Ein Favorit unter Druck
Wenn am Mittwochmorgen der Startschuss für den Zehnkampf bei der Leichtathletik-EM in Birmingham fällt, richtet sich die Aufmerksamkeit der Sportwelt auf einen Mann: Leo Neugebauer. Der Stuttgarter, der als amtierender Weltmeister in den Wettbewerb geht, steht vor seinem EM-Debüt. Die Erwartungen an den deutschen Rekordhalter sind immens, doch der Athlet selbst versucht, die äußeren Einflüsse auszublenden. Sein Ziel ist es, sich in seiner eigenen „Bubble“ zu bewegen und den Wettkampf als eine normale Herausforderung zu betrachten, wie er im Vorfeld betonte.
Die Form stimmt: Vorbereitung auf den Punkt
Experten wie der ARD-Leichtathletik-Experte Frank Busemann bescheinigen dem 26-jährigen Modellathleten eine bemerkenswerte Gelassenheit. Trotz des hohen Erwartungsdrucks wirkt Neugebauer entspannt. Seine sportliche Basis ist solide: Mit 8.730 Punkten, die er beim Meeting in Götzis erzielte, führt er die Meldeliste an. Um für Birmingham optimal vorbereitet zu sein, hat Neugebauer seine Saisonplanung angepasst. Neben der Generalprobe in Götzis absolvierte er das Meeting in Ratingen. Busemann ordnet diese Leistungen als „Hausmannskost“ ein – ein Zeichen für die hohe Konstanz und Klasse des Athleten, der bereits den deutschen Rekord von 8.961 Punkten hält.
Ein deutsches Duell an der Spitze?
Der größte Konkurrent für Neugebauer könnte aus dem eigenen Lager kommen. Niklas Kaul, Weltmeister von 2019, präsentiert sich in starker Verfassung. Beim Meeting in Götzis blieb Kaul mit 8.528 Punkten nur knapp hinter Neugebauer. Da prominente internationale Konkurrenten wie der Schweizer Simon Ehammer – der in Birmingham nur im Weitsprung antritt – sowie Olympiasieger Markus Rooth fehlen, rückt das interne deutsche Duell in den Fokus.
Neugebauer selbst warnt jedoch davor, den Wettbewerb auf ein reines Zweier-Duell zu reduzieren. Er verweist auf die hohe Leistungsdichte in Europa, die den Kontinent zum stärksten im Zehnkampf macht. Andere Athleten wie der Norweger Sander Skotheim, der Franzose Makenson Gletty sowie der Este Karel Tilga werden ebenfalls als ernsthafte Medaillenkandidaten gehandelt.
Der Traum von der 9.000er-Marke
Neben der angestrebten EM-Medaille, die noch in seiner Sammlung fehlt, verfolgt Neugebauer ein langfristiges Ziel: die magische Grenze von 9.000 Punkten. Er zeigt sich zuversichtlich, dass dieser Meilenstein in seiner Karriere fallen wird. Den perfekten Zehnkampf, in dem alle Disziplinen optimal ineinandergreifen, hat er nach eigener Aussage bisher noch nicht absolviert. Ob Birmingham der Ort für eine solche historische Leistung sein wird, bleibt abzuwarten. Der Athlet hofft auf den richtigen „Flow“, um sein Potenzial voll auszuschöpfen.
Hintergrund und Ausblick
Die Leichtathletik-EM in Birmingham gilt als einer der Höhepunkte der Saison 2026. Für das deutsche Team, das mit großen Hoffnungen angereist ist, ist der Zehnkampf eine der prestigeträchtigsten Disziplinen. Sollten Neugebauer und Kaul ihre Leistungen abrufen, besteht die realistische Chance auf einen Doppelerfolg für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Der Wettbewerb wird live im Ersten und auf sportschau.de übertragen, wobei die Fans gespannt darauf blicken, ob der „König der Athleten“ seiner Favoritenrolle gerecht werden kann.