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Gestein von der Mondrückseite liefert überraschende Erkenntnisse über Asteroideneinschläge
Technik · 29.07.2026 11:00

Gestein von der Mondrückseite liefert überraschende Erkenntnisse über Asteroideneinschläge

Kurz: Proben der chinesischen Chang’e-6-Mission stellen bisherige Theorien zur Geschichte unseres Sonnensystems infrage. Die Mondrückseite offenbart neue Details.

Neue Einblicke in die lunare Vergangenheit

Die Erforschung des Erdtrabanten steht vor einer wissenschaftlichen Neuausrichtung. Bodenproben, die im Jahr 2024 durch die chinesische Raumfahrtmission Chang’e 6 von der Mondrückseite zur Erde gebracht wurden, liefern Erkenntnisse, die unser Verständnis der frühen Erdgeschichte und der Entwicklung des Sonnensystems maßgeblich beeinflussen könnten. Ein Forschungsteam unter Leitung des Guangzhou Institute of Geochemistry hat diese Proben analysiert und die Ergebnisse im Fachjournal Science Advances veröffentlicht.

Der Mond als geologische Zeitkapsel

Warum ist ausgerechnet das Gestein der Mondrückseite für die Wissenschaft so wertvoll? Die Antwort liegt in der geologischen Beschaffenheit des Mondes im Vergleich zur Erde. Während unser Heimatplanet durch Prozesse wie Plattentektonik, Erosion und vulkanische Aktivität die Spuren früherer Asteroideneinschläge über Jahrmillionen hinweg weitgehend ausgelöscht hat, dient der Mond als konservierte Aufzeichnung.

Laut Fred Jourdan von der Curtin University in Australien fungiert der Mond als eine Art Zeitkapsel. Besonders die erdabgewandte Seite ist hierbei von Bedeutung, da sie im Gegensatz zur Vorderseite weniger stark durch spätere geologische Ereignisse, wie etwa die Entstehung des Mare Imbrium, überprägt wurde. Diese Tiefebene auf der Mondvorderseite gilt als ein Resultat eines der letzten massiven Einschläge während des sogenannten „Late Heavy Bombardment“ (LHB).

Zweifel an der LHB-Theorie

Die bisher dominierende wissenschaftliche Hypothese des „Late Heavy Bombardment“ besagt, dass das innere Sonnensystem vor etwa vier Milliarden Jahren von einer letzten, heftigen Welle an Asteroideneinschlägen getroffen wurde. Die Untersuchung des Materials von der Mondrückseite stellt diese Theorie nun infrage.

Die Altersbestimmung der Einschlagspuren in den Proben ergab eine weitaus größere zeitliche Spannweite als bisher angenommen. Die Einschläge ereigneten sich demnach über einen Zeitraum zwischen 4,3 und 1,13 Milliarden Jahren. Diese Daten legen nahe, dass es kein einzelnes, katastrophales Ereignis gab, sondern vielmehr ein kontinuierliches Abflauen der Asteroidenschauer über einen langen Zeitraum hinweg.

Bedeutung für die Evolution der Erde

Die Analyse der Proben ist nicht nur für die Mondforschung von Interesse. Da Erde und Mond eine gemeinsame Entstehungsgeschichte teilen, ermöglichen die Daten Rückschlüsse auf die Bedingungen, die auf unserem Planeten während der Frühphase herrschten. Die Erkenntnis, dass das Bombardement eher schleichend abnahm, anstatt in einem plötzlichen, zerstörerischen Höhepunkt zu gipfeln, könnte die Modelle zur Entstehung und Entwicklung der frühen Erde nachhaltig verändern.

Die wissenschaftliche Gemeinschaft sieht in diesen Ergebnissen einen wichtigen Schritt, um die Geschichte unseres Sonnensystems präziser zu rekonstruieren. Die Proben aus der Mission Chang’e 6 liefern somit ein neues Puzzleteil, das die bisherigen Annahmen über die Intensität und Dauer der Asteroideneinschläge in der Frühphase unseres Systems korrigiert.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/laptop-leerer-bildschirm-mockup-12882905/ · Foto: Leonid Altman
Quelle: https://t3n.de/news/gestein-mondrueckseite-asteroideneinschlaege-1755398/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed