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Deutliche EU-Kritik an Spanien - EU-Innenminister beraten über Ceuta-Krise
Schlagzeilen · 01.08.2026 18:17

Deutliche EU-Kritik an Spanien - EU-Innenminister beraten über Ceuta-Krise

Kurz: Nach dem massiven Ansturm auf die Exklave Ceuta wächst der Druck auf Spanien. EU-Innenminister beraten nun über die Krise und eine koordinierte Reaktion.

Dringlichkeitssitzung nach Grenzsturm

Die Ereignisse in der spanischen Exklave Ceuta haben innerhalb der Europäischen Union eine politische Debatte ausgelöst. Nachdem in den vergangenen Tagen Zehntausende Menschen die Grenze zu dem nordafrikanischen Gebiet überquert hatten, hat die irische EU-Ratspräsidentschaft für den kommenden Dienstag eine Dringlichkeitssitzung der EU-Innenminister einberufen. Ziel der Videokonferenz ist es, die aktuelle Lage zu bewerten und eine koordinierte europäische Antwort auf die Geschehnisse zu finden.

Kritik von 22 Mitgliedsstaaten

Der Einberufung vorausgegangen war ein offener Brief von 22 EU-Mitgliedstaaten an hochrangige EU-Vertreter, darunter Ratspräsident António Costa und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die Unterzeichner, zu denen unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz zählt, fordern ein entschlossenes Vorgehen. Initiiert wurde das Schreiben von der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und der dänischen Regierungschefin Mette Frederiksen.

In dem Schreiben wird die Sorge geäußert, dass unkontrollierte Grenzübertritte und die Instrumentalisierung von Migration den Eindruck erwecken könnten, eine illegale Einreise in die EU sei möglich. Die Unterzeichner betonen, dass solche hybriden Bedrohungen abgewehrt werden müssen. Nicht unterzeichnet haben neben Spanien selbst auch Irland, Frankreich, Luxemburg und Portugal.

Spannungen zwischen Madrid und europäischen Partnern

Die spanische Regierung sieht sich mit massiven Vorwürfen konfrontiert. Italien hat als Reaktion auf die Krise das Schengen-Abkommen gegenüber Spanien vorübergehend ausgesetzt, während Frankreich die Kontrollen an der gemeinsamen Grenze verschärft hat. Bundeskanzler Merz drängte Madrid dazu, die Situation umgehend unter Kontrolle zu bringen.

Ein zentraler Kritikpunkt der 22 Staaten betrifft die Migrationspolitik Spaniens. Die Unterzeichner werfen Madrid indirekt vor, durch die Legalisierung von rund 500.000 irregulären Migranten – eine Maßnahme gegen den Arbeitskräftemangel – falsche Anreize gesetzt zu haben. Spanien weist diese Kritik entschieden zurück. Regierungschef Pedro Sánchez bezeichnete die Haltung einiger Partnerstaaten als egoistisch und rechtswidrig, motiviert durch Vorurteile und politische Interessen.

Rechtliche Hürden und der Kontext der Krise

Ein weiterer Streitpunkt ist ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs. Dieses besagt, dass eine sofortige Zurückweisung von Migranten nur dann zulässig ist, wenn diese physische Sperren wie Zäune überwinden. Bei Ankünften über unbefestigte Abschnitte, etwa über das Meer, sei hingegen eine Einzelfallprüfung zwingend erforderlich. Der Brief der 22 Staaten legt nahe, dass dieses Urteil instrumentalisiert wurde, um das europäische Asylsystem unter Druck zu setzen.

Die Situation in Ceuta ist besonders brisant, da die EU erst vor wenigen Wochen eine umfassende Asylreform (GEAS) verabschiedet hat, die genau solche Szenarien durch mehr Solidarität und Zusammenarbeit verhindern sollte. Inzwischen sind nach Angaben aus Madrid nahezu alle der mindestens 50.000 irregulär eingereisten Personen nach Marokko zurückgekehrt. Dennoch bleibt die Unruhe in Brüssel groß, da bei dem Ansturm nach Berichten mindestens 67 Menschen ihr Leben verloren haben.

Ausblick auf die nächsten Schritte

Die anstehende Videokonferenz soll klären, wie die EU künftig mit derartigen Grenzsituationen umgeht. Während Spanien auf eine Verteidigung seiner nationalen Souveränität und Migrationspolitik setzt, fordern andere Mitgliedstaaten eine striktere europäische Linie. Ob die bestehenden Mechanismen der EU-Asylreform ausreichen oder ob weitere politische Anpassungen notwendig sind, wird zentrales Thema der Beratungen sein.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-eu-redner-apropos-6950143/ · Foto: Werner Pfennig
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ceuta-migration-spanien-104.html