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Marktbericht: DAX-Schwäche hält bislang an
Wirtschaft · 18.08.2026 11:01

Marktbericht: DAX-Schwäche hält bislang an

Kurz: Der DAX verliert an Boden, belastet durch geopolitische Spannungen im Nahen Osten und steigende Renditen am Anleihemarkt trotz positiver Signale aus dem Bauwese

Die aktuelle Marktlage: Der DAX gerät unter Abwärtsdruck

Am Vormittag des 18. August 2026 zeigt sich der deutsche Aktienmarkt von einer schwachen Seite. Der DAX, das wichtigste Börsenbarometer Deutschlands, verzeichnete im frühen Handel einen Rückgang von etwa einem halben Prozent und notierte bei rund 26.200 Punkten. Diese Entwicklung setzt einen Trend fort, der bereits zu Wochenbeginn sichtbar war, als der Index mit einem Minus von 0,4 Prozent bei 26.338 Punkten aus dem Handel ging. Damit entfernt sich das Parkett zusehends von seinem jüngsten Rekordhoch, das erst am vergangenen Mittwoch bei 26.573 Zählern markiert wurde. Die Marktteilnehmer reagieren damit auf eine Gemengelage aus geopolitischen Unsicherheiten und makroökonomischen Faktoren. Während die Stimmung an den globalen Handelsplätzen bereits seit Tagen eher rückläufig ist, gelingt es auch erfreulichen Nachrichten aus dem deutschen Wohnungsbau nicht, eine Trendwende herbeizuführen. Die Anleger zeigen sich zwar noch weitgehend gelassen, doch die Sorgenfalten wachsen, da die erhoffte Stabilität an den Märkten zunehmend Risse bekommt. Die aktuelle Schwächephase ist ein deutliches Indiz dafür, dass die Risikofaktoren derzeit schwerer wiegen als die punktuellen positiven Konjunkturdaten, die das Gesamtbild nur bedingt aufhellen können.

Geopolitische Spannungen und ihre Auswirkungen auf die Energiepreise

Der zentrale Belastungsfaktor für die globale Stimmung bleibt die instabile Lage im Nahen Osten. Die Hoffnungen auf eine diplomatische Einigung zwischen dem Iran und den USA haben sich in den vergangenen Tagen merklich eingetrübt. Das Rahmenabkommen ist mittlerweile ausgelaufen, und eine Einigung auf einen finalen Deal scheint in weite Ferne gerückt zu sein. US-Präsident Donald Trump hat unmissverständlich klargestellt, dass die USA keine Verlängerung der bestehenden Waffenruhe-Vereinbarung anstreben. Im Gegenteil: Die Rhetorik hat sich verschärft, wobei der Iran mit einer Eskalation droht und Trump sogar dem Oman mit einer Bombardierung gedroht hat. Diese politische Instabilität schlägt sich unmittelbar in den Rohstoffpreisen nieder. Der Preis für ein Fass der Sorte Brent ist deutlich über die Marke von 90 Dollar gestiegen, und auch die Notierungen für US-Leichtöl ziehen an. Marktbeobachter wie Jochen Stanzl von der Consorsbank betonen, dass der Ölpreisanstieg ein klares Signal dafür ist, dass keine friedliche Lösung in Sicht ist. Zudem bleibt die strategisch wichtige Frage zur Zukunft des Seeverkehrs durch die Straße von Hormus unbeantwortet, was die Unsicherheit an den Märkten weiter befeuert.

Der Anleihemarkt als ernstzunehmende Konkurrenz für Aktien

Neben den geopolitischen Risiken wächst der Druck auf die Aktienmärkte durch den Anleihemarkt. Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners weist darauf hin, dass die Renditen für zehn- und 30-jährige Bundesanleihen auf neue 15-Jahres-Hochs geklettert sind. Diese Entwicklung ist kein deutsches Phänomen, sondern lässt sich in ähnlicher Form auch in Frankreich und den USA beobachten. Für Investoren bedeutet dieser Anstieg, dass Anleihen im Vergleich zu Aktien wieder deutlich attraktiver werden. Wenn sichere Staatsanleihen höhere Renditen abwerfen, schwindet der Anreiz, das höhere Risiko am Aktienmarkt einzugehen. Zudem verteuern steigende Zinsen die Refinanzierung, was nicht nur die Staaten belastet, sondern auch die Unternehmen direkt trifft. Die zuletzt freundliche Stimmung an den Börsen, die durch nachlassende Inflationssorgen befeuert wurde und die Indizes auf Rekordhöhen getrieben hatte, droht nun durch die Kombination aus hohen Energiepreisen und steigenden Zinsen zu kippen. Die Sorge ist groß, dass die hohen Energiepreise in den kommenden Wochen wieder zu steigenden Verbraucherpreisen führen könnten, was die Notenbanken unter Zugzwang setzen würde.

Lichtblick im Wohnungsbau: Eine trügerische Erholung?

Ein scheinbarer Hoffnungsschimmer kommt aus dem deutschen Baugewerbe. Das Statistische Bundesamt meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Anstieg der Baugenehmigungen für Wohnungen um 15,1 Prozent auf 126.300 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dies ist der stärkste Zuwachs für ein erstes Halbjahr seit zehn Jahren. Dennoch mahnen Experten zur Vorsicht bei der Interpretation dieser Zahlen. Das Bundesamt selbst weist darauf hin, dass dieser Anstieg von einem sehr niedrigen Niveau in den Jahren 2024 und 2025 ausgeht, in denen hohe Zinsen und explodierende Materialkosten viele Bauherren abgeschreckt hatten. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, warnt davor, hierin bereits eine Trendwende zu sehen. Er bezeichnet die Zahlen lediglich als Hoffnungsschimmer, aber keineswegs als Durchbruch. Das Hauptproblem bleibt die Diskrepanz zwischen Genehmigung und tatsächlicher Umsetzung. Viele Projekte werden nach der Genehmigung wieder storniert, da die Finanzierung aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen nicht mehr tragfähig ist. Eine Baugenehmigung ist eben noch lange keine gebaute Wohnung.

Einordnung der Marktsituation durch Experten

Die aktuelle Marktlage lässt sich als eine Phase der Konsolidierung unter hohem geopolitischem Druck einordnen. Thomas Henke, Chefmarktanalyst beim Broker IG, stellt fest, dass es zwar nicht zu einer panikartigen Verkaufswelle kommt, der geopolitische Risikofaktor Iran jedoch jegliche gute Laune an den Handelsplätzen im Keim erstickt. Die globalen Handelsplätze befinden sich nach seiner Einschätzung seit Tagen im Rückwärtsgang. Die Einordnung der Situation durch die Marktbeobachter ist eindeutig: Die Kombination aus politischer Unsicherheit im Nahen Osten und der Sorge vor einer hartnäckigen Inflation durch hohe Ölpreise dämpft die Euphorie der vergangenen Wochen. Auch die Bemühungen von US-Unterhändler Kushner, der nach Gesprächen mit dem israelischen Premier von sehr positiven Kontakten mit dem Iran sprach, konnten den Markt bisher nicht beruhigen, da konkrete Ergebnisse oder gar ein belastbares Abkommen weiterhin fehlen. Die Anleger befinden sich in einer abwartenden Haltung, bei der jede Nachricht aus der Krisenregion das Potenzial hat, die Kurse weiter unter Druck zu setzen.

Offene Fragen und der Blick in die Zukunft

Trotz der vorliegenden Daten bleiben wesentliche Fragen unbeantwortet. Es ist völlig unklar, wie sich die Situation in der Straße von Hormus entwickeln wird und welche konkreten Auswirkungen eine weitere Eskalation auf die globalen Lieferketten und Energiepreise hätte. Auch die Frage, ob die jüngsten Baugenehmigungszahlen tatsächlich in eine Bauaktivität münden oder ob die Stornierungsquote aufgrund der Finanzierungsprobleme weiter steigt, bleibt offen. Ebenso unklar ist, wie lange die Anleiherenditen ihren Aufwärtstrend fortsetzen werden und ab welchem Punkt dieser Anstieg zu einer massiven Umschichtung von Kapital aus dem Aktienmarkt in den Rentenmarkt führen wird. Für die Zukunft ist entscheidend, ob es gelingt, die diplomatischen Gespräche mit dem Iran zu verstetigen oder ob die Drohungen in konkrete militärische oder wirtschaftliche Aktionen münden. Anleger werden in den kommenden Tagen und Wochen besonders auf die Inflationsdaten und die Äußerungen der Zentralbanken achten müssen, um zu beurteilen, ob der aktuelle Abwärtstrend im DAX nur eine temporäre Korrektur oder der Beginn einer nachhaltigen Schwächephase ist.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/geld-munzen-banknoten-geldscheine-6778651/ · Foto: Alesia Kozik
Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/marktberichte/marktbericht-dax-dow-geldanlage-146.html