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KI-überwachte Aufnahmeprüfung geht schief: Warum fast 60.000 Studierende den Test wiederholen müssen
Technik · 04.08.2026 13:30

KI-überwachte Aufnahmeprüfung geht schief: Warum fast 60.000 Studierende den Test wiederholen müssen

Kurz: Ein massiver Betrugsskandal erschüttert die Unam in Mexiko: Nach einer missglückten KI-überwachten Online-Prüfung müssen fast 60.000 Studierende den Test wieder

Ein historischer Bruch mit der Tradition

Die Universidad Nacional Autónoma de México (Unam) blickt auf eine über 500-jährige Geschichte zurück und zählt mit rund 370.000 Studierenden zu den bedeutendsten Bildungseinrichtungen des amerikanischen Kontinents. Im Jahr 2026 wagte die Institution einen technologischen Schritt: Erstmals in ihrer Historie wurde die Aufnahmeprüfung vollständig digital durchgeführt. Zwischen Ende Mai und Anfang Juni absolvierten knapp 160.000 Interessierte den Test, der eigentlich durch moderne Sicherheitsvorkehrungen geschützt sein sollte.

Die Sicherheitsarchitektur und ihr Versagen

Um die Integrität des Auswahlverfahrens zu gewährleisten, setzte die Universität auf eine Kombination aus spezialisierter Browser-Software und einer KI-gesteuerten Videoüberwachung. Ziel war es, unerlaubte Hilfsmittel oder Manipulationsversuche in Echtzeit zu unterbinden. Doch die statistische Auswertung der Ergebnisse zeichnete ein Bild, das mit den Erfahrungen der Vorjahre kaum in Einklang zu bringen war.

Auffällige Leistungssprünge

Die Datenanalyse offenbarte eine signifikante Abweichung: Während in den Jahren 2021 bis 2025 lediglich etwa 3,5 Prozent der Teilnehmenden eine Punktzahl von 100 oder mehr erreichten, stieg dieser Wert 2026 sprunghaft auf 16,3 Prozent an. Noch deutlicher fiel der Anstieg bei den Spitzenergebnissen aus: Die Quote derjenigen, die 110 Punkte oder mehr erzielten, kletterte von 0,9 Prozent auf 5,5 Prozent. Diese Diskrepanz weckte umgehend den Verdacht, dass die Leistungssteigerung nicht auf eine verbesserte Vorbereitung, sondern auf externe Manipulation zurückzuführen sein könnte.

Expertenmeinungen und Betrugsmodelle

Der KI-Experte Raul Rojas von der Freien Universität Berlin äußerte sich gegenüber NPR kritisch zu den Ergebnissen. Basierend auf statistischen Modellen geht er davon aus, dass bis zur Hälfte der Teilnehmenden – etwa 75.000 Personen – den Test nicht aus eigener Kraft bestanden haben könnten. Rojas betont, dass es keine Anzeichen für eine generelle Leistungssteigerung der Studierenden oder eine Vereinfachung der Prüfungsfragen gegeben habe.

Schwachstellen im System

Die Analyse der Experten legt nahe, dass das System mehrere Einfallstore für Betrug bot:

* **Zeitfaktor:** Die Prüfung war über einen Zeitraum von 17 Tagen zugänglich, was ausreichend Raum bot, um Fragen zu sammeln, zu verbreiten oder Antworten kommerziell zu vertreiben.

* **Überwachungslücken:** Die KI-gestützte Kameraüberwachung und der geschützte Browser erwiesen sich als unzureichend, um sicherzustellen, dass tatsächlich die registrierte Person den Test ablegte.

* **Methodische Grenzen:** Da es sich um einen Multiple-Choice-Test mit 120 Fragen handelte, konnten klassische KI-Detektoren die Manipulationen nicht zuverlässig identifizieren.

Konsequenzen und der Weg zurück zur Präsenz

Als Reaktion auf die Unregelmäßigkeiten setzte die Universitätsleitung eine Untersuchungskommission ein. Das Ergebnis ist eine weitreichende Entscheidung: Fast 60.000 Studierende, darunter sowohl erfolgreiche Absolventen des Jahres 2026 als auch erfolgreiche Teilnehmende der Vorjahre, müssen sich einer erneuten Prüfung unterziehen.

Um die Integrität des Auswahlprozesses künftig sicherzustellen, kehrt die Unam zur bewährten Methode zurück. Die Wiederholungsprüfungen, die ab dem 10. August 2026 stattfinden sollen, werden ausschließlich vor Ort durchgeführt. Dort soll menschliches Aufsichtspersonal die Einhaltung der Regeln garantieren. Die Ereignisse an der Unam werfen ein Schlaglicht auf die Herausforderungen bei der Digitalisierung von Hochrisiko-Prüfungsverfahren und unterstreichen die Schwierigkeit, technologische Überwachungssysteme gegen gezielte Betrugsversuche abzusichern.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/strasse-banner-menge-menschenmenge-20007565/ · Foto: Dominik Türk
Quelle: https://t3n.de/news/ki-aufnahmepruefung-wiederholen-1756270/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed