Ein bedeutender Verlust für die Literaturwelt
Die österreichische Literaturszene trauert um eine ihrer prägenden Stimmen: Monika Helfer ist am 2. August im Alter von 78 Jahren verstorben. Wie ihr Verlag Hanser bekannt gab, kam die Schriftstellerin nach einem Sturz überraschend ums Leben. Ihr Tod markiert das Ende einer jahrzehntelangen Schaffensphase, in der sie das zeitgenössische Erzählen maßgeblich mitgestaltet hat.
Herkunft und frühe Anfänge
Geboren wurde Monika Helfer 1947 in Au im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Ihre literarische Laufbahn begann bereits in den 1970er-Jahren. Über die Jahrzehnte hinweg baute sie ein umfangreiches Werk auf, das neben Romanen und Erzählungen auch Kinderbücher umfasste. Für ihr Schaffen wurde sie mehrfach gewürdigt, unter anderem mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.
Fokus auf familiäre Dynamiken
Ein zentrales Motiv in Helfers Schreiben war die Auseinandersetzung mit komplexen Familienbeziehungen. Dabei zeichnete sie sich durch eine besondere Fähigkeit aus, die Welt aus der Perspektive von Kindern zu betrachten. Diese erzählerische Herangehensweise verlieh ihren Texten eine hohe emotionale Dichte und Authentizität.
Die erfolgreiche Familientrilogie
Einem breiten Publikum wurde Helfer insbesondere durch ihre autofiktionalen Werke bekannt. Im Jahr 2020 erschien der Roman „Die Bagage“, der auf ihrer eigenen Familiengeschichte basiert und sich zu einem großen Erfolg entwickelte. Diesem Bestseller ließ sie 2021 das Buch „Vati“ folgen, in dem sie sich ihrem Vater widmete, den sie als leidenschaftlichen „Büchermenschen“ porträtierte. In diesem Werk thematisierte sie zudem ihre eigene Kindheit sowie das Verhältnis zu ihren Geschwistern.
Den Abschluss dieser Trilogie bildete 2022 der Roman „Löwenherz“, in dem Helfer den Lebensweg und den frühen Tod ihres Bruders Richard aufarbeitete. Diese drei Werke gelten als Meilensteine ihres literarischen Schaffens, da sie private Erinnerungen in eine allgemeingültige literarische Form überführten.
Spätes Werk und literarisches Erbe
Auch in ihren letzten Schaffensjahren blieb Monika Helfer produktiv. 2023 veröffentlichte sie den Roman „Die Jungfrau“, der die lebenslange Freundschaft zu ihrer Schulfreundin Gloria in den Mittelpunkt stellte. Ergänzt wurde ihr Spätwerk durch Publikationen wie „Der Bücherfreund“, den Gedichtband „Bitte schick mir eine Droge“ sowie die Erzählung „Wer bist du“.
Privat war die Autorin seit 1981 mit dem Schriftsteller Michael Köhlmeier verheiratet; das Paar hatte vier gemeinsame Kinder. Jo Lendle, Verleger des Hanser Verlags, würdigte Helfer in einem Nachruf als eine Autorin, deren „gerade, klare und wahrhaftige Literatur“ die Welt bereichert habe. Mit ihrem Ableben verliere die Literaturlandschaft eine bedeutende Stimme, die es verstand, Schönheit in der Sprache zu bewahren.