Wenn die Welt von Harry Potter Wirklichkeit wird
Einmal im Jahr verwandelt sich die Burg Rothenfels im bayerischen Spessart in eine Kulisse, die direkt aus den Romanen von J.K. Rowling zu stammen scheint. Ein gemeinnütziger Verein aus dem südhessischen Groß-Zimmern organisiert dort eine einwöchige Ferienfreizeit, die Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren ermöglicht, in die Rolle von Hexen und Zauberern zu schlüpfen. Das Projekt „Freizeit für Hexerei und Zauberei e.V.“ hat sich zum Ziel gesetzt, durch das immersive Rollenspiel Kreativität, soziale Kompetenzen und den Gemeinschaftssinn der Teilnehmenden zu fördern.
Ein organisatorischer Kraftakt hinter den Kulissen
Was für die 64 Teilnehmenden wie pure Magie wirkt, ist das Ergebnis monatelanger, ehrenamtlicher Arbeit. Rund 30 Freiwillige investieren das ganze Jahr über Zeit und Herzblut in die Vorbereitung. Die Organisation umfasst nicht nur die logistische Planung, sondern auch den Bau von Requisiten und die Gestaltung der Räumlichkeiten.
Das Materiallager des Vereins umfasst mittlerweile 36 große Kisten, gefüllt mit Kostümen, Unterrichtsmaterialien und aufwendigen Dekorationselementen. Für die Verwandlung der Schlafsäle in die Farben der vier Hogwarts-Häuser werden beispielsweise mehrere hundert Meter Stoff verarbeitet. Jedes Jahr entwickelt das Team zudem eine neue, fortlaufende Geschichte, die von der Aufklärung geheimnisvoller Ereignisse bis hin zur Verteidigung gegen dunkle Bedrohungen reicht. Hierfür entstehen eigens geschriebene Drehbücher und sogar lebensgroße Kreaturen wie Dementoren.
Der Alltag in der Zauberschule
Das Programm orientiert sich eng an der literarischen Vorlage. Nach der Ankunft erfolgt die traditionelle Zuteilung in eines der vier Häuser – Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw oder Slytherin. Der tägliche Stundenplan bietet Unterrichtseinheiten wie Zaubertränke oder die Pflege magischer Geschöpfe. Ergänzt wird das Angebot durch sportliche Quidditch-Spiele, Tanzkurse und gesellige Abende in der nachgebildeten Kneipe „Drei Besen“.
Langfristige Bindung und soziale Wirkung
Die Begeisterung für das Projekt ist groß: Auf die 64 verfügbaren Plätze bewerben sich regelmäßig über 100 Interessierte. Viele der ehemaligen Teilnehmenden bleiben dem Verein auch nach Erreichen des Alterslimits treu und kehren als Betreuer zurück. Laut Vereinsvorstand zeigt sich der Erfolg des Konzepts besonders in den Rückmeldungen der Eltern. So berichten Familien regelmäßig von einer positiven Entwicklung bei schüchternen Kindern, die nach der Freizeit selbstbewusster von ihren Erlebnissen berichten.
Perspektiven und Kapazitätsgrenzen
Obwohl der Wunsch besteht, das Angebot auszuweiten, stößt der Verein derzeit an seine Grenzen. Da die gesamte Organisation von Ehrenamtlichen neben ihrem Beruf oder Studium gestemmt wird, sind die personellen Kapazitäten erschöpft. Eine Aufstockung der Plätze oder eine zweite Freizeit pro Jahr würde einen deutlich höheren Betreuungsaufwand und zusätzliche finanzielle Mittel erfordern. Daher bleibt es vorerst bei einer Veranstaltung pro Jahr, bei der die Teilnehmenden für einen Preis von rund 500 Euro in eine Welt eintauchen können, die für viele von ihnen eine prägende Erfahrung darstellt.