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Kandidaten der Demokraten: Die ewige Suche nach dem neuen Kennedy
Kultur · 19.08.2026 09:00

Kandidaten der Demokraten: Die ewige Suche nach dem neuen Kennedy

Kurz: Die Demokraten suchen in den USA immer wieder nach einem neuen Kennedy. Eine Analyse über den Mythos, das Genre und die Gefahren dieser politischen Fixierung.

Was geschehen ist: Die Suche nach dem nächsten JFK

Die US-Demokraten befinden sich in einer anhaltenden, fast schon rituellen Suche nach einem neuen Hoffnungsträger, der in die Fußstapfen von John F. Kennedy treten soll. Aktuell hat diese Suche den Gouverneurskandidaten Rob Sand aus Iowa erreicht. Der 44-jährige Politiker, der bisher überregional kaum in Erscheinung getreten war, wurde jüngst von der „New York Times“ in den Fokus gerückt. Dabei stach nicht nur seine moderate politische Ausrichtung ins Auge, sondern vor allem sein äußeres Erscheinungsbild. Die Zeitung attestierte ihm in ihrer Berichterstattung „Kennedy-esque good looks“ und lobte sein „boyish“ wirkendes Auftreten. Dieses Ereignis ist kein Einzelfall, sondern fügt sich in eine lange Tradition ein, in der liberale Medien in den USA junge, männliche Politiker mit dem verstorbenen Präsidenten vergleichen. Der Fall Sand zeigt, dass das Idealbild des „neuen Kennedy“ als kulturelles und politisches Narrativ weiterhin tief in der Berichterstattung verwurzelt ist. Es ist eine Erzählung, die weit über die reine politische Programmatik hinausgeht und stattdessen stark auf Ästhetik, Charisma und eine nostalgische Sehnsucht nach einem vergangenen goldenen Zeitalter der amerikanischen Politik setzt.

Die Einzelheiten: Eine lange Liste der „neuen Kennedys“

Die Liste der Politiker, denen das Etikett „neuer Kennedy“ verliehen wurde, ist lang und illustriert eine bemerkenswerte mediale Kontinuität. Bereits 1984 bezeichnete das „Time Magazine“ den damaligen Kandidaten Gary Hart als das „platonische Ideal“ des perfekten demokratischen Anwärters und verglich sogar seine Art, Flugzeugtreppen hinunterzusteigen, mit dem Stil von JFK. Später wurde Bill Clinton für seinen „Kennedy-esque stroll“ gelobt, eine Beobachtung, die der „New Yorker“ festhielt. Auch John Edwards wurde lange Zeit als Verkörperung dieses Ideals gesehen, bis persönliche Skandale die Parallele in ein problematisches Licht rückten. Barack Obama wiederum war so überzeugend in dieser Rolle, dass selbst Familienmitglieder der Kennedys den Vergleich zogen. Weitere Namen in dieser Reihe sind Beto O’Rourke, der kurzzeitig als „Kennedy mit Skateboard“ gefeiert wurde, sowie Jon Ossoff, der bei einem akademischen Publikum als moderne Entsprechung gilt. Diese Beispiele verdeutlichen, wie sehr die mediale Inszenierung von Politikern von festen, fast schon stereotypen Erwartungshaltungen geprägt ist, bei denen äußere Merkmale wie ein markantes Kinn, volles Haar oder eine bestimmte Art des Auftretens als Indikatoren für eine große politische Zukunft gewertet werden.

Hintergrund: Vom Mythos Camelot zur politischen Sehnsucht

Die Wurzeln dieser Fixierung liegen in der Ära von John F. Kennedy, die unter dem Begriff „Camelot“ in die amerikanische Geschichte eingegangen ist. Obwohl dieser Name ein aristokratisches Flair suggeriert, war das Kennedy-Haus in Washington ein durch und durch mediales Konstrukt. In dieser kurzen Phase der amerikanischen Geschichte gelang es, liberale Politik mit Glamour, Sexappeal und einem modernen Patriotismus zu verbinden. Diese Ära wird rückblickend idealisiert; sie steht für eine Zeit, in der liberale Intellektuelle und Journalisten glaubten, Amerika könne ein Land sein, das ihr eigenes Selbstbild widerspiegelt. Die Sehnsucht nach diesem Ideal ist zu einer „untoten Phantasie“ des amerikanischen Liberalismus geworden. Kritiker wie der ehemalige Senator Bill Bradley warnten bereits 2005 davor, dass die Demokraten seit Jahrzehnten von dieser Vorstellung hypnotisiert seien. Sie würden darauf hoffen, dass ein charismatischer Anführer allein durch die Stärke seiner Persönlichkeit das Land verändern könne, während die politische Konkurrenz, die Republikaner, sich stattdessen auf den systematischen Aufbau von Machtstrukturen konzentriere, an deren Spitze austauschbare Akteure stehen können.

Die Beteiligten: Akteure zwischen Wunschbild und Realität

Die Akteure in diesem Prozess sind vielschichtig. Auf der einen Seite stehen die Politiker selbst, wie Rob Sand, Gary Hart, Bill Clinton, John Edwards, Barack Obama, Beto O’Rourke und Jon Ossoff, die in das Raster der Medien passen oder bewusst bedienen. Auf der anderen Seite agieren einflussreiche Medienhäuser wie die „New York Times“, das „Time Magazine“ und der „New Yorker“, die durch ihre Berichterstattung das Genre des „neuen Kennedy“ pflegen. Auch Intellektuelle wie der ehemalige Senator Bill Bradley melden sich kritisch zu Wort, um die Gefahren dieser Fixierung aufzuzeigen. Es ist ein Zusammenspiel aus medialer Erwartungshaltung und politischer Inszenierung. Interessant ist dabei die Beobachtung, dass Frauen in diesem Konstrukt kaum Platz finden. Das Idealbild ist strikt männlich, jung, optimistisch und familienorientiert. Während bei Männern gutes Aussehen als Zeichen von Entschlossenheit und Dynamik gewertet wird, kann es bei Frauen – wie beispielsweise bei Kamala Harris – laut der Analyse eher als Qualifikation in den Hintergrund treten oder sogar als störend empfunden werden, was die Geschlechterrollen innerhalb dieses politischen Mythos unterstreicht.

Einordnung: Was das Genre über den Liberalismus aussagt

Einzuordnen ist das „Kennedy-esque“-Genre weniger als eine präzise politische Analyse, sondern vielmehr als ein Spiegelbild der Sehnsüchte liberaler Autoren. Den Berichten zufolge geht es bei diesen Vergleichen nicht primär darum, dass ein Politiker tatsächlich wie John F. Kennedy aussieht oder agiert. Vielmehr fungiert das Bild des jungen, attraktiven Mannes als Projektionsfläche für eine Zeit, in der liberale Journalisten sich als Teil einer gesellschaftlichen Mehrheit fühlten, die glamourös und einflussreich war. Die Fixierung auf diesen Archetypus ist ein Symptom für eine gewisse Ratlosigkeit oder Nostalgie innerhalb des liberalen Spektrums. Die Bewertung der Kritiker ist hierbei eindeutig: Während man sich in der Vergangenheit verliert und auf den „einen großen Erlöser“ wartet, droht der Anschluss an die Realität der politischen Machtstrukturen verloren zu gehen. Es ist ein kulturelles Phänomen, das zeigt, wie stark ästhetische Vorlieben und historische Mythen die Berichterstattung über aktuelle politische Kandidaten beeinflussen können, oft auf Kosten einer sachlicheren Auseinandersetzung mit deren tatsächlichen politischen Inhalten.

Offene Fragen: Was der Quelltext nicht beantwortet

Der Quelltext lässt einige Fragen offen, die für ein tieferes Verständnis der Thematik relevant wären. Es bleibt unklar, wie die betroffenen Politiker selbst auf diese Vergleiche reagieren – ob sie diese aktiv fördern, um von der Bekanntheit des Namens zu profitieren, oder ob sie sich durch die Reduzierung auf ihr Äußeres in ihrer politischen Arbeit behindert fühlen. Zudem wird nicht explizit dargelegt, ob und wie sich die Wählerschaft von diesen medialen Vergleichen beeinflussen lässt. Der Text konzentriert sich stark auf die Perspektive der Journalisten und der liberalen Denker, lässt jedoch die Sichtweise der breiten Bevölkerung oder der konservativen Gegenseite weitgehend aus. Auch bleibt offen, welche konkreten politischen Konsequenzen das Ausbleiben eines „neuen Kennedy“ für die demokratische Partei in zukünftigen Wahlzyklen haben könnte. Die Lücke zwischen der medialen Konstruktion und der tatsächlichen Wirkung auf den Wahlerfolg bleibt somit ein Aspekt, der im vorliegenden Text nicht weiter beleuchtet wird, obwohl er für die politische Strategie der Demokraten von entscheidender Bedeutung wäre.

Wie es weitergeht: Die Zukunft der Suche

Obwohl keine konkreten Termine für zukünftige Wahlen oder Kampagnen genannt werden, deutet der Text darauf hin, dass die Suche nach dem „neuen Kennedy“ ein fortlaufender Prozess ist. Solange die Sehnsucht nach dem Idealbild von „Camelot“ in den Redaktionsstuben der liberalen Medien fortbesteht, ist davon auszugehen, dass bei jedem neuen jungen, moderaten und gut aussehenden demokratischen Kandidaten erneut nach Parallelen zu John F. Kennedy gesucht wird. Es ist ein zyklisches Phänomen, das sich mit jedem neuen Gesicht in der politischen Arena wiederholt. Die angekündigten Schritte bestehen hierbei vor allem aus der weiteren medialen Beobachtung und der ständigen Einordnung neuer Talente in das bestehende Raster. Ob die Demokraten ihre Strategie ändern und sich von der Fixierung auf charismatische Einzelpersonen hin zu einem stärkeren Fokus auf Machtstrukturen entwickeln, wie es Kritiker wie Bill Bradley fordern, bleibt eine offene Entscheidung, die innerhalb der Partei getroffen werden muss. Die mediale Dynamik jedenfalls scheint auf absehbare Zeit an diesem bewährten, wenn auch kritisierten Muster festzuhalten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/fotograf-fotografie-stehen-fotos-8114103/ · Foto: Annushka Ahuja
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/us-demokraten-die-fatale-suche-nach-dem-neuen-kennedy-201121237.html