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Grundwasser an vielen Küsten sinkt - ist das Trinkwasser bedroht?
Schlagzeilen · 03.05.2026 06:00

Grundwasser an vielen Küsten sinkt - ist das Trinkwasser bedroht?

Kurz: Sinkender Grundwasserspiegel an Küsten bedroht Trinkwasserversorgung weltweit.

Sinkender Grundwasserspiegel an Küstenregionen

Etwa ein Drittel der globalen Bevölkerung lebt in Küstengebieten, doch die Trinkwasserversorgung in diesen Regionen ist zunehmend gefährdet. Eine umfassende Studie, die Daten von rund 480.000 Grundwasserbrunnen weltweit analysierte, zeigt alarmierende Trends: In zahlreichen Küstenregionen, darunter die USA, Zentralamerika, der Mittelmeerraum, Indien, Südafrika und Australien, sinkt der Grundwasserspiegel oft dauerhaft.

Ursachen für den sinkenden Grundwasserspiegel

Die sinkenden Pegel sind in erster Linie auf die übermäßige Entnahme von Grundwasser zurückzuführen. Dieses Wasser wird sowohl für den Trinkwasserbedarf als auch für industrielle und landwirtschaftliche Zwecke genutzt. In einigen Brunnen wurden Rückgänge von bis zu 50 Zentimetern pro Jahr festgestellt.

Klimawandel und Meeresspiegelanstieg

Parallel zu diesen Entwicklungen steigt der Meeresspiegel durch den Klimawandel. Wenn der Grundwasserspiegel unter den Meeresspiegel fällt, besteht die Gefahr, dass Salzwasser in die Grundwasserleiter eindringt. Dies hat zur Folge, dass das Wasser ungenießbar wird, sowohl für die menschliche Trinkwasserversorgung als auch für die Landwirtschaft.

Trinkwasserversorgung in Krisengebieten

Laut Berichten leben fast drei Viertel der Weltbevölkerung in Ländern, in denen die Trinkwasserversorgung als unsicher oder kritisch eingestuft wird. Besonders betroffen sind große Städte mit über zehn Millionen Einwohnern, die sogenannten Megastädte. Hier wird häufig auf die Grundwasserreserven zurückgegriffen, ohne dass ausreichend neues Wasser nachkommt. Ein Beispiel ist die indonesische Hauptstadt Jakarta, die aufgrund ihrer massiven Wasserprobleme verlegt werden soll.

Jakarta: Ein Beispiel für Wasserkrisen

Jakarta steht exemplarisch für die Herausforderungen, die mit der Trinkwasserversorgung in dicht besiedelten Küstenregionen verbunden sind. Die Kosten für das Evakuierungsprojekt, das die Hauptstadt nach Nusantara auf der Insel Borneo verlegen soll, belaufen sich auf rund 32 Milliarden Euro. Neben den Überschwemmungsrisiken spielt auch die unzureichende Trinkwasserversorgung eine entscheidende Rolle.

Folgen der Wasserknappheit

Wenn Küstenregionen ihre Grundwasserreserven nicht schützen, könnte Wasserknappheit bereits lange vor sichtbaren Überschwemmungen zu einem gravierenden Problem werden. Experten warnen, dass die Verfügbarkeit von Trinkwasser eine Grundvoraussetzung für das Überleben von Menschen, den Anbau von Lebensmitteln und die Erhaltung gesunder Ökosysteme ist.

Management von Grundwasserressourcen

Um die Trinkwasserreserven zu schützen, sind verschiedene Maßnahmen notwendig. Eine zentrale Strategie besteht darin, nicht mehr Grundwasser zu entnehmen, als sich regenerieren kann. Der Hydrologe Nils Moosdorf von der Universität Kiel betont die Bedeutung eines effektiven Managements. Es ist entscheidend, die Belastbarkeit der Grundwasserleiter zu überwachen und entsprechende Entnahmegrenzen festzulegen.

Vielfältige Nutzer und deren Einfluss

Die sinkenden Grundwasserspiegel sind das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Nutzer, darunter private Haushalte, Städte, Unternehmen und vor allem die Landwirtschaft. Letztere benötigt große Mengen Wasser für die Bewässerung.

Entsalzungsanlagen als Lösung?

In einigen trockenen Regionen wie den USA, Saudi-Arabien und Spanien kommen bereits Entsalzungsanlagen zum Einsatz, um Meerwasser in Trinkwasser umzuwandeln. Diese Technologie könnte auch zur Aufbereitung von versalzenem Grundwasser genutzt werden. Allerdings hat sie auch Nachteile, da das entstehende Salzwasser wieder in die Ozeane geleitet wird und lokal Probleme verursachen kann. Zudem erfordert das Verfahren viel Energie.

Zukünftige Herausforderungen

In Inselländern wie Tuvalu gibt es Überlegungen, die Bevölkerung angesichts der steigenden Überschwemmungsrisiken nach Australien zu evakuieren. Ein entsprechendes Abkommen ermöglicht es jährlich einer begrenzten Anzahl von Inselbewohnern, nach Australien auszuwandern, ohne ihr Rückkehrrecht zu verlieren. Laut NASA könnten bis 2050 große Teile Tuvalus im Meer versinken.

Experten warnen, dass solche Entwicklungen in Zukunft häufiger auftreten könnten. Das Wissen um geeignete Methoden zum Schutz der Grundwasserreserven ist vorhanden, doch es bedarf einer konsequenten Umsetzung und eines gemeinsamen Engagements aller Beteiligten, um die Trinkwasserversorgung in Küstenregionen langfristig zu sichern.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/35767212/ · Foto: Gundula Vogel
Quelle: https://www.tagesschau.de/wissen/forschung/versalzenes-grundwasser-100.html