Ein jähes Ende für das Berliner Tech-Event
Was als prestigeträchtiges Projekt für den Standort Berlin begann, ist bereits wieder Geschichte: Die IT-Messe Gitex Europe wird nach ihrer zweiten Ausgabe im Sommer 2026 nicht fortgesetzt. Wie die Messe Berlin bestätigte, sind keine weiteren Veranstaltungen dieser Reihe auf dem Berliner Messegelände geplant. Damit endet ein Vorhaben, das mit hohen Erwartungen gestartet war und den Anspruch erhob, eine neue Ära der IT-Fachmessen in Deutschland einzuläuten.
Hohe Erwartungen und ein schwieriger Start
Die Gitex Global, die seit 1981 vom Dubai World Trade Center (DWTC) organisiert wird, gilt in Asien und dem Mittleren Osten als feste Größe mit über 200.000 Besuchern. Mit der Expansion nach Europa sollte dieser Erfolg repliziert werden. In Berlin verband man mit der Ansiedlung der Messe die Hoffnung, eine Veranstaltung von internationalem Format zu etablieren, die in die Fußstapfen der 2018 eingestellten CeBIT treten könnte.
Doch die Realität blieb hinter diesen Ambitionen zurück. Bereits das Debüt im Jahr 2025 stieß auf ein gemischtes Branchenecho. Mit 21.000 Besuchern, verteilt auf sechs Hallen, blieb die Resonanz hinter den ursprünglichen Zielvorgaben zurück. Die zweite Ausgabe im Jahr 2026, die unter dem Namen „Gitex AI Europe“ mit einem fokussierten Schwerpunkt auf Künstliche Intelligenz stattfand, fiel deutlich kleiner aus und belegte nur noch drei Hallen. Offizielle Besucherzahlen für das zweite Jahr wurden vom Veranstalter bisher nicht kommuniziert.
Geplatzte Partnerschaften und politische Ambitionen
Das Projekt genoss von Beginn an starken politischen Rückhalt. Sowohl das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz als auch der Berliner Senat unterstützten die Initiative aktiv. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) hatte sich persönlich in Dubai für den Standort Berlin eingesetzt. Ein geplantes Joint Venture zwischen dem Land Berlin und der DWTC-Tochter Kaoun International, in das ein niedriger einstelliger Millionenbetrag fließen sollte, kam jedoch nie zustande.
Laut Angaben der Messe Berlin und der Senatsverwaltung für Wirtschaft fand keine Förderung über den Kongressfonds statt. Das Verhältnis zwischen den Partnern gestaltete sich zunehmend nüchtern; die Messe wurde lediglich als reguläre Dienstleistung auf dem Gelände abgewickelt. Berichten zufolge gab es zudem Unstimmigkeiten über die europäische Exklusivität des Formats, da der Veranstalter bereits Pläne für weitere Standorte wie Belgrad und Rom verfolgt.
Strategische Neuausrichtung des Veranstalters
Der Rückzug aus Berlin fällt in eine Phase der strategischen Neuordnung beim DWTC. Anfang 2026 gründete das Unternehmen ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem britischen Veranstaltungsriesen Informa, in das das gesamte Messegeschäft inklusive der Gitex-Reihe eingebracht wurde. Die Berliner Ausgabe 2026 wurde bereits unter der Regie dieses neuen Joint Ventures, „inD“, durchgeführt.
Die schnelle Expansion auf internationale Märkte scheint Teil einer Strategie zu sein, bei der Veranstalter aus den Emiraten ihre Formate weltweit testen und bei mangelndem Erfolg zügig wieder abziehen. Ein Linkedin-Post der Gitex-Chefin Trixie LohMirmand zum Abschluss der Berliner Messe deutet auf eine gewisse Ernüchterung hin. Sie verwies darin auf „jahrhundertealte Widerstände“, die es zu überwinden gelte – eine Äußerung, die in Branchenkreisen als Anspielung auf die schwierigen Rahmenbedingungen in Berlin interpretiert wurde.
Für den Standort Berlin bedeutet das Ende der Gitex Europe eine erneute Lücke im Messekalender. Während die Beteiligten das Aus als „Business as usual“ kommentieren, bleibt die Frage offen, wie sich der Messestandort Berlin in Zukunft gegen die starke internationale Konkurrenz und die sich wandelnden Anforderungen an Fachmessen behaupten wird.