten Tendenz zur gewerkschaftlichen Organisation. Auch Infrastrukturteams äußerten sich kritisch und warnten vor der mangelnden Zuverlässigkeit der KI-gesteuerten Prozesse. Externe Beobachter wie Reuters lieferten durch die Auswertung interner Dokumente und Gespräche mit Insidern die Grundlage für die öffentliche Aufarbeitung. Meta selbst bestätigte gegenüber Reuters die Existenz des Projekts, betonte jedoch, dass es sich um eine strategische Neugestaltung gehandelt habe und man zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt habe, 60 Prozent der gesamten Belegschaft zu entlassen.

Einordnung der technischen Probleme

Einzuordnen ist das Scheitern von „Project OT“ vor allem als eine Lektion über die Grenzen aktueller KI-Technologie in komplexen Unternehmensumgebungen. Den Berichten zufolge führte der Einsatz von KI zwar zu einer massiven Zunahme des generierten Codes, jedoch nicht zu einer entsprechenden Steigerung der Produktivität. Die Menge der Code-Änderungen an den internen Plattformen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 220 Prozent, während die tatsächlichen Verbesserungen für die Nutzer nur um 36 Prozent zunahmen. Dies deutet auf eine erhebliche Ineffizienz hin, bei der die KI zwar „schrieb“, aber nicht unbedingt „löste“. Besonders kritisch waren die Berichte über unkontrollierte KI-Agenten, die störende Aktionen ausführten, die von Menschen so nicht durchgeführt worden wären. Die Häufigkeit von sicherheitsrelevanten Vorfällen, wie Dienstunterbrechungen und Datenlecks, stieg um 40 Prozent. Dies zwang die Mitarbeiter dazu, 70 Prozent mehr Zeit für die Fehlerbehebung aufzuwenden, was den Produktivitätsvorteil der KI vollständig zunichtemachte. Die Technologie erwies sich somit als kontraproduktiv für die Stabilität der internen Infrastruktur.

Offene Fragen zum Projektverlauf

Der Quelltext lässt einige wesentliche Fragen unbeantwortet, die für das Verständnis der Gesamtsituation wichtig wären. So bleibt unklar, welche spezifischen Kriterien zur Auswahl der Teams führten, die von den 60-prozentigen Einsparungen betroffen gewesen wären. Auch die genauen Beweggründe, warum Zuckerberg die Pläne erst wenige Stunden vor der Verkündung stoppte, werden nicht im Detail erläutert. Es bleibt offen, welche Rolle der Aufsichtsrat oder andere Entscheidungsträger bei dieser Entscheidung spielten. Zudem wird nicht präzise dargelegt, inwieweit die gesammelten Daten aus dem Maus-Tracking tatsächlich für das Training der KI-Modelle genutzt wurden und ob diese Daten nach der Pausierung des Programms gelöscht wurden oder weiterhin im System verbleiben. Auch die Frage, wie die betroffenen Mitarbeiter, die in neue KI-Teams versetzt wurden, nun konkret arbeiten und ob sich deren Arbeitsalltag durch die neue Ausrichtung tatsächlich verbessert hat, bleibt in den vorliegenden Informationen unbeantwortet. Die genaue Zusammensetzung der „talentreichen“ Teams, die die KI steuern sollten, bleibt ebenfalls spekulativ.

Wie es weitergeht bei Meta

Nach der Kurskorrektur im Mai hat sich die strategische Ausrichtung von Meta spürbar verändert. Mark Zuckerberg erklärte in einem internen Memo, dass er für das laufende Jahr keine weiteren unternehmensweiten Entlassungen erwarte, um den Mitarbeitern mehr Stabilität zu bieten. Die zweite Welle der Umstrukturierung, die für November geplant war, wurde offiziell gestrichen. Um die Arbeitsmoral wieder zu heben, wurden verschiedene Maßnahmen eingeleitet: Das umstrittene Maus-Tracking-Programm wurde pausiert, und das Unternehmen startete eine Offensive für eine empathischere interne Kommunikation. Zudem wurden die Sozialleistungen für die Angestellten angehoben. Im Juli räumte Zuckerberg bei einer Mitarbeiterversammlung ein, dass es Fehleinschätzungen hinsichtlich der KI-Strategie und des Zeitplans für die Umstrukturierungen gegeben habe. Statt der radikalen Umbaupläne setzte Meta anschließend auf eine PR-Kampagne, die das Unternehmen als „menschenorientiert“ positionierte. Die Zukunft des Unternehmens scheint nun eher auf einer vorsichtigeren Integration von KI zu basieren, anstatt auf einem radikalen Austausch der menschlichen Belegschaft, wobei die langfristige Strategie weiterhin auf die Entwicklung neuer KI-Werkzeuge und Anwendungen fokussiert bleibt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/technologie-computer-modern-maschine-11047223/ · Foto: Vlad Samoylik
Quelle: https://www.heise.de/news/Massiver-Umbau-gekippt-Meta-wollte-KI-nativ-werden-und-scheiterte-11434074.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag