Ambitionierte Ziele für das DLV-Team in Birmingham
Bei der Leichtathletik-Europameisterschaft 2026 in Birmingham schickt der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) ein 115-köpfiges Aufgebot ins Rennen. Nach einer Saison mit zahlreichen starken Leistungen in der Breite und Spitze blickt das Team optimistisch auf die anstehenden Wettkämpfe. ARD-Leichtathletik-Experte Frank Busemann sieht insbesondere in den Sprintdisziplinen und den Staffeln gute Chancen auf Edelmetall.
Fokus Sprint: Zwischen Hoffnung und harter Konkurrenz
Über 100 Meter der Männer steht Owen Ansah im Fokus. Nach seinen jüngsten Leistungen auf internationalem Parkett ist der Endlauf für ihn das erklärte Ziel. Eine Medaille wäre angesichts der starken Konkurrenz, angeführt vom Italiener Marcell Jacobs, jedoch eine Überraschung. Die weiteren deutschen Starter Heiko Gussmann und Yannick Wolf müssen bereits in den Vorläufen ihre Bestform abrufen, um international bestehen zu können.
Bei den Frauen ist die Situation nach den deutschen Meisterschaften offen. Jolina Ernst sicherte sich den Titel, während etablierte Läuferinnen wie Gina Lückenkemper und Rebekka Haase mit unterschiedlichen Voraussetzungen antreten. Lückenkemper kämpfte zuletzt mit den Folgen eines Zeckenbisses, während Haase in Topform agiert. Der Einzug in den Endlauf bleibt für beide das primäre Ziel, während die Konkurrenz aus Großbritannien, Polen und der Schweiz das Podium unter sich ausmachen dürfte.
200 und 400 Meter: Junge Talente und bewährte Kräfte
Über die 200 Meter der Männer gilt der Brite Zharnel Hughes als Favorit. Owen Ansah kann sich nach seiner neuen Bestleistung Hoffnungen auf eine vordere Platzierung machen. Bei den Frauen könnte die erst 19-jährige Judith Bilepo Mokobe für eine Überraschung sorgen, sofern sie ihre Form aus Wattenscheid bestätigt.
Auf der 400-Meter-Strecke der Männer ist der Brite Matthew Hudson-Smith der Athlet, den es zu schlagen gilt. Jean Paul Bredau geht nach einer deutlichen Steigerung seiner Bestzeit mit Ambitionen an den Start. Bei den Frauen steht die junge Johanna Martin im Fokus, die zwar noch nicht die Zeiten der europäischen Spitzenläuferinnen erreicht, jedoch wertvolle Erfahrungen sammeln soll.
Hoffnungsträger Staffelwettbewerbe
Die 4x100-Meter-Staffel der Männer hat sich nach einem deutschen Rekord bei den World Relays in Botswana in den Kreis der Favoriten gelaufen. Das Ziel ist klar: Gold. Allerdings hängt viel von der Nervenstärke und der Qualität der Wechsel ab. Auch die Frauenstaffel, die in den vergangenen Jahren konstant Medaillen gesammelt hat, peilt trotz personeller Veränderungen vordere Plätze an.
Eine Premiere feiert die Mixed-Staffel über 4x100 Meter. Das deutsche Quartett geht als Europarekordler ins Rennen, muss jedoch die 40-Sekunden-Schallmauer unterbieten, um im Kampf um Gold bestehen zu können. Auf die 4x400-Meter-Mixed-Staffel verzichtet der DLV in Birmingham hingegen.
Hürdenläufe: Taktik und Nervenstärke gefragt
Über 110 Meter Hürden der Männer gibt es keinen klaren Favoriten, was Gregory Minoue dazu zwingt, von Beginn an hochkonzentriert zu agieren. Bei den Frauen über 100 Meter Hürden hat Franziska Schuster mit ihrem Meisterschaftsrekord ein Ausrufezeichen gesetzt. Nun gilt es, diesen Lauf ohne zu großen Erwartungsdruck zu wiederholen.
Die 400 Meter Hürden der Männer könnten ein Erfolg für den DLV werden. Emil Agyekum und Owe Fischer-Breiholz haben sich als starke Konkurrenten für den dominierenden Norweger Karsten Warholm etabliert. Bei den Frauen ist die Slowakin Emma Zapletalova die Favoritin, während Eileen Demes auf den Finaleinzug hofft.