News aus aller Welt
Start
Klimawandel: Hitze gefährdet zunehmend die Trinkwasserversorgung
Schlagzeilen · 28.07.2026 15:02

Klimawandel: Hitze gefährdet zunehmend die Trinkwasserversorgung

Kurz: Langanhaltende Hitzeperioden stellen die Trinkwasserversorgung in Deutschland vor enorme Herausforderungen. Experten warnen vor einer kritischen Infrastruktur.

Eine neue Normalität bei der Wasserversorgung

Die Landeshauptstadt München dient derzeit als ein Beispiel für die zunehmenden Probleme bei der Trinkwasserversorgung in Deutschland. Seit Mitte Juli gelten dort strikte Regeln: Die Bewässerung privater Gärten ist nur noch in den Nachtstunden erlaubt, das Befüllen von Pools wurde untersagt und öffentliche Brunnen wurden teilweise außer Betrieb genommen. Was in München als Reaktion auf akute Wasserknappheit geschieht, könnte laut Expertenmeinungen bald zum Standard in vielen Teilen Deutschlands werden.

Jörg Drewes, Experte für Siedlungswasserwirtschaft an der Technischen Universität München, stuft diese Entwicklung als „neue Normalität“ ein. Er verweist darauf, dass Szenarien, in denen die Wasserversorgung nicht mehr rund um die Uhr gewährleistet werden kann, in anderen Teilen der Welt bereits bekannt sind. Die zunehmende Zahl an Hitzetagen mit Temperaturen über 30 Grad führt zu einem steigenden Wasserverbrauch, der die bestehende Infrastruktur an ihre Grenzen bringt.

Infrastruktur stößt an ihre Grenzen

Die Herausforderung für Wasserversorger liegt in der historischen Auslegung der Leitungsnetze. Viele Pumpen, Behälter und Rohre wurden vor über 100 Jahren konzipiert und sind auf Spitzenleistungen ausgelegt, die den heutigen Anforderungen bei extremen Wetterereignissen kaum noch gerecht werden. Jörg Felmeden, Professor für Siedlungswasserwirtschaft an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, betont, dass die Kapazitäten nicht kurzfristig an die wachsenden Spitzenbedarfe angepasst werden können.

Eine Umfrage unter Wasserversorgern in den 50 größten und bevölkerungsreichsten Kreisen Deutschlands verdeutlicht die Sorge der Branche. Von den rund 140 teilnehmenden Unternehmen schätzen fast 19 Prozent die Versorgungssicherheit mit der aktuellen Infrastruktur als kritisch ein – sie geben an, die Lage kaum oder gar nicht mehr bewältigen zu können. Lediglich 36 Prozent der Befragten sehen sich für die Zukunft gut aufgestellt.

Milliardeninvestitionen und politische Debatte

Der Anpassungsbedarf ist massiv. Ein Gutachten im Auftrag des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) aus dem Jahr 2025 beziffert die notwendigen Investitionen für die kommunale Wasserwirtschaft auf rund 800 Milliarden Euro über die nächsten zwei Jahrzehnte. Davon entfallen allein 80 bis 120 Milliarden Euro auf Maßnahmen, die direkt durch den Klimawandel bedingt sind.

Obwohl die damalige Bundesregierung mit der „Nationalen Wasserstrategie“ bereits vor drei Jahren den Rahmen für die Anpassung der Wassernetze absteckte, zeigen die Umfrageergebnisse eine schleppende Umsetzung. 63 Prozent der Wasserversorger berichten von kaum oder gar keinen Fortschritten. Experten wie Drewes kritisieren, dass die bisherigen finanziellen Ansätze bei weitem nicht ausreichen und die Lasten nicht allein durch die Budgets der kommunalen Versorger getragen werden können. Er sieht hier eine klare Verantwortung beim Bund.

Die Rolle des Bundes

Das Bundesumweltministerium verweist auf die im Koalitionsvertrag vereinbarte Sicherstellung einer preisstabilen und bedarfsgerechten Wasserversorgung. Aktuell werde geprüft, wie die anstehenden Infrastrukturaufgaben zwischen Bund, Ländern und Kommunen verteilt werden könnten. Belastbare Zahlen zur exakten Investitionshöhe liegen dem Ministerium nach eigenen Angaben bisher nicht vor.

In München hoffen die Stadtwerke unterdessen auf eine kurzfristige Entspannung. Mit dem Beginn der bayerischen Sommerferien wird ein Rückgang des Wasserverbrauchs erwartet, da viele Bürger verreisen. Die geltenden Einschränkungen für die Nutzung des Leitungswassers bleiben jedoch vorerst bis zum 1. August bestehen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/klima-landschaft-natur-wetter-27286879/ · Foto: Dominika P
Quelle: https://www.tagesschau.de/investigativ/report-mainz/hitze-wassermangel-100.html