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Mangelnder Hitzeschutz: Über 30 Grad im Pflegeheim, kein Geld für Klimaanlagen
Regional · 30.07.2026 10:07

Mangelnder Hitzeschutz: Über 30 Grad im Pflegeheim, kein Geld für Klimaanlagen

Kurz: Hitzewellen belasten Pflegeheime in Hessen schwer. Doch wer zahlt für den notwendigen Klimaschutz? Einrichtungen kämpfen mit Bürokratie und fehlenden Fördermitt

Hitzeschutz in der Pflege: Ein System am Limit

Der Klimawandel stellt die Altenpflege in Hessen vor enorme Herausforderungen. Während in den Sommermonaten die Temperaturen in vielen Pflegeeinrichtungen – insbesondere in Zimmern mit Südausrichtung – regelmäßig die 30-Grad-Marke überschreiten, stößt das bestehende Schutzsystem an seine Grenzen. Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet verdeutlichen, dass die aktuelle Infrastruktur den steigenden Temperaturen kaum gewachsen ist.

Die Folgen der Hitze sind dabei nicht nur ein Komfortproblem, sondern ein gesundheitliches Risiko. Daten des Robert-Koch-Instituts sowie des Hessischen Landesamts für Gesundheit und Pflege belegen einen Anstieg der Sterbefälle während sommerlicher Hitzewellen. Auch Träger wie die Caritas berichten von einer erhöhten Sterblichkeit in ihren Einrichtungen während dieser Phasen.

Fehlende Finanzierung und bürokratische Hürden

Die Frage, wie Bewohner langfristig geschützt werden können, bleibt für viele Träger unbeantwortet. Eine flächendeckende Klimatisierung ist für freigemeinnützige Träger ohne externe Unterstützung kaum finanzierbar, da sie im Gegensatz zu privatwirtschaftlichen Unternehmen nur begrenzt Rücklagen bilden können.

Aktuell fehlen jedoch die notwendigen Fördermittel:

* **Bundesebene:** Für die „Förderung zur Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen“ gilt seit Ende 2024 ein Antragsstopp.

* **Landesebene:** Es existiert derzeit kein spezifisches Förderprogramm des Landes Hessen für den baulichen Hitzeschutz in Pflegeheimen.

Das Hessische Gesundheitsministerium verweist zwar auf ein Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität, aus dem auch der Pflegebereich unterstützt werden soll. Kommunen und Träger kritisieren jedoch, dass diese Mittel bei weitem nicht ausreichen, um die Investitionslücken in den klammen Kassen zu schließen.

Die Hürde der „Betriebsnotwendigkeit“

Bleibt die Finanzierung über die Investitionskosten, landen die Kosten letztlich bei den Pflegebedürftigen. Da die monatlichen Eigenanteile in Hessen bereits bei durchschnittlich über 3.400 Euro liegen, stellt dies eine zusätzliche finanzielle Belastung dar. Zudem ist der Weg zur Refinanzierung steinig: Investitionen müssen als „betriebsnotwendig“ anerkannt werden. Dies erfordert eine Einzelfallprüfung durch das Landesamt oder die zuständige Kommune – ein Prozess, den Trägervertreter als bürokratisch und planungsintensiv beschreiben.

Zwischen Akutmaßnahmen und langfristiger Strategie

Bisher setzen Pflegeheime primär auf kurzfristige Maßnahmen, etwa Trinkprotokolle, Kühl-Sprays oder zusätzliche Eis-Angebote. Diese basieren auf Hitzeaktionsplänen, die nach dem Jahrhundertsommer 2003 eingeführt wurden und Hessen bundesweit eine Vorreiterrolle einbrachten. Experten wie Professorin Henny Annette Grewe von der Hochschule Fulda betonen jedoch, dass diese Akutmaßnahmen nicht ausreichen.

Die Medizinerin kritisiert zudem, dass es im Gegensatz zum Arbeitsschutz, der für Büroräume eine Obergrenze von 26 Grad vorsieht, keine verbindlichen Temperaturvorgaben für Pflegezimmer gibt. Das Hessische Betreuungs- und Pflegegesetz formuliert lediglich, dass das Raumklima an den Bedürfnissen der Bewohner ausgerichtet sein müsse.

Eigeninitiative als Notlösung

Angesichts der politischen Blockaden greifen einige Einrichtungen zur Selbsthilfe. So plant ein AWO-Pflegeheim in Wiesbaden die Anschaffung einer Klimasplitanlage durch Mittel aus einem Nachlass. Doch auch solche Lösungen sind oft nur punktuell möglich und decken nicht den gesamten Bedarf ab.

Fachleute mahnen, dass Investitionen in den Hitzeschutz unumgänglich sind. Da die Betreuung pflegebedürftiger Menschen bei Hitze extrem personalintensiv ist, sei es eine wirtschaftliche Fehlkalkulation, den baulichen Hitzeschutz zu vernachlässigen. Eine Lösung erfordere politische Entscheidungen auf allen Ebenen – von der Kommune bis zum Bund –, um die Gesundheitswirtschaft zukunftsfähig für den Klimawandel aufzustellen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/charmante-kopfsteinpflasterstrasse-in-dusseldorf-37400856/ · Foto: Phalgunn Maharishi
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-ueber-30-grad-im-pflegeheim-aber-wer-bezahlt-die-klimaanlage-102.html