News aus aller Welt
Start
Keine Ablösung von Microsoft Office: Dänemark beendet Collabora-Test
Technik · 25.10.2026 12:07

Keine Ablösung von Microsoft Office: Dänemark beendet Collabora-Test

Kurz: Dänemark beendet ein Pilotprojekt zum Einsatz von Collabora als Alternative zu Microsoft Office. Die Auswirkungen auf die nationale IT-Strategie bleiben offen.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

In Dänemark wurde ein bedeutendes Pilotprojekt zur technologischen Neuausrichtung des öffentlichen Sektors offiziell abgeschlossen und nicht fortgesetzt. Wie aus Berichten hervorgeht, testete ein dänisches Ministerium über einen Zeitraum von etwa einem Jahr die Software-Suite Collabora als potenzielle Alternative zum marktdominierenden Microsoft Office. Ziel dieses Versuchs war es, die Abhängigkeit der dänischen Behörden von US-amerikanischen Softwareanbietern zu evaluieren und gegebenenfalls zu reduzieren. Nach Abschluss der Testphase, an der 38 Beschäftigte aktiv teilnahmen, entschied man sich jedoch gegen eine Fortführung des Projekts. Damit endet ein Vorhaben, das weit über eine rein technische Erprobung hinausging und als wichtiger Indikator für die Umsetzbarkeit einer digitalen Souveränität im europäischen Verwaltungssektor galt. Die Entscheidung markiert einen Rückschlag für die Bestrebungen, den öffentlichen Dienst von proprietären Lösungen auf Open-Source-Alternativen umzustellen. Obgleich das Projekt beendet wurde, liegt keine formelle Abschlussbewertung vor, die einen detaillierten Vergleich zwischen der Leistung von Collabora und der etablierten Microsoft-Umgebung bietet. Die Nachricht vom Scheitern des Versuchs wirft nun grundlegende Fragen zur Realisierbarkeit eines breiten Abschieds von Microsoft-Produkten in staatlichen Institutionen auf, da die Hürden für eine nahtlose Migration offenbar höher liegen als ursprünglich angenommen.

Die Einzelheiten des Pilotprojekts

Der Testlauf, der im vergangenen Jahr initiiert wurde, konzentrierte sich auf eine überschaubare Gruppe von 38 Mitarbeitern innerhalb eines dänischen Ministeriums. Die zentrale Fragestellung der Untersuchung drehte sich um die Zuverlässigkeit von Collabora bei der Verarbeitung von Dokumenten, die originär in Microsoft-Formaten erstellt wurden. Ein Sprecher des Projekts bestätigte gegenüber Medien, dass der Versuch nun offiziell beendet wurde. Den Berichten von Computerworld.dk zufolge gab es jedoch keine abschließende Evaluation, die die Ergebnisse systematisch gegenüberstellt. Ein wesentlicher technischer Knackpunkt scheint die Dokumentenkompatibilität gewesen zu sein. Bereits gegen Ende des letzten Jahres wurde bekannt, dass beim Öffnen von Microsoft-Office-Dateien in der Collabora-Umgebung wiederholt Probleme auftraten, darunter das Erscheinen leerer Seiten. Auch beim umgekehrten Austausch von Dokumenten zwischen den Systemen wurden ähnliche Schwierigkeiten dokumentiert. Diese Probleme sind in der IT-Welt durchaus bekannt, da Collabora primär auf das Open Document Format (ODF) setzt, während Microsoft Office die OOXML-Standards nutzt. Da keine formelle Auswertung vorliegt, bleibt jedoch unklar, wie häufig diese Fehler auftraten und ob sie durch gezielte Schulungen, eine andere Konfiguration oder angepasste Arbeitsabläufe hätten gelöst werden können.

Hintergrund zur technologischen Unabhängigkeit

Das Vorhaben war eingebettet in eine ambitionierte Strategie der dänischen Regierung, die im Jahr 2025 verkündet wurde. Ziel war es, die Abhängigkeit von Windows und Microsoft Office systematisch zu verringern und stattdessen verstärkt auf Open-Source-Lösungen wie Linux zu setzen. Diese Initiative war keineswegs nur eine technische Entscheidung, sondern entsprang einer breiteren gesellschaftspolitischen Debatte über die technologische Souveränität des Landes. Es herrschte die Sorge, dass der öffentliche Sektor zu stark von den Entscheidungen eines einzelnen US-Unternehmens abhängig sein könnte. Politische Druckmittel oder strategische Änderungen seitens des Softwareherstellers könnten im schlimmsten Fall den Zugang zu unverzichtbarer Software gefährden, was die Funktionsfähigkeit der Verwaltung beeinträchtigen würde. Der Collabora-Test besaß daher eine erhebliche symbolische und strategische Bedeutung, die weit über ein standardmäßiges Beschaffungsverfahren hinausging. Es ging darum, den Grundstein für eine langfristige Abkehr von proprietären Systemen zu legen, um die digitale Infrastruktur des Staates resilienter gegen externe Einflüsse zu gestalten. Das Scheitern dieses spezifischen Tests zeigt nun, wie komplex es ist, diese strategischen Ziele in den operativen Alltag zu übersetzen.

Die Beteiligten und ihre Rollen

An dem Pilotprojekt waren primär die Beschäftigten eines dänischen Ministeriums beteiligt, wobei 38 Mitarbeiter als direkte Anwender fungierten. Die dänische Regierung als Ganzes zeichnete für die übergeordnete Strategie verantwortlich, die den Ausstieg aus der Microsoft-Abhängigkeit vorsah. Ein namentlich nicht genannter Sprecher des Projekts bestätigte gegenüber der Öffentlichkeit das Ende des Versuchs. Die Berichterstattung stützte sich maßgeblich auf Informationen von Computerworld.dk, einer Quelle, die den Prozess eng begleitete. Während die dänische Regierung die Richtung vorgab, waren die beteiligten Mitarbeiter die Akteure, die die Alltagstauglichkeit der Software unter realen Bedingungen prüfen mussten. Die Entscheidung, den Test nicht fortzusetzen, wurde innerhalb der administrativen Strukturen des Ministeriums getroffen. Andere Akteure, wie etwa der Softwareanbieter Collabora selbst, waren zwar die technologische Basis des Versuchs, hatten jedoch keinen direkten Einfluss auf die strategische Entscheidung der dänischen Behörden. Auch wenn keine weiteren Personen oder Institutionen explizit genannt werden, verdeutlicht die Situation, dass die Verantwortung für den Erfolg oder das Scheitern solcher Migrationen bei den Entscheidungsträgern der öffentlichen Verwaltung liegt, die zwischen technischem Anspruch und praktischer Umsetzbarkeit abwägen müssen.

Einordnung der Situation

Einzuordnen ist das Ende des Collabora-Tests als ernüchternde Bestätigung der Schwierigkeiten, die bei der Ablösung fest etablierter Software-Standards in der Verwaltung bestehen. Den Berichten zufolge ist das Projekt ein Rückschlag für die Bestrebungen, die Abhängigkeit von ausländischen Anbietern zu reduzieren. Es zeigt sich, dass selbst bei einem starken politischen Willen die technischen Hürden – insbesondere die Interoperabilität von Dateiformaten – eine enorme Barriere darstellen. Dass Dokumente organisationsübergreifend zuverlässig nutzbar bleiben müssen, ist eine Grundvoraussetzung für staatliches Handeln. Sobald die Konvertierung oder Bearbeitung zwischen verschiedenen Standards zu Fehlern führt, sinkt die Akzeptanz bei den Anwendern rapide. Dennoch ist Dänemark nicht allein mit diesem Bestreben. Auch andere europäische Verwaltungen verfolgen ähnliche Ziele: Schleswig-Holstein setzt verstärkt auf Open-Source-Software, in Frankreich wird die Abkehr von Windows zugunsten von Linux debattiert, und in Großbritannien erwogen Kommunen den Ausstieg wegen steigender Lizenzkosten. Das Interesse an europäischer oder quelloffener Software ist ungebrochen, doch das Beispiel Dänemark verdeutlicht, dass der Weg dorthin mit erheblichen operativen Risiken verbunden ist, die eine Migration in der Breite erschweren.

Offene Fragen und Lücken im Sachverhalt

Der vorliegende Quelltext lässt eine Reihe von zentralen Fragen unbeantwortet, die für eine vollständige Einschätzung der Lage notwendig wären. Zunächst bleibt unklar, ob Dänemark seine übergeordnete Softwarestrategie, die den Ausstieg aus der Microsoft-Welt vorsieht, nun vollständig aufgibt oder ob lediglich das Collabora-Projekt als gescheitert betrachtet wird. Es fehlen Informationen darüber, ob alternative Softwarelösungen in Betracht gezogen werden oder ob das Ministerium zu einem "Business as usual" zurückkehrt. Zudem bleibt die Frage nach der Schwere der technischen Probleme offen: Da keine formelle Abschlussbewertung existiert, lässt sich nicht beurteilen, ob die berichteten Fehler bei der Dokumentenverarbeitung systemimmanent waren oder durch eine unzureichende Implementierung seitens der IT-Abteilung verursacht wurden. Es wird nicht explizit benannt, welche spezifischen Kriterien für das Scheitern ausschlaggebend waren – war es die mangelnde Kompatibilität, der Widerstand der Nutzer oder ein Mangel an Support? Auch die Zukunft der IT-Infrastruktur im dänischen öffentlichen Sektor bleibt nach dem Ende des Pilotprojekts im Dunkeln, da keine weiteren Pläne oder Zeitpläne für alternative Migrationsvorhaben kommuniziert wurden. Die Lücke zwischen dem politischen Anspruch von 2025 und der jetzigen Realität bleibt somit in weiten Teilen unkommentiert.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/professioneller-arbeiter-am-laptop-im-modernen-buro-35754363/ · Foto: Sommart Sopon
Quelle: https://www.golem.de/news/keine-abloesung-von-microsoft-office-daenemark-beendet-collabora-test-2610-214483.html