News aus aller Welt
Start
Jugendroman „Tage mit B.“: So kann nur er sie sehen
Kultur · 30.07.2026 10:19

Jugendroman „Tage mit B.“: So kann nur er sie sehen

Kurz: In Nikola Huppertz’ neuem Jugendroman „Tage mit B.“ prallen zwei Welten aufeinander: Ein Sommerurlaub in der Elbtalaue wird zur existenziellen Reise zweier Teen

Eine Reise, die anders verläuft als geplant

Im Zentrum des neuen Jugendromans „Tage mit B.“ von Nikola Huppertz steht eine Urlaubsreise, die unter dem Vorzeichen der Besserung steht. Der Vater Henning nimmt seine 13-jährige Tochter und seinen 13-jährigen Sohn Simon mit in die Elbtalaue. Begleitet werden sie von der 15-jährigen Bernardette, genannt B., der Patentochter Hennings. Die Eltern von B. sehen sich mit ihrer Tochter überfordert und hoffen, dass ihr ein Tapetenwechsel in der niedersächsischen Provinz gut tun wird. Doch statt der erhofften Rückkehr in die „richtige Spur“ entwickelt sich der Aufenthalt zu einer komplexen Begegnung, die alle Beteiligten herausfordert.

Perspektiven auf eine schwierige Zeit

Die Erzählung wird aus der Sicht von Simon geschildert. Er ist ein naturverbundener Junge, der sich leidenschaftlich für Insektenforschung interessiert. Während er sich auf die Erkundung der Elbtalaue freut, begegnet er B. zunächst mit einer Mischung aus Neugier und Befremdung. B. wirkt unnahbar, isst kaum und zieht sich oft in ihre eigene Welt zurück. Sie beschäftigt sich intensiv mit philosophischen Texten von Simone Weil oder Meister Eckhart.

Besonders auffällig ist die Struktur des Romans: Simons Schilderungen werden regelmäßig durch grau unterlegte Textfelder unterbrochen, die mit „Aus dem gelben Heft“ überschrieben sind. Dabei handelt es sich um Aufzeichnungen von B., die Simons Erzählweise ergänzen und teilweise kontern. Diese Einschübe werfen für den Leser früh die Frage auf, wie diese privaten Notizen in den Besitz des Erzählers gelangt sind.

Zwischen Naturbeobachtung und düsterer Geschichte

Die vermeintliche Idylle von Klein-Hilke trügt. Als Simons Vater aus beruflichen Gründen vorzeitig abreisen muss, bleiben die Jugendlichen weitgehend auf sich allein gestellt. Was als Ferienabenteuer beginnt, führt die beiden Teenager auf die Spur eines historischen Geheimnisses: In dem scheinbar verschlafenen Ort entdecken sie die Überreste eines ehemaligen KZ-Außenlagers. Diese Entdeckung erschüttert beide zutiefst und rückt ihre persönlichen Krisen in einen neuen, schmerzhaften Kontext.

Ein Doppelporträt zweier Jugendlicher

Der Roman verzichtet darauf, B. vorschnell in eine Schublade zu stecken. Obwohl ihr Verhalten – etwa ihr gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper oder ihr Wunsch nach radikalem Verzicht auf „Schuld und Schwerkraft“ – auf eine psychische Krise hindeutet, bleibt das Wort „Magersucht“ im Text unerwähnt. Die Autorin wählt stattdessen einen Ansatz, der die existenziellen Fragen der Jugendlichen ernst nimmt.

Simon entwickelt sich während der Tage mit B. weiter. Sein Interesse für Käfer und lateinische Namen tritt in den Hintergrund gegenüber der wachsenden Verantwortung für seine Begleiterin. Er beobachtet B. nicht wie ein Forschungsobjekt, sondern sucht die echte Begegnung.

Einblicke in die kommenden Entwicklungen

Die Geschichte von B. und Simon ist ein Porträt zweier junger Menschen, die an den Erwartungen der Erwachsenenwelt reiben. Während die Eltern in B. lediglich ein „Sorgenkind“ sehen, das es zu korrigieren gilt, zeigt die Erzählung eine Jugendliche, die den Mut aufbringt, die Welt und sich selbst radikal infrage zu stellen. Für die Charaktere markiert dieser Sommer einen Wendepunkt, an dem sie an ihre persönlichen Grenzen stoßen und eine Verbindung knüpfen, die weit über das hinausgeht, was sie zu Beginn für möglich gehalten hätten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/kunst-innere-interior-ausstellung-12705468/ · Foto: Matheus Bertelli
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/kinderbuch/der-jugendroman-tage-mit-b-von-nikola-huppertz-accg-201046605.html