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In der SPD grummelt es vor den Landtagswahlen immer lauter
Schlagzeilen · 15.08.2026 17:55

In der SPD grummelt es vor den Landtagswahlen immer lauter

Kurz: Die SPD steckt vor den anstehenden Landtagswahlen in einer tiefen Krise. An der Basis wächst der Druck auf das Führungsduo Bas und Klingbeil massiv.

Die aktuelle Lage der SPD vor den Landtagswahlen

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands befindet sich in einer politisch prekären Phase. Wenige Wochen vor den entscheidenden Landtagswahlen im September ist die Stimmung innerhalb der Partei von einer wachsenden Unzufriedenheit und einem deutlichen Grummeln geprägt. Seit Monaten verharrt die SPD in den Umfragen bei Werten um die zwölf Prozent, was sie weit hinter den Grünen sowie deutlich hinter der Union und der AfD zurückfallen lässt. Diese schwachen Umfragewerte haben eine Debatte über die strategische Ausrichtung und das Führungspersonal der Partei entfacht. Im Zentrum der parteiinternen Kritik stehen dabei die Parteivorsitzenden Bärbel Bas und Lars Klingbeil, die neben ihrem Parteiamt auch als Minister in der schwarz-roten Bundesregierung tätig sind. Die Forderungen nach einem grundlegenden Kurswechsel und einer personellen Erneuerung werden von verschiedenen Seiten innerhalb der Partei immer lauter geäußert, da viele Funktionäre und Mitglieder die aktuelle Situation als existenzbedrohend wahrnehmen.

Details zu den Forderungen und der Kritik

Die Kritik an der Doppelspitze hat sich in den vergangenen Tagen konkretisiert. Besonders der Vorstand der SPD-Abteilung Berlin-Mariendorf hat mit einem Beschluss für Aufsehen gesorgt. In einem Papier fordert das Gremium Bas und Klingbeil dazu auf, sich künftig zwischen dem Parteivorsitz und ihren jeweiligen Ministerämtern zu entscheiden. Die Trennung von Parteiamt und Kabinettsposten im Kabinett Merz wird als notwendige Voraussetzung für einen glaubwürdigen inhaltlichen Neustart angesehen. Sollten sich die Vorsitzenden gegen den Parteivorsitz entscheiden, verlangt die Gliederung eine Urwahl der Nachfolger. Unterstützung erhalten diese Forderungen von der Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt. Deren Vorsitzende, Mehria Ashuftah und Orkan Özdemir, sprachen gegenüber dem Spiegel von einer existenzgefährdenden Krise der Sozialdemokratie. Özdemir betonte, dass die Last der Bundes-SPD insbesondere von den Genossen getragen werde, die vor Ort den Wahlkampf bestreiten müssen. Auch der Berliner SPD-Chef und Spitzenkandidat Steffen Krach forderte eine grundlegende Änderung der Politik, insbesondere im Hinblick auf das Reformpaket vom Juli, das laut Krach von 80 Prozent der Bevölkerung als unausgewogen abgelehnt wird.

Hintergrund der parteiinternen Zerrissenheit

Der aktuelle Unmut ist das Resultat einer längeren Entwicklung, die durch die Arbeit der schwarz-roten Bundesregierung geprägt ist. Die SPD sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, ihre sozialdemokratischen Kernwerte in der Koalition nicht ausreichend zu vertreten. Ein zentraler Streitpunkt sind die geplanten Kürzungen beim Wohngeld, die nach Ansicht von Kritikern wie Steffen Krach insbesondere Alleinerziehende und Rentner hart treffen würden. Diese Sparmaßnahmen werden als sozial ungerecht empfunden und widersprechen dem Anspruch der Partei, für soziale Gerechtigkeit einzustehen. Gleichzeitig gibt es Kritik an den Steuerplänen von Finanzminister Klingbeil, die selbst innerhalb der Union auf Skepsis stoßen. Die Partei leidet unter dem Eindruck, dass die Doppelspitze durch ihre Doppelbelastung als Minister und Parteichefs nicht genügend Raum und Zeit findet, um sich den drängenden Problemen der Parteibasis zu widmen. Die Kombination aus inhaltlicher Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik und der personellen Überlastung der Führung bildet den Nährboden für die aktuelle Revolte.

Die Akteure im parteiinternen Ringen

An der Debatte beteiligen sich verschiedene Akteure mit unterschiedlichen Interessen. Auf der einen Seite stehen Kritiker wie die SPD-Abteilung Berlin-Mariendorf und die Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt, die einen Sonderparteitag im Herbst fordern, um einen inhaltlichen und personellen Neustart einzuleiten. Auf der anderen Seite gibt es Verteidiger der aktuellen Führung. Der SPD-Politiker Karl Lauterbach stellte sich demonstrativ hinter Bas und Klingbeil. Er bezeichnete die Kritik als überzogen, ungerechtfertigt und zum jetzigen Zeitpunkt als schädlich, da sich die Regierung mitten in einem großen Reformprozess befinde. Auch die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, agiert in diesem Gefüge, setzt jedoch auf Distanz zur Bundespartei. Sie kritisiert offen die Rentenpolitik und die Pflegereform der Koalition, um im eigenen Land wahlkampfstrategisch handlungsfähig zu bleiben. Die Parteivorsitzenden selbst versuchen, die Wogen zu glätten, indem sie auf die Erfolge der SPD in der Regierung verweisen und vor Panik warnen, während sie gleichzeitig einräumen, dass die aktuelle Lage unbefriedigend ist.

Einordnung der politischen Situation

Einzuordnen ist das aktuelle Geschehen als Ausdruck einer tiefen Vertrauenskrise zwischen der Parteibasis und der Regierungsspitze. Den Berichten zufolge ist die Unruhe nicht nur auf die schlechten Umfragewerte zurückzuführen, sondern auf eine fundamentale Sorge um die Identität der Partei. Die Forderung nach einer Trennung von Amt und Mandat ist ein klassisches Instrument innerparteilicher Machtkämpfe, wenn die Kommunikation zwischen Führung und Basis gestört ist. Dass sich nun auch Spitzenkandidaten wie Steffen Krach öffentlich von der Bundespolitik distanzieren, zeigt, wie sehr die Bundes-SPD für die Landesverbände zur Belastung im Wahlkampf geworden ist. Die Verteidigung durch Politiker wie Lauterbach deutet darauf hin, dass die Führung noch über Rückhalt in Teilen der Fraktion und des Kabinetts verfügt, doch die Dynamik der Forderungen nach einem Sonderparteitag könnte diesen Rückhalt untergraben, falls die Umfragewerte in den kommenden Wochen nicht steigen sollten.

Offene Fragen zur weiteren Entwicklung

Der vorliegende Quelltext lässt einige wesentliche Fragen unbeantwortet. So bleibt unklar, wie groß der tatsächliche Rückhalt für einen Sonderparteitag innerhalb der gesamten Partei ist, da bisher nur einzelne Untergliederungen und Arbeitsgemeinschaften diesen explizit gefordert haben. Zudem wird nicht deutlich, ob es bereits konkrete alternative Personalvorschläge für den Fall eines Rücktritts von Bas oder Klingbeil gibt. Auch die Frage, wie die SPD-Führung auf die explizite Forderung der Urwahl reagieren wird, bleibt offen. Der Text gibt zudem keinen Aufschluss darüber, ob die Union als Koalitionspartner bereits auf die internen SPD-Debatten reagiert hat oder ob dies die Stabilität der Koalition unmittelbar gefährdet. Es bleibt auch unklar, ob und wie die Bundesregierung bereit ist, die kritisierten Reformpläne – etwa beim Wohngeld – inhaltlich anzupassen, um die innerparteiliche Kritik zu entschärfen.

Wie es in der SPD weitergeht

Die kommenden Wochen stehen ganz im Zeichen der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Diese Wahlen werden als Gradmesser für die Akzeptanz der aktuellen SPD-Politik fungieren. Die Partei steht unter enormem Druck, da insbesondere in Sachsen-Anhalt das Risiko besteht, den Einzug in den Landtag zu verpassen. Für die Parteispitze bedeutet dies eine Phase der Bewährung. Während Bas und Klingbeil versuchen, durch inhaltliche Arbeit und Appelle an die Geschlossenheit die Reihen zu schließen, wächst der Druck durch die Forderung nach einem Sonderparteitag im Herbst. Ob es tatsächlich zu einer solchen Versammlung kommt, hängt maßgeblich vom Ausgang der Wahlen ab. Sollten die Ergebnisse den Befürchtungen entsprechen, ist mit einer weiteren Eskalation der Personaldebatte zu rechnen. Die Parteispitze hat den Auftrag, auf Basis des Koalitionsvertrages weiterzuarbeiten, doch die Rufe nach einem Kurswechsel werden die inhaltliche Arbeit der SPD in den kommenden Monaten in Berlin und in den Ländern maßgeblich beeinflussen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-festhalten-halten-laut-12357526/ · Foto: Dany Kurniawan
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/spd-lage-vor-wahlen-100.html