Sicherheitslücken bei Apples Datenschutz-Diensten
Apples iCloud Private Relay ist als Schutzschild konzipiert, um das Surfverhalten von Nutzern zu verschleiern und die Privatsphäre durch die Maskierung von IP-Adressen und DNS-Anfragen zu wahren. Aktuelle Untersuchungen der Sicherheitsforscher Tommy Mysk und Talal Haj Bakry deuten jedoch darauf hin, dass dieser Schutz nicht lückenlos ist. Den Experten zufolge existieren mindestens drei technische Wege, über die IP-Adressen und DNS-Daten trotz aktiver Schutzmaßnahmen an Dritte gelangen können.
Die Problematik beschränkt sich dabei nicht nur auf das iPhone. Auch macOS und iPadOS sind nach Angaben der Forscher betroffen. Zudem erstreckt sich das Risiko nicht nur auf iCloud Private Relay, sondern auch auf andere Proxy-Dienste. VPN-Verbindungen sind von dieser spezifischen Schwachstelle zwar ausgenommen, jedoch ist bei diesen seit Längerem bekannt, dass bestimmte Apple-Dienste den Tunnel unter Umständen umgehen können.
Die Rolle von WebKit und neuen Protokollen
Die Ursache für die Datenlecks liegt in Funktionen, die Apple in den vergangenen Jahren in das WebKit-Protokoll integriert hat. Da Apple für Browser auf iOS und iPadOS außerhalb der EU die Verwendung der WebKit-Engine vorschreibt, sind nahezu alle Browser auf diesen Plattformen von den Sicherheitslücken betroffen. Die Forscher identifizierten drei kritische Mechanismen:
* **WebTransport-Protokoll:** Eingeführt in iOS 26.4, ermöglicht dieses Protokoll direkte HTTP/3-Verbindungen. Dabei werden Proxy-Dienste und iCloud Private Relay umgangen, wodurch der Zielserver die tatsächliche IP-Adresse des Nutzers direkt erfassen kann.
* **WebAuthn und Related Origin Requests:** Diese Funktion zur sicheren Identifizierung lädt Validierungsdateien über das Betriebssystem herunter. Dabei wird die echte IP-Adresse des Anwenders preisgegeben.
* **DNS-Prefetching:** Um Domain-Abfragen zu beschleunigen, greift WebKit auf einen regulären DNS-Pfad zurück, der außerhalb des geschützten Tunnels von iCloud Private Relay oder Proxys liegt. Dies legt die verwendeten DNS-Server offen.
Kontext und Handlungsbedarf
Derzeit existiert kein offizieller Workaround, um diese Lecks vollständig zu schließen. Die Sicherheitsforscher haben zur Demonstration der Problematik eine Proof-of-Concept-Webseite bereitgestellt. Ob Apple bereits Maßnahmen plant, um diese Schwachstellen zu beheben, bleibt unklar. In der Vergangenheit wurden von den Forschern gemeldete Sicherheitslücken, etwa im Bereich der App-Integrität unter macOS, von Apple teilweise nicht als sicherheitskritisch eingestuft.
Für Nutzer stellt sich die Frage nach der digitalen Souveränität. Während die Forscher selbst einen Browser namens Psylo anbieten, in dem diese Funktionen deaktiviert oder angepasst wurden, bleibt für Standard-Nutzer von Safari wenig Spielraum. Auf dem Mac besteht die Möglichkeit, auf alternative Browser-Engines auszuweichen. Der WebKit-basierte Onion Browser soll laut den Experten hingegen sicher sein, sofern der sogenannte „Silber“-Level in Kombination mit dem Lockdown-Modus aktiviert ist. Eine offizielle Stellungnahme oder ein Update von Apple zu dieser Thematik steht noch aus.