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EM-Gold-Gewinner Amanal Petros: "Es war eine sehr, sehr lange Reise"
Sport · 22.08.2026 10:19

EM-Gold-Gewinner Amanal Petros: "Es war eine sehr, sehr lange Reise"

Kurz: Marathon-Europameister Amanal Petros spricht über seinen Gold-Triumph in Birmingham, die harte Vorbereitung und seine weiteren sportlichen Ziele.

Ein historischer Erfolg in Birmingham

Der deutsche Marathonläufer Amanal Petros hat bei den Leichtathletik-Europameisterschaften 2026 in Birmingham die Goldmedaille gewonnen und damit einen bedeutenden Meilenstein in seiner sportlichen Karriere erreicht. Nachdem er bei der Weltmeisterschaft in Tokio noch knapp am obersten Treppchen vorbeigeschrammt war und dort Silber errang, konnte er nun bei der EM in Birmingham seine Favoritenrolle eindrucksvoll unter Beweis stellen. Der für Hannover 96 startende Athlet beschreibt den Gewinn des EM-Titels als eine riesengroße Erleichterung. Für ihn markiert dieser Erfolg das Ende einer sehr langen Reise, die ihn sprichwörtlich von Kenia bis nach Birmingham geführt hat. Der Marathonlauf, so Petros, sei eine tückische Disziplin, bei der trotz monatelanger, akribischer Vorbereitung am Wettkampftag alles zusammenpassen muss. Dass er nun die Ziellinie als Sieger überqueren konnte, empfindet er als eine besondere Genugtuung, die für die Entbehrungen der vorangegangenen Monate entschädigt. Der Triumph in Birmingham festigt seinen Status als einer der führenden Langstreckenläufer Europas und unterstreicht seine kontinuierliche Leistungsentwicklung auf internationalem Parkett.

Die Härte des Marathon-Alltags

Im Gespräch erläutert der Athlet, warum die Vorbereitung auf einen Marathon als besonders „fies“ bezeichnet werden kann. Der Trainingsaufwand erstreckt sich über einen Zeitraum von mehr als zwei bis drei Monaten, in denen der Sportler täglich gefordert ist. Oftmals absolviert Petros zwei Trainingseinheiten pro Tag, wobei er ein wöchentliches Pensum von über 190 bis 200 Kilometern bewältigt. Das Leben eines Marathon-Profis besteht in dieser Phase fast ausschließlich aus einer strikten Routine: Trainieren, Essen und Schlafen. Diese Monotonie erfordert eine enorme mentale Stärke, da der Erfolg keineswegs garantiert ist. Ein kleiner Fehler oder eine körperliche Schwäche am Wettkampftag kann die monatelange Arbeit zunichtemachen. In Birmingham kam eine physisch extrem anspruchsvolle Strecke hinzu, die Petros als die schwierigste bezeichnete, die er jemals bewältigen musste. Das ständige Wechselspiel zwischen Bergauf- und Bergabpassagen forderte den Läufer über die gesamte Distanz von 42 Kilometern. Als er schließlich die Ziellinie sah, war die Erleichterung so groß, dass er die letzten Meter nutzte, um das Tempo zu drosseln und die Atmosphäre zu genießen.

Rückblick auf den Weg zum Gold

Der Weg zum Europameistertitel war geprägt von der Erfahrung aus vergangenen Wettkämpfen. Besonders die Weltmeisterschaft in Tokio im Vorjahr spielt in der Aufarbeitung des Athleten eine zentrale Rolle. Damals verpasste er Gold nur hauchdünn und wurde Zweiter. Petros analysierte diesen Wettkampf akribisch und identifizierte einen entscheidenden Fehler: Er hatte dem späteren Sieger seine Schwäche offenbart und sich kurz vor dem Ziel umgedreht, was ihm wertvolle Konzentration und Sekunden kostete. Diese Lektion hat er gelernt und sich geschworen, einen solchen Fehler nie wieder zu begehen. Diese Enttäuschung diente ihm als zusätzliche Motivation für die Vorbereitung auf die Europameisterschaft. Sein erklärtes Ziel war es von langer Hand, den Europameistertitel zu erringen. Dass er diesen Traum nun verwirklichen konnte, ist das Ergebnis einer konsequenten Weiterentwicklung und der Fähigkeit, aus Niederlagen die richtigen Schlüsse für den nächsten Schritt zu ziehen. Der Erfolg in Birmingham ist somit das Resultat einer langjährigen, disziplinierten Entwicklung.

Die Rolle des Umfelds und der Familie

Neben der sportlichen Leistung spielt das soziale Umfeld für Amanal Petros eine tragende Rolle. Eine besonders emotionale Verbindung besteht zu seiner Mutter, die in Äthiopien lebt. Um ihr die Teilhabe an seinen sportlichen Erfolgen zu ermöglichen, hat er ihr eigens einen Fernseher gekauft, damit sie seine Wettkämpfe verfolgen kann. Der Moment nach dem Zieleinlauf in Birmingham, als er direkt mit seiner Mutter telefonieren konnte, war für den Athleten das schönste Erlebnis des Tages. Auch in seiner Wahlheimat Hannover fühlt sich Petros zunehmend verwurzelt. Obwohl er erst kürzlich offiziell dorthin zieht, ist er bereits seit 2022 und 2023 regelmäßig in der Stadt präsent und hat dort einen festen Freundeskreis gefunden. Die Entspannung am Maschsee ist für ihn ein wichtiger Ausgleich zum harten Trainingsalltag. Diese Verbundenheit zu seinen Freunden und seiner Familie bildet das Fundament, auf dem er seine sportlichen Höchstleistungen aufbauen kann, und bietet ihm den notwendigen Rückhalt, um auch in schwierigen Phasen der Vorbereitung fokussiert zu bleiben.

Einordnung der sportlichen Bedeutung

Einzuordnen ist der Sieg in Birmingham als Bestätigung für die deutsche Leichtathletik, die in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Dichte an Erfolgen im Langstreckenbereich verzeichnen konnte. Den Berichten zufolge ist Petros nicht nur ein herausragender Einzelathlet, sondern auch ein wichtiger Bestandteil des deutschen Teams, das bei der EM in Birmingham ebenfalls Silber gewinnen konnte. Die Tatsache, dass Petros nun Gold hält, ist laut seiner eigenen Einschätzung zwar eine Stufe unter dem WM-Titel anzusiedeln, doch für seine persönliche Entwicklung und seine Zielsetzung war dieser Sieg essenziell. Die kontinuierliche Steigerung, die Petros in den letzten Jahren gezeigt hat – von Rekordjagden in London bis hin zum nun errungenen EM-Gold –, zeigt, dass er zur absoluten Weltspitze aufgeschlossen hat. Die sportliche Fachwelt sieht in ihm einen Athleten, der durch taktische Reife und physische Härte überzeugt. Sein Erfolg ist ein Indikator für die Professionalisierung im deutschen Langstreckenlauf, bei der akribische Trainingsplanung und mentale Stärke Hand in Hand gehen.

Die nächsten Schritte und offene Fragen

Wie es weitergeht, ist bereits konkret geplant: Nach einer kurzen Phase der Regeneration und dem Genießen des Erfolges mit Freunden beginnt in etwa zwei Wochen die Vorbereitung auf den Frankfurt-Marathon, der für Ende Oktober angesetzt ist. Petros verfolgt dabei ein langfristiges, ambitioniertes Ziel: Er möchte den Europarekord im Marathon brechen, ein Traum, den er bereits seit einigen Jahren hegt. Sollte dies in Frankfurt nicht gelingen, plant er, diesen Versuch im kommenden Jahr zu wiederholen. Dennoch bleibt die Gesundheit des Körpers seine oberste Priorität. Offen bleibt, wie sich die Konkurrenz bei den kommenden Großereignissen entwickeln wird und ob Petros seine taktische Reife bei einem weiteren internationalen Großevent erneut unter Beweis stellen kann. Auch die Frage, ob er den Europarekord in der nahen Zukunft tatsächlich knacken kann, bleibt ein spannender Aspekt, der die weitere Karriere des Hannover-96-Athleten begleiten wird. Die kommenden Monate werden zeigen, ob er die Form aus Birmingham konservieren kann, um seine nächsten sportlichen Meilensteine zu erreichen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/stadionfeier-mit-bunten-ballons-in-der-abenddammerung-34691108/ · Foto: Furkan Parakat
Quelle: https://www.sportschau.de/regional/ndr/em-gold-gewinner-amanal-petros-es-war-eine-sehr-sehr-lange-reise,petros-154.html