News aus aller Welt
Start
Droht der nächste Ölpreis-Schock?
Schlagzeilen · 12.09.2026 19:31

Droht der nächste Ölpreis-Schock?

Kurz: Saudi-Arabien steht unter massivem Druck: Angriffe auf eine wichtige Öl-Pipeline und die Bedrohung der Meerenge Bab al-Mandab lassen die Ölpreise weltweit steig

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Die globale Energieversorgung ist durch eine neue Eskalationswelle in Saudi-Arabien in akute Gefahr geraten. Der weltweit bedeutendste Ölexporteur sieht sich derzeit mit einer gefährlichen Kombination aus militärischen Angriffen auf seine kritische Infrastruktur und einer strategischen Bedrohung seiner wichtigsten Handelsrouten konfrontiert. Seit dem Ausbruch des Konflikts zwischen den USA und dem Iran Ende Februar ist die Sicherheit der globalen Energieversorgung massiv beeinträchtigt. Nachdem bereits die Straße von Hormus für Handelsschiffe faktisch unpassierbar geworden ist, hat sich der Fokus der Bedrohung nun auf die Meerenge Bab al-Mandab sowie auf die essenzielle Ost-West-Pipeline des Königreichs verlagert. Die jüngsten Drohnenangriffe auf saudische Pumpstationen haben das Land gezwungen, den Betrieb dieser Pipeline als Vorsichtsmaßnahme einzustellen. Diese Entwicklungen führen zu einer erheblichen Verknappung des Angebots auf dem Weltmarkt, was die Ölpreise bereits spürbar in die Höhe getrieben hat. Experten warnen vor einem weiteren Anstieg, der direkte Auswirkungen auf die Verbraucher in Deutschland haben könnte, wo die Spritpreise bereits Rekordwerte erreicht haben. Die internationale Gemeinschaft blickt nun besorgt auf die diplomatischen Bemühungen, um eine weitere Eskalation zu verhindern.

Die Einzelheiten der aktuellen Krise

Saudi-Arabien, das mit einer Fördermenge von rund zehn Millionen Barrel Öl pro Tag den zweitgrößten Produzenten der Welt darstellt, befindet sich in einer prekären Lage. Da das Land täglich etwa sieben Millionen Barrel exportiert, ist es das Rückgrat des globalen Ölhandels. Die Ost-West-Pipeline, die sich über mehr als 1.200 Kilometer vom Persischen Golf bis zur Küste des Roten Meeres erstreckt, ist dabei ein zentrales Instrument. Über diese Röhren können täglich bis zu sieben Millionen Barrel (ein Barrel entspricht 159 Litern) gepumpt werden. Nach Berichten von US-Medien wie dem Wall Street Journal und CNN, die sich auf Satellitenbilder stützen, wurden bei den jüngsten Angriffen gezielt Pumpstationen getroffen, was zu Bränden führte. Parallel dazu bedrohen Huthi-Rebellen aus dem Jemen die Meerenge Bab al-Mandab, die an ihrer engsten Stelle lediglich 20 Kilometer misst. Diese Route ist für den Transport Richtung Asien und Europa über den Suez-Kanal unverzichtbar geworden, nachdem die Straße von Hormus aufgrund des Iran-Krieges ausfiel. Die Internationale Energieagentur stellte fest, dass sich die saudischen Exporte über den Endhafen am Roten Meer seit Kriegsbeginn mehr als verdoppelt haben. Nun ist jedoch auch dieser Ausweichweg durch die Huthi-Bedrohung und die Pipeline-Stilllegung gefährdet.

Hintergrund der Eskalation

Der aktuelle Druck auf Saudi-Arabien ist das Resultat einer langjährigen, sich stetig verschärfenden geopolitischen Instabilität in der Region. Seit Ende Februar herrscht ein offener Krieg zwischen den USA und dem Iran, was die Sicherheitslage am Persischen Golf grundlegend verändert hat. Vor diesem Konflikt verliefen etwa 20 Prozent des weltweiten Energiehandels über die Straße von Hormus, die nun als unsicher gilt. Saudi-Arabien war gezwungen, seine Logistikketten komplett umzustellen, um den Export aufrechtzuerhalten. Die nun ins Visier geratene Ost-West-Pipeline war dabei das zentrale Element dieser Umstellung. Die Angriffe auf diese Infrastruktur sind jedoch kein isoliertes Ereignis, sondern fügen sich in eine Reihe von Provokationen ein. Der Iran wird von Saudi-Arabien beschuldigt, hinter den Drohnenangriffen zu stecken, die von irakischem Boden aus gestartet wurden. Während die irakische Regierung die Angriffe offiziell verurteilt und Untersuchungen eingeleitet hat, bleibt die diplomatische Situation festgefahren. Gespräche über eine Waffenruhe zwischen den Konfliktparteien sind bisher ohne greifbare Ergebnisse geblieben, was den Druck auf die saudische Führung stetig erhöht und den Spielraum für eine friedliche Lösung einengt.

Die Beteiligten in der Region

Die Akteure in diesem Konflikt sind vielfältig und ihre Interessen oft widersprüchlich. Auf saudischer Seite steht Kronprinz Mohammed bin Salman, der sich in einer schwierigen Lage befindet und laut Berichten bereits um militärische Unterstützung bei den USA nachgesucht hat. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat ein direktes militärisches Eingreifen bisher abgelehnt, verspricht jedoch nachrichtendienstliche Unterstützung. Trump selbst bezeichnete bin Salman als „Freund“ und betonte, man habe sogar direkten Kontakt zur Huthi-Miliz aufgenommen. Die Huthi-Rebellen, die von Iran unterstützt werden, agieren laut der Jemen-Expertin Nadwa Dausari jedoch mit einer gewissen Eigenständigkeit, auch wenn der Iran versucht, sie als Verhandlungsmasse zu instrumentalisieren. Der iranische Präsident Massud Peseschkian wiederum weist eine direkte Kriegsbeteiligung gegen Saudi-Arabien von sich und betont die Unabhängigkeit der Huthi. In Deutschland äußern sich Experten wie der Sicherheitsexperte Moritz Brake, der vor den Folgen für die heimische Wirtschaft warnt, während Politiker wie Ines Schwerdtner, Chefin der Linkspartei, die Ölkonzerne und die ausbleibenden staatlichen Maßnahmen scharf kritisieren.

Einordnung der Marktsituation

Einzuordnen ist die aktuelle Lage als eine hochvolatile Phase für die Weltwirtschaft. Analysten wie Hamad Hussain von der Beratungsfirma Capital Economics gehen davon aus, dass der Ölpreis bei einem längeren Ausfall der Pipeline und einer Blockade der Meerenge Bab al-Mandab in Richtung 120 US-Dollar pro Barrel steigen könnte. Den Berichten zufolge liegt der Preis für die Referenzsorte Brent aktuell bei fast 110 US-Dollar, was einen deutlichen Anstieg gegenüber den 70 Dollar im Februar bedeutet. Dennoch bleibt man noch unter dem Jahreshoch von 126 Dollar. Die Bedeutung der Meerenge Bab al-Mandab für den globalen Handel kann kaum überschätzt werden; das Institut für Kriegsstudien (ISW) warnt, dass ein sicherer Korridor für Schiffe kaum zu etablieren wäre, sollten die Huthi die Kontrolle über die Meerenge festigen. Die Situation bedeutet für die Weltmärkte eine massive Unsicherheit, da die Abhängigkeit von wenigen, geografisch eng begrenzten Nadelöhren für den Öltransport das Risiko für plötzliche Preissprünge bei jeder militärischen Eskalation massiv erhöht.

Offene Fragen zur Krise

Der vorliegende Quelltext lässt eine Reihe von zentralen Fragen unbeantwortet, die für das Verständnis der weiteren Entwicklung entscheidend wären. So bleibt völlig unklar, wie schwerwiegend die Schäden an den Pumpstationen der Ost-West-Pipeline tatsächlich sind und welcher Zeitraum für eine vollständige Reparatur veranschlagt wird. Auch die genaue Identität der Angreifer, die die Drohnen vom Irak aus steuerten, ist Gegenstand laufender Untersuchungen, ohne dass bisher belastbare Beweise vorliegen. Ebenso wenig ist geklärt, wie die Huthi-Rebellen ihre Drohungen gegen die Schifffahrt in der Meerenge Bab al-Mandab konkret operativ umsetzen wollen und ob sie über die militärischen Kapazitäten verfügen, eine dauerhafte Blockade aufrechtzuerhalten. Es bleibt zudem offen, wie die USA reagieren würden, sollte die Situation in der Meerenge weiter eskalieren und die globale Versorgungssicherheit noch stärker gefährden. Auch die Details der „Gespräche“ zwischen der US-Regierung und den Huthi-Rebellen bleiben im Dunkeln, da hierzu keine weiteren Informationen über den Inhalt oder die Absichten der Beteiligten vorliegen.

Wie es weitergeht

Die kommenden Tage könnten entscheidend für die weitere Entwicklung der Ölpreise und die Stabilität in der Region sein. Für den kommenden Montag ist ein Krisentreffen im Oman angesetzt, bei dem Vertreter der Golfstaaten und des Iran über die Zukunft der Schifffahrt in der Straße von Hormus beraten wollen. Der iranische Präsident Peseschkian hat bereits die Absicht geäußert, ein Abkommen über neue Schiffsrouten zu unterzeichnen, das anschließend der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation vorgelegt werden soll. Ob dieses Treffen jedoch auch die Angriffe auf die saudische Infrastruktur und die Bedrohung durch die Huthi-Miliz adressieren kann, bleibt abzuwarten. Saudi-Arabien hat angekündigt, vorerst von Vergeltungsmaßnahmen abzusehen, um der irakischen Regierung Zeit für eigene Ermittlungen zu geben. Dieser diplomatische Spielraum ist jedoch zeitlich begrenzt. Sollten die diplomatischen Bemühungen im Oman scheitern oder die Angriffe auf die Pipeline anhalten, droht eine weitere Verschärfung der Krise, die die Preise an den Tankstellen in Deutschland und weltweit weiter in die Höhe treiben dürfte.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/sommer-wald-industrie-baume-18784617/ · Foto: Wolfgang Weiser
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/asien/saudi-arabien-oel-exporte-angriffe-100.html