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Laschet: "Die AfD will eine schwache EU"
Schlagzeilen · 24.07.2026 03:56

Laschet: "Die AfD will eine schwache EU"

Kurz: In der Debatte um Europas Rolle zwischen den USA und Russland prallen bei 'maybrit illner' gegensätzliche Visionen der EU-Zukunft aufeinander.

Zwischen globalen Machtblöcken: Europas neue Herausforderungen

Die aktuelle geopolitische Lage, geprägt von den Spannungen im Nahen Osten und dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, stellt die Europäische Union vor existenzielle Fragen. In der Talkshow "maybrit illner" vom 23. Juli 2026 diskutierten führende Politiker über die Handlungsfähigkeit Europas in einer Welt, die zunehmend von den Interessen der USA unter Donald Trump und den Ambitionen Russlands unter Wladimir Putin bestimmt wird.

Der CDU-Außenpolitiker Armin Laschet betonte die Notwendigkeit einer geeinten europäischen Stimme. Angesichts internationaler Konflikte sei das bisherige "E3-Format" – die Abstimmung zwischen Deutschland, Frankreich und Großbritannien – nicht ausreichend. Europa müsse in der Lage sein, als geschlossener Block mit allen 27 Mitgliedstaaten aufzutreten, um sowohl im Nahen Osten als auch gegenüber Russland an Gewicht zu gewinnen.

Kritik an der AfD-Europapolitik

Ein zentraler Streitpunkt der Sendung war das Verhältnis der AfD zur Europäischen Union. Armin Laschet warf der Partei vor, ein strategisches Interesse an einer schwachen EU zu haben. Diese Einschätzung stützte er auf die Äußerungen des AfD-Politikers Rüdiger Lucassen, der sich dezidiert gegen die Strukturen der EU und die Idee einer europäischen Armee aussprach. Stattdessen plädierte Lucassen für eine "europäische Nato" und eine deutsche Führungsrolle außerhalb der bestehenden EU-Institutionen.

Laschet wertete diese Positionierung als bewusst vage gehaltene Rhetorik, die letztlich darauf abziele, die europäische Integration zu untergraben. Lucassen selbst verwies auf eine interne Meinungsvielfalt seiner Partei bezüglich der USA und Russlands, räumte jedoch ein, dass dieser Widerspruch im Zuge einer angestrebten Regierungsbeteiligung geklärt werden müsse. Er verurteilte zwar den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Putins, betonte aber gleichzeitig das Ziel einer späteren friedlichen Koexistenz mit Russland.

Die Rolle der USA und der Iran-Konflikt

Ein weiteres beherrschendes Thema war der Waffengang im Iran. Bundeskanzler Friedrich Merz erhielt für seine klare Haltung, dass es sich hierbei nicht um einen Krieg Deutschlands handele, Unterstützung von Sergey Lagodinsky (Grüne). Der Fokus müsse auf einer gemeinsamen europäischen Strategie liegen, um sowohl auf die Bedrohungen durch Russland als auch auf die instabile Lage im Nahen Osten zu reagieren. Die USA, unter der Führung von Donald Trump, agieren laut der Politikwissenschaftlerin Liana Fix dabei unvorhersehbar. Trump sei ein Instinktpolitiker, dem es an strategischen Mechanismen fehle, um seine außenpolitischen Impulse in konsistente Politik zu übersetzen.

Die Journalistin Annett Meiritz merkte an, dass die AfD seit dem Amtsantritt Trumps eine deutlich proamerikanische Haltung eingenommen habe. Die Partei fungiere hierbei als einflussreiches Instrument für die US-Regierung, auch wenn sie intern in Bezug auf die Russland-Politik zerrissen bleibe.

Völkerrecht und die Verantwortung der Politik

Gregor Gysi (Die Linke) mahnte in der Diskussion zur Wahrung des Völkerrechts, das keine Unterscheidung zwischen vermeintlich guten oder bösen Staaten zulasse. Er kritisierte sowohl die Politik der USA im Iran als auch die Handlungen der Hisbollah, der Hamas und der Huthis. Ein souveränes und sicheres Israel sei seiner Ansicht nach untrennbar mit der Existenz eines souveränen und sicheren Palästinas verbunden.

Die Debatte verdeutlichte, dass die kommenden Monate für die europäische Außenpolitik entscheidend sein werden. Während die CDU auf eine Stärkung der EU-Strukturen setzt, um gegen externe Akteure bestehen zu können, fordern andere politische Lager – insbesondere die AfD – eine Abkehr von der bisherigen europäischen Integrationslogik. Die Frage, wie Europa seine militärische und diplomatische Handlungsfähigkeit sichert, bleibt damit der zentrale Prüfstein für die deutsche und europäische Politik.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/freiluftinterview-mit-einem-fernsehteam-im-park-38623491/ · Foto: Hert Niks
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/illner-laschet-afd-eu-100.html