Ein prägender Kopf der Verlagsbranche
Die deutsche Verlagslandschaft verliert eine ihrer markantesten Persönlichkeiten. Klaus G. Saur, der über Jahrzehnte hinweg als eine Art „Gedächtnis“ des Gewerbes fungierte, ist kurz nach seinem 85. Geburtstag in München verstorben. Saur war weit mehr als ein klassischer Verleger; er galt als ein Mann, der Tradition und radikale Innovation miteinander zu verbinden wusste. Seine Stimme war in der Branche unverkennbar, sein Wissen über die Geschichte des Buchhandels galt als enzyklopädisch.
Vom Erbe zum eigenen Imperium
Der 1941 geborene Saur trat sein berufliches Erbe unter außergewöhnlichen Umständen an. Sein Vater, Karl-Otto Saur, war eine historisch belastete Figur, die von Adolf Hitler in dessen Testament als Rüstungsminister vorgesehen war. Als der Vater 1966 verstarb, übernahm der gerade 25-jährige Klaus G. Saur den Verlag „Dokumentation der Technik“. Was als kleiner Betrieb für technische Nachschlagewerke und Adressbücher begann, transformierte er in den folgenden Jahrzehnten zu einem international agierenden Verlagshaus.
1978 erfolgte die Umbenennung in K. G. Saur Verlag. Unter dieser Marke etablierte er Publikationsserien, die weltweit in Bibliotheken zum Standard gehörten. Sein unternehmerisches Geschick bewies er später auch durch strategische Schachzüge: So verkaufte er sein eigenes Unternehmen an einen internationalen Konzern, um später als Leiter des Traditionsverlags De Gruyter sein ehemaliges Haus – zu deutlich günstigeren Konditionen – wieder zurückzuerwerben.
Innovationsgeist und Ambition
Saur war ein Verleger, der den technologischen Wandel nicht nur begleitete, sondern aktiv vorantrieb. Ob Mikrofiches oder digitale Online-Publikationen: Wenn ein Medium nicht mehr rentabel war, zögerte er nicht, neue Wege zu gehen. Dennoch blieb seine Liebe zum gedruckten Buch ungebrochen. Sein Ehrgeiz manifestierte sich besonders in monumentalen Projekten. Ein Beispiel hierfür ist die „Deutsche biographische Enzyklopädie“, die er in nur acht Jahren zur Vollendung brachte. Im Vergleich dazu betrachtete er Projekte wie die „Neue Deutsche Biographie“ mit einer gewissen Ungeduld, da deren jahrzehntelange Entstehungszeit seinem eigenen, auf Effizienz und Schnelligkeit ausgelegten Arbeitsstil widersprach.
Ein Netzwerker mit Mission
Klaus G. Saur verstand sich als Wissensvermittler. Er nutzte sein weitreichendes Netzwerk, um Informationen zu streuen und aktuelle Entwicklungen im Buchgeschäft zu kommentieren. Als Redner und Laudator war er für seine pointierte Art bekannt. Auch im Umgang mit seiner eigenen Gesundheit blieb er seinem Naturell treu: Er machte aus seiner langen Krankheit kein Geheimnis und vermittelte bis zuletzt Optimismus, selbst als die gesundheitliche Lage kritisch wurde.
Ein Vermächtnis in Büchern
Mit dem Tod von Klaus G. Saur endet eine Ära, in der das Verlegen von Büchern noch eng mit dem Aufbau von Wissensarchiven verknüpft war. Er hinterlässt ein Lebenswerk, das durch die Internationalisierung wissenschaftlicher Nachschlagewerke die Art und Weise, wie Bibliotheken weltweit arbeiten, nachhaltig beeinflusst hat. Sein Wirken bleibt eng mit der Geschichte des deutschen Verlagswesens verbunden, das er durch seinen Mut zur Innovation und sein Gespür für historische Relevanz entscheidend mitgestaltet hat.