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Freundschaften am Arbeitsplatz: Frauen knüpfen laut Studie engere Kontakte als Männer
Technik · 23.08.2026 21:04

Freundschaften am Arbeitsplatz: Frauen knüpfen laut Studie engere Kontakte als Männer

Kurz: Eine Studie der Durham University Business School zeigt: Frauen und Männer pflegen im Job unterschiedliche Freundschaftsnetzwerke, was Karrierechancen beeinflus

Was geschehen ist: Geschlechtsspezifische Dynamiken im Büro

Freundschaften am Arbeitsplatz sind weit mehr als nur ein angenehmer Zeitvertreib; sie gelten als wesentlicher Faktor für die allgemeine Arbeitszufriedenheit sowie für die individuelle Produktivität der Beschäftigten. Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung der Durham University Business School hat nun detailliert analysiert, wie sich diese sozialen Bindungen zwischen den Geschlechtern unterscheiden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Frauen dazu neigen, engere und stärker vernetzte Freundschaftskreise am Arbeitsplatz zu bilden, während Männer eher selektive Eins-zu-Eins-Beziehungen bevorzugen. Diese unterschiedlichen sozialen Strategien könnten weitreichende Konsequenzen für die berufliche Laufbahn und die Gleichstellung innerhalb von Organisationen haben. Die Forscher beobachteten über einen Zeitraum von zehn Monaten hinweg, wie sich soziale Kontakte bei Berufseinsteigern entwickeln, und stellten fest, dass die Art und Weise, wie Netzwerke geknüpft werden, maßgeblich durch das Geschlecht beeinflusst wird. Während Frauen ihre sozialen Kreise oft über bestehende Kontakte erweitern, fokussieren sich Männer häufiger auf spezifische, zweckorientierte Verbindungen. Diese Erkenntnisse werfen ein neues Licht auf die informellen Strukturen, die den beruflichen Alltag prägen und möglicherweise das geschlechtsspezifische Lohngefälle sowie den Zugang zu einflussreichen Ressourcen beeinflussen.

Die Einzelheiten: Daten und methodisches Vorgehen

Die Untersuchung, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift Social Networks publiziert wurden, basiert auf einer Längsschnittstudie mit 139 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Vereinigten Staaten. Die Probanden befanden sich in der Altersspanne zwischen 18 und 24 Jahren und wurden in den ersten zehn Monaten ihrer neuen Anstellung insgesamt viermal zu ihrem sozialen Umfeld am Arbeitsplatz befragt. Geleitet wurde das Forschungsprojekt von Andrew Parker, einem Experten für Leadership-Themen an der Durham University Business School. Unterstützt wurde er dabei von einem internationalen Team aus den USA und der Schweiz. Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die unterschiedliche Prioritätensetzung: Frauen legen bei ihren Kontakten den Fokus stärker auf die Freundschaft an sich, was zu einer hohen Dichte an vernetzten sozialen Beziehungen führt, die oft auch andere Frauen einbeziehen. Männer hingegen agieren strategischer und selektiver. Ihre Beziehungen entstehen häufig dann, wenn der Kontakt als Unterstützung für persönliche oder berufliche Ambitionen wahrgenommen wird. Diese Beobachtungen liefern eine wissenschaftliche Grundlage für die Annahme, dass die soziale Architektur innerhalb von Unternehmen nicht geschlechtsneutral ist, sondern auf unterschiedlichen Verhaltensmustern basiert, die sich über die Zeit verfestigen.

Hintergrund: Die Bedeutung des sozialen Miteinanders

Die Relevanz von sozialen Kontakten am Arbeitsplatz ist in der modernen Arbeitswelt unbestritten. Schon in der Vergangenheit haben zahlreiche Studien belegt, dass ein positives Betriebsklima und freundschaftliche Bindungen unter Kollegen die mentale Gesundheit fördern und die Leistungsfähigkeit steigern. Ergänzend dazu verweist eine Umfrage des Personaldienstleisters Randstad auf die hohe Bedeutung dieses Faktors für die deutsche Arbeitnehmerschaft: 82 Prozent der Befragten gaben an, dass ein starkes Gemeinschaftsgefühl ihre Produktivität signifikant steigert. Besonders deutlich wird der Generationenwandel: Während für die Generation Z ein freundschaftliches Miteinander ein entscheidendes Kriterium für die Wahl des Arbeitgebers ist – 30 Prozent dieser Altersgruppe haben bereits aufgrund fehlender sozialer Bindungen gekündigt –, spielt dieser Aspekt für die Babyboomer mit einer Quote von zwölf Prozent eine deutlich untergeordnete Rolle. Vor diesem Hintergrund ist die Untersuchung der Durham University Business School ein wichtiger Beitrag, um zu verstehen, warum sich soziale Netzwerke in Organisationen so unterschiedlich entwickeln und welche Rolle diese für die Unternehmenskultur spielen.

Die Beteiligten: Akteure und Forschungseinrichtungen

Die Federführung der Studie lag bei Andrew Parker, der an der britischen Durham University Business School lehrt und forscht. Die wissenschaftliche Arbeit profitierte zudem von der Expertise eines interdisziplinären Teams aus den USA und der Schweiz, was die internationale Relevanz der Fragestellung unterstreicht. Die betroffenen Personen in der Studie waren 139 junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Alter von 18 bis 24 Jahren. Diese Gruppe wurde gewählt, um die Entstehung von Netzwerken in der frühen Phase einer beruflichen Laufbahn zu dokumentieren. Die Ergebnisse richten sich nicht nur an die akademische Gemeinschaft, sondern auch an Unternehmen und Personalverantwortliche, die durch die Erkenntnisse der Forscher dazu angehalten werden, die Strukturen ihrer internen Kommunikation und Vernetzung zu hinterfragen. Die Studie macht deutlich, dass die Art der sozialen Interaktion nicht nur eine private Angelegenheit ist, sondern tiefgreifende Auswirkungen auf die organisatorische Stabilität und die Chancengleichheit innerhalb eines Unternehmens hat.

Einordnung: Soziale Netzwerke und ihre Folgen

Einzuordnen ist das so: Die unterschiedlichen Herangehensweisen beim Networking könnten laut den Forschern eine Erklärung für das geschlechtsspezifische Lohngefälle und die ungleiche Verteilung von Führungspositionen bieten. Den Berichten zufolge könnten die weiblichen Netzwerke, so stabil und unterstützend sie auch sein mögen, weniger Zugang zu strategisch wichtigen Ressourcen oder einflussreichen Kontakten bieten, die für den beruflichen Aufstieg entscheidend sind. Im Gegensatz dazu könnten die eher zweckorientierten, selektiven Beziehungen der Männer ihnen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, da diese Verbindungen häufiger direkt mit beruflichem Nutzen verknüpft sind. Die Wissenschaftler betonen, dass dies keine bewusste Entscheidung sein muss, sondern ein unbewusstes Muster darstellt. Dennoch ist die Konsequenz gravierend: Wenn Freundschaftsnetzwerke als informelle Karrierekanäle fungieren, führt eine geschlechtsspezifische Trennung dieser Netzwerke zwangsläufig zu einer ungleichen Verteilung von Aufstiegschancen. Die Studie mahnt daher, dass Unternehmen aktiv gegensteuern sollten, um die Vorteile von Freundschaften für alle Beschäftigten zugänglich zu machen.

Offene Fragen: Was die Studie nicht klärt

Obwohl die Studie der Durham University Business School weitreichende Einblicke in die Dynamiken von Freundschaften am Arbeitsplatz bietet, bleiben einige Fragen unbeantwortet. Der Quelltext macht keine Angaben darüber, ob die beobachteten Muster in verschiedenen Branchen oder Unternehmenskulturen variieren. Es bleibt unklar, inwieweit die Unternehmensgröße oder die hierarchische Struktur den Aufbau dieser Netzwerke beeinflusst. Auch die Frage, ob die unterschiedlichen Networking-Stile durch kulturelle Faktoren jenseits der untersuchten USA beeinflusst werden, wird nicht explizit thematisiert. Ebenso wenig wird detailliert erläutert, welche spezifischen Maßnahmen Unternehmen ergreifen könnten, um die beschriebenen Hürden beim Zugang zu einflussreichen Kontakten effektiv abzubauen, ohne dabei den organischen Charakter von Freundschaften zu zerstören. Die Studie identifiziert zwar das Problem der ungleichen Netzwerkstrukturen, bietet jedoch keine konkreten Rezepte für die praktische Umsetzung in der Personalentwicklung.

Wie es weitergeht: Empfehlungen für Unternehmen

Das Forschungsteam leitet aus den gewonnenen Erkenntnissen klare Empfehlungen für die Unternehmenspraxis ab. Um die Gleichstellung zu fördern und die Vorteile von Freundschaften am Arbeitsplatz optimal zu nutzen, sollten Unternehmen gezielt Möglichkeiten schaffen, die den Aufbau von Verbindungen zwischen verschiedenen Gruppen erleichtern. Die Forscher schlagen vor, umfassendere Networking-Möglichkeiten zu etablieren, die über die bestehenden, oft geschlechtsspezifischen oder zufälligen Kontakte hinausgehen. Ziel sollte es sein, Strukturen zu fördern, in denen Freundschaften sowohl persönliche Unterstützung bieten als auch den Zugang zu beruflichen Vorteilen erleichtern. Ob und wie Unternehmen diese Empfehlungen in ihre Personalstrategien integrieren, bleibt abzuwarten. Die Ergebnisse der Studie dienen jedoch als wichtiger Impuls, um die Bedeutung informeller Netzwerke bei der Gestaltung einer gerechteren Arbeitswelt stärker in den Fokus der betrieblichen Aufmerksamkeit zu rücken.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/laptop-frauen-stehen-suche-5253950/ · Foto: Antonius Ferret
Quelle: https://t3n.de/news/freundschaften-am-arbeitsplatz-frauen-knuepfen-laut-studie-engere-kontakte-als-maenner-1759452/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed