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Kritik an ARD und ZDF: Die Zahl der Programmbeschwerden hat sich verfünffacht
Schlagzeilen · 23.07.2026 11:35

Kritik an ARD und ZDF: Die Zahl der Programmbeschwerden hat sich verfünffacht

Kurz: Die Zahl der Programmbeschwerden bei ARD, ZDF und Deutschlandradio hat sich 2025 verfünffacht. Warum die Kritik selten zu Konsequenzen führt.

Ein deutlicher Anstieg der Kritik

Im Jahr 2025 verzeichneten die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland einen massiven Zuwachs an Programmbeschwerden. Nach Berichten des Medienmagazins „Mediasres“ (Deutschlandfunk) stieg die Zahl der Eingaben auf knapp 5000 an. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 1100. Diese Daten basieren auf einer Umfrage bei den verschiedenen Sendern sowie deren Rundfunkräten.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist durch Staatsverträge, Mediengesetze und spezifische Programmrichtlinien dazu verpflichtet, bestimmte journalistische Standards einzuhalten. Dazu zählt unter anderem die Wahrung der Menschenwürde sowie die Einhaltung objektiver Berichterstattung. Bürger haben das Recht, Verstöße gegen diese Vorgaben bei den jeweiligen Anstalten zu monieren.

Diskrepanz zwischen Beschwerde und Prüfung

Obwohl die Anzahl der Beschwerden stark zugenommen hat, erreicht nur ein Bruchteil davon die zuständigen Kontrollgremien. Von den rund 5000 eingegangenen Beschwerden gelangten lediglich 184 tatsächlich in die Rundfunkräte. Die Zuständigkeiten für die Bearbeitung sind dabei unterschiedlich geregelt: Während bei einigen Anstalten – etwa beim WDR, RBB oder MDR – die Intendanten selbst auf die Kritik reagieren, obliegt diese Aufgabe bei anderen den Rundfunkräten.

Besonders auffällig ist die geringe Quote an als „gerechtfertigt“ eingestuften Beschwerden. Im Jahr 2025 wurde lediglich eine einzige Kritik offiziell als gerechtfertigt anerkannt, im Vorjahr waren es immerhin fünf. Die Sender gehen mit den Rückmeldungen unterschiedlich um. Das ZDF ist hierbei die einzige Anstalt, die jede Kritik einzeln auflistet. Zu den häufigsten Kritikpunkten zählten dort der Einsatz von KI-generierten Bildern in einer „heute“-Sendung sowie Beiträge im „ZDF Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann.

Die Rolle der Gremien und fehlende Konsequenzen

Kritiker bemängeln, dass die Entscheidungen der Gremien häufig zugunsten der Sender ausfallen, selbst wenn Mängel eingeräumt wurden. Ein Beispiel hierfür ist eine Beschwerde beim ZDF: Obwohl der Sender einen Fehler in einem Beitrag selbst einräumte, wurde die Beschwerde vom Fernsehrat nicht als gerechtfertigt gewertet, da der Sender den Verstoß bereits proaktiv zugegeben hatte.

Der Anstieg der Beschwerdezahlen wird auf zwei Hauptfaktoren zurückgeführt:

* **Zunahme konkreter Verstöße:** Eine wachsende Wahrnehmung von Abweichungen bei journalistischen Standards.

* **Digitale Unterstützung:** Portale wie „Rundfunkalarm“ erleichtern Bürgern das Einreichen von Beschwerden, wobei laut Berichten auch die Gefahr besteht, dass diese Plattformen für unsachliche Hinweise genutzt werden.

Ein strukturelles Problem bleibt die fehlende Sanktionsmöglichkeit. Im Gegensatz zum Presserat, der bei Zuwiderhandlungen Rügen ausspricht, die öffentlich gemacht werden müssen, sehen die Rundfunkgesetze kaum Konsequenzen vor. Es besteht keine Pflicht für die Sender, festgestellte Verstöße in gleicher Weise öffentlich zu kommunizieren.

Anpassungen in den Anstalten

Auf die gestiegene Kritik reagieren einige Anstalten mit prozessualen Änderungen. Beim WDR erhält der Rundfunkrat künftig mehr Spielraum: Statt lediglich zwischen Annahme oder Ablehnung zu wählen, kann das Gremium in Zukunft „Ermahnungen“ aussprechen. Zudem wurde die Frist für die Intendantin zur Beantwortung von Programmbeschwerden von zwei Monaten auf einen Monat verkürzt.

Das ZDF verfolgt einen anderen Ansatz: Die Kriterien für die Annahme von Bürgerkritik wurden angepasst, was es laut Medienberichten in Zukunft erschweren könnte, Beschwerden überhaupt als solche zuzulassen. Die Entwicklung zeigt, dass das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und den Kontrollgremien der öffentlich-rechtlichen Sender zunehmend unter Beobachtung steht.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/laptop-bildschirm-zeitschrift-stillleben-7873572/ · Foto: Leeloo The First
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/programmbeschwerden-bei-ard-und-zdf-nehmen-zu-accg-201057163.html