News aus aller Welt
Start
Eklat in Grenoble: Der linke Hass auf die queere Kultfigur Barbara Butch
Kultur · 30.07.2026 13:53

Eklat in Grenoble: Der linke Hass auf die queere Kultfigur Barbara Butch

Kurz: Ein gewaltsamer Abbruch eines DJ-Auftritts in Grenoble wirft ein Schlaglicht auf den zunehmenden Antisemitismus innerhalb der französischen Linkspartei LFI.

Ein gewaltsamer Eklat in Grenoble

Ein Auftritt der bekannten französischen DJ Barbara Butch in Grenoble endete Mitte Juli in einem Eklat. Vor rund fünftausend Zuschauern wurde die 45-jährige Musikerin von einer Gruppe von etwa hundert Demonstranten massiv bedrängt. Die Protestierenden, angeführt vom lokalen Vorsitzenden der linksextremen Partei La France insoumise (LFI), störten das Konzert mit Trillerpfeifen, beleidigenden Gesten und schließlich dem Werfen von Gegenständen. Nach nur zwanzig Minuten musste die Künstlerin unter Polizeischutz von der Bühne gebracht werden.

Die Angreifer warfen Butch „Pinkwashing“ vor. Sie unterstellten der queeren Künstlerin, durch ihre öffentliche Präsenz Sympathien für den Staat Israel zu wecken. Als konkrete Anlässe dienten den Kritikern die Unterzeichnung eines umstrittenen Gesetzesentwurfs gegen Antisemitismus sowie ein angeblicher Auftritt bei der Tel Aviv Pride 2025. Letzterer fand jedoch nach Angaben der Künstlerin gar nicht statt; sie war lediglich bei einer privaten Veranstaltung in der Residenz des französischen Botschafters zu Gast.

Öffentliche Anfeindungen und juristische Konsequenzen

Barbara Butch hat nach dem Vorfall in Grenoble Anzeige erstattet. Die Vorwürfe umfassen unter anderem öffentliche Anstachelung zu Hass und Gewalt, Diffamierung sowie die Beeinträchtigung der künstlerischen Freiheit. Die Künstlerin, die bereits nach ihrem Auftritt bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2024 Ziel von Anfeindungen war, sieht sich zunehmend einer organisierten Kampagne ausgesetzt.

Besonders alarmierend sind die antisemitischen Untertöne der Angriffe. Ein vor Ort verteiltes Flugblatt zeigte Butch blutverschmiert vor einer Regenbogenfahne, die mit einem Davidstern kombiniert war. Während des Auftritts fielen zudem Schmährufe wie „dreckige Zionistin“. Mehr als dreihundert Unterzeichner einer Solidaritätserklärung in der Zeitung „Libération“ verurteilten die Gewalt scharf und wiesen das Vorurteil zurück, Juden seien einem fremden Staat untertan.

Die Rolle der Partei La France insoumise

Beobachter sehen in den Vorfällen ein systemisches Problem innerhalb der Partei La France insoumise (LFI). Seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 steht die Partei in der Kritik, weil sie sich weigerte, die Taten als Terroranschläge einzustufen. Stattdessen bemühten sich Vertreter der LFI, die Ereignisse in den Kontext der israelischen Besatzungspolitik zu setzen.

Der Parteivorsitzende Jean-Luc Mélenchon steht im Zentrum der Debatte. Ihm wird vorgeworfen, den Nahostkonflikt gezielt nach Frankreich zu importieren, um Wählerstimmen in muslimisch geprägten Banlieues zu gewinnen. Mélenchon nutzt dabei laut Berichten historisch aufgeladene Chiffren, die an klassische antisemitische Narrative erinnern. Durch Vergleiche oder provokante Aussagen über jüdische Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens riskiert er eine weitere Radikalisierung des politischen Diskurses.

Politische Folgen und gesellschaftliche Stimmung

Die Strategie der LFI scheint kurzfristig aufzugehen: Bei den EU-Wahlen 2024 konnte die Partei ihren Stimmenanteil deutlich steigern. Mélenchon arbeitet darauf hin, sich für die nächste Präsidentschaftswahl als feste Größe gegen das rechtsextreme Rassemblement National (RN) zu positionieren. Dabei nimmt er in Kauf, dass die Grenzen zwischen legitimer Kritik an der israelischen Regierung und offenem Antisemitismus zunehmend verschwimmen.

Aktuelle Berichte der Nationalen Beratenden Kommission für Menschenrechte zeigen ein besorgniserregendes Bild: Der Grad an antisemitischen Vorurteilen innerhalb der LFI-Anhängerschaft hat seit 2023 zugenommen und liegt mittlerweile nahezu gleichauf mit dem des rechtsextremen Lagers. Kritiker wie die Zeitung „Le Monde“ werfen Mélenchon daher vor, durch sein Verhalten unfreiwillig zum „nützlichen Idioten“ der Rechtsextremen zu werden, da er diesen helfe, sich vom eigenen antisemitischen Erbe reinzuwaschen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/gebaude-geschichte-museum-struktur-6986295/ · Foto: Akheel Ahamed
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/eklat-um-barbara-butch-der-linke-judenhass-in-frankreich-accg-201072242.html