Ein langer Weg zurück in den Profifußball
Die Sehnsucht in der Lausitz war groß: Nach einer zwölfjährigen Wartezeit kehrt Energie Cottbus in die 2. Bundesliga zurück. Für die Anhänger des Vereins ist dieser Aufstieg die Krönung jahrelanger Geduld, in der sie trotz sportlicher Rückschläge stets an die Rückkehr in den Profifußball geglaubt haben. Vereinspräsident Sebastian Lemke unterstreicht die Ambitionen des Clubs unmissverständlich: Cottbus sei nicht aufgestiegen, um lediglich eine kurze Visite im Unterhaus zu absolvieren. Das erklärte Ziel ist der dauerhafte Verbleib in der 2. Liga.
Mut zur Offensive als Markenzeichen
Trainer Claus-Dieter Wollitz, eine prägende Figur des Vereins, hält trotz des Aufstiegs an seiner bewährten Philosophie fest. Energie Cottbus soll auch in der höheren Spielklasse für Spektakel sorgen. Der Fokus liegt weiterhin auf einem dominanten, technisch anspruchsvollen Offensivfußball. Dass dieser Ansatz gegen spielstarke Gegner Risiken birgt, zeigte sich bereits in der Vorbereitung. In der Generalprobe gegen Werder Bremen bewies die Mannschaft zwar ihre spielerische Qualität, offenbarte jedoch gleichzeitig Anfälligkeiten im Spielaufbau, die zu Gegentoren führten.
Herausforderungen in der Vorbereitung
Die Testspielphase verlief insgesamt durchwachsen. Neben dem 2:4 gegen Bremen gab es deutliche Niederlagen gegen RB Salzburg (0:5) und den tschechischen Erstligisten Mladá Boleslav. Trainer Wollitz kritisierte die Mannschaft öffentlich für mangelnde Geschlossenheit und eine gewisse mentale Müdigkeit bei einigen Akteuren. Leistungsträger wie King Manu, Tolcay Cigerci oder Erik Engelhardt suchen derzeit noch nach ihrer Bestform, was die sportliche Leitung vor Herausforderungen stellt.
Ein Kader im Umbruch
Der Aufstiegskader erfuhr im Sommer einen deutlichen Umbruch: 14 Spieler verließen den Verein, während zehn neue Akteure verpflichtet wurden. Zu den zentralen Personalien gehört die emotionale Rückkehr von Leonardo Bittencourt. Der Mittelfeldspieler, der bereits in der Jugend für Cottbus auflief und dort unter Wollitz sein Profidebüt gab, bringt die Erfahrung aus über 300 Bundesliga-Spielen mit. Sein Wechsel wurde durch Sponsorenunterstützung ermöglicht.
Zudem setzt der Verein auf junge Talente und Rückkehrer:
* **Lucas Copado:** Der Stürmer kehrt nach einer Station in Paderborn zurück und soll mit seinem intensiven Laufverhalten das Offensivspiel beleben.
* **Leihspieler aus der Bundesliga:** Mit Luca Erlein (Bayer Leverkusen) und Fousseny Doumbia (Eintracht Frankfurt) verstärkt sich Energie mit zwei Defensivtalenten. Das Vertrauen der Bundesligisten in die Cottbuser Ausbildung wird als Beleg für die gute Arbeit von Wollitz gewertet.
Der Blick auf den Saisonauftakt
Die erste echte Standortbestimmung findet am kommenden Sonntag statt, wenn Hannover 96 im heimischen Leag Energie Stadion gastiert. Die Spielstätte wurde im Sommer mit finanzieller Unterstützung des Landes Brandenburg zweitligatauglich gemacht. Während sportlich noch einige Fragen offen sind, ist die emotionale Vorfreude in der Region bereits jetzt greifbar. Die Verantwortlichen hoffen, dass die Mannschaft trotz der schwierigen Vorbereitung rechtzeitig in die Spur findet, um den Klassenerhalt als Aufsteiger realisieren zu können.