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Gedenken an Attentat im Olympia-Einkaufszentrum
Schlagzeilen · 22.07.2026 18:55

Gedenken an Attentat im Olympia-Einkaufszentrum

Kurz: Zehn Jahre nach dem rassistischen Anschlag am Münchner Olympia-Einkaufszentrum mahnt Bundespräsident Steinmeier zu einem entschlossenen Kampf gegen Hass.

Ein Tag des Gedenkens in München

Am 22. Juli 2026 versammelten sich in München Hinterbliebene, Überlebende und hochrangige politische Vertreter, um des verheerenden Attentats zu gedenken, das sich vor genau zehn Jahren am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) ereignete. Bei der offiziellen Gedenkveranstaltung stand das Schicksal der neun Todesopfer im Mittelpunkt, die dem rechtsextremen Anschlag zum Opfer gefallen waren. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nutzte den Anlass für eine deutliche politische Botschaft. Er rief die Gesellschaft dazu auf, Rassismus und Antisemitismus entschieden entgegenzutreten. In seiner Rede betonte er die Notwendigkeit, jede Form der Diskriminierung, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft abwertet, konsequent abzulehnen. Das Gedenken an diesen Ort ist für die Hinterbliebenen und die Stadt München ein wichtiger Moment der Erinnerung, um das Leid der Familien zu würdigen und gleichzeitig ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. Die Veranstaltung war geprägt von der gemeinsamen Trauer um die Verstorbenen und dem dringenden Appell, die demokratischen Werte in Deutschland gegen jede Form von menschenverachtender Ideologie zu verteidigen.

Die tragischen Ereignisse und ihre Opfer

Der 22. Juli 2016 markiert einen schwarzen Tag in der jüngeren Geschichte Münchens. Der damals 18-jährige David S. eröffnete am Olympia-Einkaufszentrum das Feuer und tötete acht Jugendliche sowie eine erwachsene Person, bevor er sich selbst das Leben nahm. Die Opfer des Anschlags stammten aus unterschiedlichen kulturellen Hintergründen; unter ihnen befanden sich Menschen mit türkischen, griechischen oder albanischen Wurzeln sowie Angehörige der Minderheit der Sinti und Roma. Die Tat erschütterte das Land zutiefst. Während die Behörden den Vorfall zunächst als Amoklauf mit persönlichem Hintergrund einstuften, änderte sich diese Bewertung erst im Jahr 2019, als das bayerische Landeskriminalamt den rassistischen Charakter des Anschlags offiziell anerkannte. Das Datum der Tat war dabei kein Zufall: Genau fünf Jahre zuvor, am 22. Juli 2011, hatte ein rechtsextremer Attentäter in Norwegen 77 Menschen, überwiegend Jugendliche, ermordet. Diese Parallele unterstreicht die ideologische Motivation des Täters, der seine Opfer aufgrund ihrer Identität als minderwertig betrachtete und ihnen das Lebensrecht absprach.

Ein Land mit Migrationsgeschichte

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier betonte in seiner Rede die Bedeutung der deutschen Identität im 21. Jahrhundert. Er stellte klar, dass Deutschland als Ganzes eine Zuwanderungsgeschichte aufweise und nicht nur einzelne Personen. „Deutschland ist ein Land mit Migrationshintergrund. Das macht uns aus“, erklärte Steinmeier vor den Anwesenden. Diese Aussage ist als deutliche Absage an rechtsextreme Narrative zu verstehen, die eine homogene Gesellschaft propagieren. Der Bundespräsident mahnte zudem, dass die Ideologie des Hasses, die sich gegen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte richtet, eine lange und dunkle Tradition in der deutschen Geschichte habe. Er erinnerte daran, dass in der Vergangenheit unter einer solchen Ideologie millionenfach gemordet wurde. Es sei daher die Pflicht aller Bürgerinnen und Bürger, ein Klima zu verhindern, in dem feindseliges Denken gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund wieder Raum gewinnt. Niemand dürfe aufgrund seiner Herkunft über einen anderen gestellt werden, so der Appell des Staatsoberhauptes.

Die anwesenden Akteure und das politische Umfeld

Neben den direkt vom Anschlag betroffenen Hinterbliebenen und Überlebenden nahmen auch hochrangige politische Repräsentanten an der Gedenkfeier teil. Zu den Anwesenden zählten die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) sowie der Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne). Ihre Teilnahme unterstreicht die Bedeutung des Gedenkens auf staatlicher und kommunaler Ebene. Dennoch bleibt das Verhältnis zwischen den Angehörigen und den staatlichen Stellen angespannt. Viele Hinterbliebene äußerten in der Vergangenheit scharfe Kritik an der Aufarbeitung der Tat und fühlten sich von den Behörden im Stich gelassen. Die Forderung der Angehörigen nach einem Untersuchungsausschuss im bayerischen Landtag steht weiterhin im Raum, um alle Hintergründe und möglichen Versäumnisse der Ermittlungsbehörden vollständig aufzuklären. Die Anwesenheit der Politiker bei der Gedenkveranstaltung zeigt zwar den Respekt vor den Opfern, doch die tiefe Enttäuschung der Familien über den langwierigen Prozess der Anerkennung des rassistischen Tatmotivs prägt das gesellschaftliche Klima rund um diesen Jahrestag weiterhin.

Einordnung der rechtsextremen Gefahr

Einzuordnen ist das Gedenken im Kontext einer Reihe von rechtsextremen Anschlägen in Deutschland, die Steinmeier in seiner Rede explizit aufzählte. Er verwies auf die Taten in Halle und Hanau, die Mordserie des NSU, die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke sowie das Oktoberfestattentat von 1980. Den Berichten zufolge ist es oft schwierig, die Motive der Täter eindeutig zu kategorisieren, da sich ideologische Verblendung, Amokfantasien und psychische Störungen häufig zu einem komplexen Geflecht vermischen. Dennoch betonte Steinmeier, dass es bei diesen Taten stets einen „harten ideologischen Kern“ gebe, der nicht ignoriert werden dürfe. Die Bewertung des OEZ-Attentats als rassistisch motiviert durch das Landeskriminalamt im Jahr 2019 war ein entscheidender Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung. Sie verdeutlicht, wie wichtig eine präzise Analyse der Hintergründe ist, um rechtsextreme Gewalt nicht als bloße Einzeltaten abzutun, sondern als Teil eines strukturellen Problems zu begreifen, das die demokratische Grundordnung gefährdet.

Offene Fragen und der weitere Weg

Trotz des Gedenkens bleiben wesentliche Fragen zur Aufarbeitung des OEZ-Attentats offen. Der Quelltext benennt konkret die Forderung der Angehörigen nach einem Untersuchungsausschuss im bayerischen Landtag, um die Hintergründe der Tat und das Handeln der Behörden umfassend zu beleuchten. Es bleibt unklar, wie die Politik auf diese Forderung reagieren wird und ob es zu einer weiteren parlamentarischen Aufarbeitung kommen wird. Auch die Frage, wie das Vertrauen der Hinterbliebenen in staatliche Institutionen nach der jahrelangen Einstufung als „Amoklauf“ wiederhergestellt werden kann, bleibt unbeantwortet. Der Jahrestag dient zwar als wichtiges Signal der Solidarität, doch die juristische und politische Aufarbeitung ist für viele Betroffene noch nicht abgeschlossen. Die Zukunft wird zeigen, ob die Mahnungen des Bundespräsidenten zu einem nachhaltigen Wandel im Umgang mit rechtsextremer Gewalt führen und ob die Forderungen der Hinterbliebenen Gehör finden werden. Der Prozess der Erinnerung und der Suche nach Gerechtigkeit bleibt somit ein andauernder, schwieriger Weg für alle Beteiligten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/37751358/ · Foto: Hilal Bülbül
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/steinmeier-oez-attentat-100.html