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Horror aus Japan: „EXIT 8“: Die Hölle ist ein endloser U-Bahn-Gang
Kultur · 10.08.2026 20:11

Horror aus Japan: „EXIT 8“: Die Hölle ist ein endloser U-Bahn-Gang

Kurz: Der japanische Regisseur Genki Kawamura bringt mit „Exit 8“ einen klaustrophobischen Horrorfilm ins Kino, der die Entfremdung im modernen Großstadtalltag themat

Ein Regisseur zwischen allen Genres

Genki Kawamura gilt in der japanischen Medienlandschaft als ein Künstler, dem nahezu jedes Projekt gelingt. Ob als Romanautor, Filmproduzent oder Regisseur – seine Arbeiten finden regelmäßig ein großes Publikum. Bekannt wurde er unter anderem durch seinen Roman „Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“, der in Japan zum Bestseller avancierte und zur sogenannten Post-Desaster-Literatur zählt, die unter dem Eindruck der Fukushima-Katastrophe entstand.

Auch im Filmbereich ist Kawamura eine feste Größe. Er produzierte international gefeierte Animationsfilme wie „Your Name – Gestern, heute und für immer“, „Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft“ sowie den Berlinale-Wettbewerbsbeitrag „Suzume“. Zudem war er als Produzent an Hirokazu Koreedas Drama „Die Unschuld“ beteiligt. Mit seinem neuesten Projekt „Exit 8“ wechselte er nun in das Horrorgenre und präsentierte den Film bei den Filmfestspielen in Cannes.

Die Hölle im U-Bahn-Schacht

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Escape-Videospiel. Die Handlung folgt einem jungen Mann, der nach einem Telefonat mit seiner schwangeren Ex-Freundin in einem scheinbar endlosen, sterilen U-Bahn-Gang feststeckt. Die Umgebung ist geprägt von weißen Fliesen und gelben Linien – ein Labyrinth, das an die unmöglichen Architekturen von M.C. Escher erinnert.

Die Regeln für das Entkommen sind simpel, aber tückisch: Der Protagonist muss Anomalien in seiner Umgebung erkennen. Findet er eine Abweichung vom Normalzustand, muss er umkehren. Ignoriert er sie oder macht einen Fehler, beginnt der Kreislauf von vorn. Kawamura nutzt dieses Setting, um eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen, die über klassische Schockeffekte hinausgeht.

Zwischenmenschliche Entfremdung und Schuld

Der Regisseur sieht sich selbst primär als Geschichtenerzähler, der für jedes Thema das passende Medium sucht. Bei „Exit 8“ faszinierte ihn die Verbindung von klinischer Ästhetik und der Frage nach der menschlichen Wahrnehmung. Er vergleicht das Konzept mit dem klassischen japanischen No-Theater, bei dem auf einer begrenzten Bühne durch strenge Regeln eine hohe emotionale Dichte erreicht wird.

Zudem zieht Kawamura Parallelen zu Dantes „Göttlicher Komödie“. Die U-Bahn-Gänge fungieren als eine Art Purgatorium, in dem sich der Protagonist seinen Sünden stellen muss. Die Anomalien, auf die er trifft, sind dabei eng mit seinen persönlichen Schuldgefühlen verknüpft. Eine zentrale Figur ist ein Mann mit Aktenkoffer, der den Protagonisten wie ein Roboter immer wieder passiert. Diese Figur dient als Chiffre für die Gleichgültigkeit gegenüber Mitmenschen, die in einer anonymen Großstadt oft vorherrscht.

Die Wahrnehmung des Alltags

Der Film stellt das Publikum vor eine unbequeme Frage: Was nehmen wir in unserem täglichen Umfeld tatsächlich wahr? Viele Menschen bewegen sich durch den öffentlichen Raum, ohne ihre Umgebung bewusst zu registrieren, oft abgelenkt durch das Smartphone. Kawamura möchte mit seinen langen Kameraeinstellungen – einer Technik, die er bereits in seinem Demenzdrama „A Hundred Flowers“ einsetzte – genau diese Entfremdung einfangen.

Der Kontrast zwischen der sterilen Umgebung und den zunehmend verstörenden Elementen wie tropfendem Blut oder Kinderschreien verstärkt das Gefühl des Ausgeliefertseins. „Exit 8“ zwingt die Zuschauer dazu, die eigene Aufmerksamkeit zu hinterfragen. Wer den Film sieht, dürfte nach dem Kinobesuch vermutlich aufmerksamer durch öffentliche Orte gehen und seine Mitmenschen bewusster wahrnehmen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/academy-museum-of-motion-pictures-in-los-angeles-32723798/ · Foto: Abhishek Navlakha
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/kino/horror-aus-japan-exit-8-im-kino-201092375.html