News aus aller Welt
Start
Fusionsenergie: Deutschland verteilt Forschungszentren für Kernfusion
Technik · 30.07.2026 09:24

Fusionsenergie: Deutschland verteilt Forschungszentren für Kernfusion

Kurz: Deutschland treibt die Fusionsforschung voran: Mit neuen regionalen Forschungszentren und Milliardeninvestitionen soll die Technologie zur Marktreife geführt we

Strategischer Ausbau der Fusionsforschung

Die Bundesregierung hat eine weitreichende Initiative gestartet, um die Entwicklung der Fusionsenergie in Deutschland entscheidend voranzutreiben. Unter der Leitung von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär wurden Standorte für regionale Forschungszentren festgelegt, die als Hubs für die technologische Entwicklung dienen sollen. Dieses Vorhaben vernetzt mehr als 30 Hochschulen, außeruniversitäre Institute sowie privatwirtschaftliche Unternehmen, um die Vision einer sauberen Energiequelle nach dem Vorbild der Sonne zu realisieren.

Die drei technologischen Säulen

Die Forschungslandschaft gliedert sich in drei spezialisierte Bereiche, die jeweils unterschiedliche Ansätze der Kernfusion adressieren:

* **Magnetfusion:** Dieser Bereich konzentriert sich auf die Nutzung von Magnetfeldern, um das Plasma einzuschließen. Ein zentraler Aspekt ist hierbei der Betrieb mit Tritium als Brennstoff. Die bestehende Expertise durch die Forschungsreaktoren in Garching und Greifswald, betrieben vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP), bildet das Fundament. Geplant ist ein Hub in Bayern, an dem neben dem IPP auch die Start-ups Proxima Fusion und Gauss Fusion beteiligt sind.

* **Lasertechnologie:** Hier liegt der Fokus auf der Trägheitsfusion. In Biblis leitet das Unternehmen Focused Energy industrielle Forschungsvorhaben. Parallel dazu untersuchen Marvel Fusion und der European XFEL in Hamburg und Schleswig-Holstein die Interaktion von Laserstrahlen mit Brennstoffkügelchen. Weitere wissenschaftliche Unterstützung kommt von der Universität Rostock und dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf.

* **Material- und Brennstoffforschung:** Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) wird an den notwendigen Rahmenbedingungen gearbeitet. Da im Inneren eines Fusionsreaktors Temperaturen von über 100 Millionen Grad Celsius herrschen, müssen die verwendeten Materialien extremen Belastungen standhalten. Zudem befindet sich die Entwicklung eines geschlossenen Brennstoffkreislaufs noch in einem frühen Stadium.

Finanzierung und wirtschaftliche Perspektiven

Die finanzielle Basis für diese Ambitionen ist Teil einer insgesamt 18 Milliarden Euro schweren Hightech-Agenda, aus der bis zu neun Milliarden Euro direkt in die Fusionsforschung fließen sollen. Die Bundesregierung setzt dabei auf ein Modell, bei dem der Staat die Anschubfinanzierung leistet, während private Akteure langfristig die Hauptlast der Investitionen tragen sollen.

Zusätzliche Mittel werden durch die europäische IPCEI-Förderung sowie durch die Bundesagentur für Sprunginnovationen erwartet. Ab September steht zudem ein Meilenstein-Programm offen, bei dem sich Unternehmen für die Förderung eines Demonstrationskraftwerks bewerben können. Die Regierung plant, Mitte der 2030er Jahre eine Entscheidung über den erfolgreichsten technologischen Ansatz zu treffen.

Wirtschaftliche Auswirkungen und Klimaziele

Die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors wird als erheblich eingeschätzt. Eine Studie von Deloitte im Auftrag von Proxima Fusion prognostiziert, dass ein Großteil der Projektkosten für ein Demonstrationskraftwerk in regionale Lieferketten fließen wird. Neben der Schaffung von bis zu 5.100 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2029 werden auch signifikante Umsatzpotenziale in Bundesländern wie Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg erwartet.

Langfristig verfolgt die Bundesregierung das Ziel, die Fusionsenergie als wettbewerbsfähige Stromquelle zu etablieren. Die angestrebten Kosten pro Kilowattstunde liegen in einem Bereich von zwei bis neun Cent. Um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen, hat das Ministerium bereits ein Outreach-Projekt gestartet, das die Technologie in Bildungseinrichtungen, Parks und im öffentlichen Raum präsentieren soll.

Deutschland sieht sich in diesem Bereich einem internationalen Wettbewerb gegenüber, in dem insbesondere die USA und China derzeit eine führende Rolle einnehmen. Durch die Bündelung der Kräfte und die gezielte Förderung von Innovationen soll der Anschluss an die Weltspitze gesichert und die technologische Souveränität im Bereich der klimaneutralen Energieerzeugung gestärkt werden.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/futuristische-benutzeroberflache-auf-einem-laptop-mit-neon-tastatur-38117127/ · Foto: Rafael Minguet Delgado
Quelle: https://www.golem.de/news/fusionsenergie-deutschland-verteilt-forschungszentren-fuer-kernfusion-2607-211430.html