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"In mafiöse Netzwerke verstrickt": Wer die gestiegenen Kosten im Glasfaserausbau ...
Technik · 24.07.2026 15:27

"In mafiöse Netzwerke verstrickt": Wer die gestiegenen Kosten im Glasfaserausbau ...

Kurz: Der Glasfaserausbau in Deutschland steht unter Druck. Gewerkschaften warnen vor mafiösen Strukturen und massiven Verstößen gegen das Arbeitsrecht bei Subunterne

Die Schattenseiten des digitalen Fortschritts

Der flächendeckende Ausbau von Glasfasernetzen gilt als zentrales Infrastrukturprojekt für die digitale Zukunft Deutschlands. Doch während Netzbetreiber wie die Deutsche Telekom, Deutsche Glasfaser, UGG, Deutsche Giganetz oder 1&1 Versatel stetig steigende Kosten für die Bauprojekte beklagen, zeichnet sich auf den Baustellen ein völlig anderes Bild ab. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) warnt eindringlich vor prekären Arbeitsbedingungen, die weit unter den Standards des Bauhauptgewerbes liegen.

Ein System der Intransparenz

Das Kernproblem liegt in der komplexen Auftragsvergabe. Die großen Telekommunikationsanbieter vergeben Bauaufträge an Generalunternehmer, die diese wiederum an eine Kette von Sub- und Sub-Subunternehmern weiterreichen. Durch diese Kaskade verlieren die Auftraggeber oft den Überblick darüber, welche Firmen tatsächlich auf den Baustellen tätig sind.

Laut IG Bau treten dabei immer wieder Firmen in Erscheinung, die erst wenige Monate zuvor im Handelsregister eingetragen wurden. Der Verdacht liegt nahe, dass diese Unternehmen primär gegründet werden, um Arbeitskräfte zu rekrutieren und deren Leistung gewinnbringend weiterzuverkaufen, ohne dabei tarifliche oder gesetzliche Mindeststandards zu wahren.

Arbeitsrechtliche Verstöße und kriminelle Strukturen

Die Vorwürfe der Gewerkschaft sind gravierend und reichen von Lohnprellerei und illegaler Beschäftigung bis hin zu massiven Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz. In einer Fallsammlung aus dem Februar 2024 dokumentiert die IG Bau Zustände, die an mafiöse Netzwerke erinnern.

Ein Beispiel aus München verdeutlicht die Problematik: Rumänische Arbeiter berichteten von der Einbehaltung ihrer Ausweise durch den Betriebsleiter, der Weigerung, Arbeitsverträge auszuhändigen, und der Unterbringung in überbelegten, unhygienischen Unterkünften. Statt der versprochenen fairen Entlohnung erhielten die Betroffenen für wochenlange, extrem zehrende Arbeit nur einen Bruchteil des vereinbarten Lohns. Solche Praktiken führen nicht nur zu menschlichem Leid, sondern verzerren auch den Wettbewerb, da Firmen, die sich an Regeln halten, gegenüber den Akteuren, die Arbeitsrecht und Mindestlohn ignorieren, das Nachsehen haben.

Forderungen nach politischem Handeln

Um die Missstände zu beheben, schlägt die IG Bau konkrete regulatorische Schritte vor:

* **Meldepflicht bei der Soka-Bau:** Da Glasfaserarbeiten klassische Tätigkeiten des Tiefbaus sind, sollten sie zwingend den tariflichen Regelungen des Bauhauptgewerbes unterliegen. Eine entsprechende Verordnung des Bundesarbeitsministeriums könnte Transparenz schaffen, indem sie die Meldung bei der Sozialkasse der Bauwirtschaft zur Pflicht macht.

* **Ausweitung der Generalunternehmerhaftung:** Die Gewerkschaft fordert, dass Glasfaseranbieter für Verstöße auf ihren Baustellen direkt haftbar gemacht werden. Wer den Auftrag erteilt, müsse auch die Verantwortung für die Einhaltung der Arbeitsstandards tragen.

* **Kopplung an Tariftreue:** Staatliche Förderungen für den Glasfaserausbau sollten künftig strikt an die Einhaltung von Tarifverträgen gebunden sein.

Die IG Bau kritisiert in diesem Zusammenhang die Bundesregierung scharf. Die Gigabitstrategie habe die sozialen Risiken und die strukturellen Probleme bei der Auftragsvergabe bisher weitgehend ignoriert. Bevor der Ausbau weiter forciert wird, müsse der Schutz der Beschäftigten Priorität haben. Die aktuelle Situation schadet nicht nur den Arbeitern, sondern letztlich auch den Internetnutzern, die durch die intransparenten Kostenstrukturen und die kriminellen Machenschaften indirekt die Zeche für einen ineffizienten und unfairen Ausbauprozess zahlen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/37657435/ · Foto: Rafael Minguet Delgado
Quelle: https://www.golem.de/news/organisierte-kriminalitaet-wer-die-gestiegenen-kosten-im-glasfaserausbau-verursacht-2607-211261.html