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Kommunalwahl in Frankfurt: Auffällige Stimmenhäufung bei Ausländerbeirats-Wahl
Regional · 25.08.2026 17:16

Kommunalwahl in Frankfurt: Auffällige Stimmenhäufung bei Ausländerbeirats-Wahl

Kurz: Nach der Kommunalwahl in Frankfurt gibt es Unregelmäßigkeiten bei der Ausländerbeirats-Wahl. Auffällige Stimmensprünge werfen Fragen zur Manipulation auf.

Auffällige Muster bei der Ausländerbeiratswahl in Frankfurt

Nach der jüngsten Kommunalwahl in Frankfurt am Main sind erhebliche Ungereimtheiten bei der Wahl zur Kommunalen Ausländerinnen- und Ausländervertretung (KAV) ans Licht gekommen. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht eine ungewöhnliche Stimmenwanderung zwischen zwei politischen Gruppierungen: der Chinesischen Liste (CL) und der Afghanischen Liste (AFG). Nach den vorliegenden Berichten haben Wähler, die ihr Hauptkreuz bei der Chinesischen Liste setzten, in einem auffälligen Ausmaß ihre sogenannten Panaschierstimmen an Kandidaten der Afghanischen Liste vergeben. Insgesamt wanderten mehr als 7.300 Stimmen von der CL zur AFG. Besonders brisant ist dabei, dass dieser Vorgang ausschließlich in eine Richtung verlief. Während die Afghanische Liste massiv von den Stimmen der Chinesischen Liste profitierte, gab es im umgekehrten Fall – also bei Wählern, die ihr Listenkreuz bei der AFG setzten – exakt null Stimmen, die an die Chinesische Liste zurückflossen. Diese Einseitigkeit ist in der politischen Praxis, insbesondere bei einer Wahl, die eigentlich von individuellen Präferenzen der Wähler geprägt sein sollte, äußerst ungewöhnlich und wirft Fragen über die Integrität des Wahlvorgangs auf.

Detailanalyse der Stimmverteilung und statistische Auffälligkeiten

Die statistische Auswertung der Wahlergebnisse offenbart ein noch deutlicheres Indiz für mögliche Manipulationen als die bloße Anzahl der Stimmen. Bei der genaueren Betrachtung der Afghanischen Liste fällt auf, dass fünf der ersten sieben Kandidaten exakt 963 Stimmen aus dem Pool der Chinesischen Liste erhielten. Die beiden verbleibenden Kandidaten, zu denen auch die Spitzenkandidatin Hosai Zarif-Ander zählt, kamen auf jeweils 960 Stimmen. Eine derart gleichmäßige Verteilung der Stimmen auf die vorderen Listenplätze ist bei einer freien und demokratischen Wahl, bei der Wähler ihre Stimmen individuell und unabhängig voneinander vergeben, nahezu ausgeschlossen. Der Gründer des Berliner Forsa-Instituts, der Wahlforscher Manfred Güllner, bewertet dieses Phänomen als statistisch unmöglich. Er unterstreicht, dass ein solch symmetrisches Ergebnis nicht durch den freien Willen von Einzelwählern zustande kommen kann, die ihre Kreuze nach persönlichem Ermessen setzen, sondern auf eine gezielte Steuerung hindeutet.

Hintergrund und bisheriger Verlauf der Ereignisse

Die Vorgeschichte dieser Unregelmäßigkeiten reicht bis in den März zurück, als die Kommunalwahl in Frankfurt stattfand. Die KAV-Wahl sollte eigentlich die Interessen der ausländischen Bevölkerung in der Stadt widerspiegeln, doch die nun bekannt gewordenen Daten deuten auf komplexe Verflechtungen hin. Bereits vor der Wahl gab es Kontakte zwischen den Akteuren der verschiedenen Listen. So wird Jumas Medoff, der Vorsitzende der Ausländervertretung und Chef der Kleinpartei "Ich bin ein Frankfurter" (IBF), in den Berichten als eine zentrale Figur genannt, die Verbindungen zu Ming Yang, dem Spitzenkandidaten der Chinesischen Liste, pflegte. Die politische Landschaft in Frankfurt scheint in diesem Bereich eng vernetzt zu sein, wobei die nun aufgedeckten Stimmenverschiebungen ein Schlaglicht auf die Praktiken bei der Briefwahl werfen. Es besteht der Verdacht, dass die Stimmzettel nicht von den Wählern selbst, sondern durch Dritte in einer koordinierten Aktion ausgefüllt wurden, um ein bestimmtes Wahlergebnis zu forcieren.

Die involvierten Akteure und ihre Stellungnahmen

Die betroffenen Akteure reagieren unterschiedlich auf die Vorwürfe und die statistischen Auffälligkeiten. Ming Yang, der Spitzenkandidat der Chinesischen Liste, hat auf eine Anfrage, die bereits Wochen zurückliegt, bislang nicht reagiert. Die Spitzenkandidatin der Afghanischen Liste, Hosai Zarif-Ander, äußerte sich schriftlich zu den Vorfällen. Sie erklärte, die Motive der Wähler nicht zu kennen und betonte, dass sie keine Wahlabsprachen mit anderen Listen oder deren Vertretern getroffen habe. Zarif-Ander, die mittlerweile auch als Stadtverordnete für die Grünen tätig ist, profitiert zudem von weiteren Auffälligkeiten: Sie gehört zu einer Gruppe von vier Politikern, die ihren Einzug in das Gremium maßgeblich einem hohen Zufluss an Briefwahlstimmen von der Liste "Ich bin ein Frankfurter" (IBF) verdanken. Jumas Medoff, der Vorsitzende der IBF, wies in einer schriftlichen Stellungnahme jegliche Versuche einer politischen Einflussnahme auf seine Person oder seine Liste zurück.

Einordnung der Geschehnisse und Expertenmeinungen

Einzuordnen ist die Situation als ein schwerwiegender Vorfall, der das Vertrauen in die kommunale Wahlpraxis beschädigen könnte. Experten wie Manfred Güllner machen deutlich, dass die vorliegenden Zahlen nicht mit dem Prinzip einer freien Wahl vereinbar sind. Den Berichten zufolge liegt die Vermutung nahe, dass es sich um eine gezielte Manipulation handelt. Dabei werden zwei Szenarien diskutiert: Entweder wurden Wahlberechtigte dazu angehalten, ihre Stimmen nach einem exakten Muster abzugeben, oder es wurden unbearbeitete Briefwahlunterlagen gesammelt und durch Dritte ausgefüllt. Letzteres würde voraussetzen, dass die Unterschriften der Wahlberechtigten gefälscht wurden, um die Stimmzettel gültig zu machen. Dass die Stimmverteilung derart präzise auf die vorderen Listenplätze der AFG zugeschnitten war, lässt nach Ansicht von Beobachtern kaum einen anderen Schluss zu, als dass hier eine organisierte Einflussnahme stattgefunden hat, die weit über das übliche Maß politischer Werbung hinausgeht.

Offene Fragen und ungeklärte Sachverhalte

Trotz der vorliegenden Daten bleiben zahlreiche Fragen unbeantwortet. Der Quelltext liefert keine Informationen darüber, wer konkret die Briefwahlunterlagen in Empfang genommen oder das Ausfüllen der Stimmzettel koordiniert haben könnte. Es bleibt unklar, ob die Wähler, deren Stimmen von der Chinesischen Liste zur Afghanischen Liste wanderten, sich der Manipulation bewusst waren oder ob sie gezielt getäuscht wurden. Zudem ist nicht geklärt, welche Rolle die Vernetzung zwischen den verschiedenen Listen genau spielte und ob es über die genannten Personen hinaus weitere Mitwisser oder Hintermänner gibt. Auch die Frage, ob die betroffenen Kandidaten tatsächlich nichts von der Herkunft ihrer Stimmen wussten, bleibt spekulativ. Die genauen Abläufe bei der Sammlung der Briefwahlunterlagen und die Identität der Personen, die diese Unterlagen letztlich bei den Wahlbehörden einreichten, sind in den vorliegenden Berichten nicht dokumentiert. Es ist zudem offen, ob die Wahlbehörden bereits formelle Untersuchungen eingeleitet haben oder ob die Angelegenheit auf politischer Ebene aufgearbeitet wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/stadt-dammerung-wasser-gebaude-4662929/ · Foto: Edin Osmanovic
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-kommunalwahl-in-frankfurt-auffaellige-stimmenhaeufung-bei-auslaenderbeirats-wahl-100.html