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Forscher upcyceln PVC in synthetischen Schmierstoff
Technik · 06.08.2026 10:11

Forscher upcyceln PVC in synthetischen Schmierstoff

Kurz: Wissenschaftler der Virginia Tech haben ein Verfahren entwickelt, um PVC-Abfälle in synthetische Schmierstoffe umzuwandeln und so das Recycling zu revolutionier

Eine neue Lösung für ein altes Entsorgungsproblem

Polyvinylchlorid, besser bekannt als PVC, gehört zu den am weitesten verbreiteten Kunststoffen weltweit. Ob in Fensterrahmen, Rohrleitungen, Kreditkarten oder Kinderspielzeug – das Material ist aus dem Alltag kaum wegzudenken. Doch während PVC in der Anwendung überzeugt, stellt es die Abfallwirtschaft vor massive Herausforderungen. Aufgrund seines hohen Chlorgehalts und der Vielzahl an spezifischen Additiven, die von verschiedenen Herstellern beigemischt werden, gilt PVC als nahezu unmöglich zu recyceln. Klassische Methoden wie das Einschmelzen oder mechanische Aufbereitungsverfahren scheitern regelmäßig an der chemischen Beschaffenheit des Materials. In der Folge landen große Mengen des Kunststoffs auf Deponien, wo sie dauerhaft verbleiben.

Ein Forschungsteam der Virginia Tech hat nun einen innovativen Weg gefunden, um dieses Problem anzugehen. Anstatt zu versuchen, den Kunststoff in seiner ursprünglichen Form wiederzuverwerten, setzen die Wissenschaftler auf ein chemisches Upcycling-Verfahren. Ziel der Forschung ist die Umwandlung von PVC-Abfällen in Polyalphaolefin (PAO), ein synthetisches Öl, das als essenzielle Basis für Motoröle, Getriebeöle und verschiedene industrielle Schmierstoffe fungiert.

Chemisches Potenzial statt mechanischer Hürden

Der wissenschaftliche Ansatz basiert auf der Erkenntnis, dass PVC chemisch betrachtet weitgehend einem Polyethylen mit reaktiven Chlorstellen entspricht. Die Forscher nutzen genau diese Eigenschaft, um das Material in einen neuen Rohstoff zu überführen. Indem die Chloratome gezielt abgespalten und durch andere Molekülgruppen ersetzt werden, lassen sich die stabilen Polymerketten des Kunststoffs aufbrechen.

Im Labor wurde PVC hierfür in ein spezielles Lösungsmittel gegeben, dem Aluminiumtrichlorid sowie Alpha-Olefine hinzugefügt wurden. Durch eine dreistündige Erhitzung auf etwa 70 °C reagierte das Gemisch, wobei sich die Chloratome lösten und die langen Polymerketten in kleinere, flüssige Segmente zerlegten. Das Resultat dieser chemischen Reaktion ist ein zähflüssiges Schmieröl.

Herausforderungen bei der Optimierung

Der Weg zum marktfähigen Produkt verlief jedoch nicht ohne Hindernisse. Erste Versuche ergaben ein Öl, das für die Anforderungen moderner Schmierstoffe zu weich und klebrig war. Um die gewünschte Qualität zu erreichen, mussten die Wissenschaftler das Verfahren anpassen und die Polymerketten noch weiter aufspalten. Die Leistungsfähigkeit und Tauglichkeit des so gewonnenen Öls wurde anschließend durch Experten der Texas A&M University überprüft, um sicherzustellen, dass das Produkt den industriellen Standards entspricht.

Wirtschaftliche Perspektiven und nächste Schritte

Das Projekt verfolgt einen zweifachen Nutzen: Zum einen wird die Menge an PVC-Abfällen reduziert, die andernfalls die Umwelt belasten würden. Zum anderen ermöglicht das Verfahren eine umweltfreundlichere Produktion von synthetischen Ölen, die bisher aufwendig künstlich hergestellt werden müssen.

Um den Übergang vom Labor in die industrielle Anwendung zu ermöglichen, haben die Forscher der Virginia Tech gemeinsam mit Chemikern des Caltech und Produktionsexperten Modelle für eine großflächige Fertigung entwickelt. Die kommenden Schritte konzentrieren sich nun darauf, den Prozess weiter zu optimieren, um den Schmierstoff nachhaltiger und einfacher zugänglich zu machen. Das erklärte Ziel der Wissenschaftler ist es, die Produktionsmengen so zu skalieren, dass das synthetische Öl weltweit breitflächig eingesetzt werden kann.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/it-techniker-arbeitet-im-serverraum-des-rechenzentrums-37605911/ · Foto: panumas nikhomkhai
Quelle: https://www.heise.de/news/Forscher-upcyceln-PVC-in-synthetischen-Schmierstoff-11400498.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag