Ein Wechselbad der Gefühle in Nizza
Die Stimmung bei der Tour de France Femmes ist derzeit von einem starken Kontrast geprägt. Während die Fans an der Strecke für eine ausgelassene Atmosphäre sorgen, herrscht in der Mixed Zone eine deutlich kühlere Stimmung. Die achte und vorletzte Etappe in Nizza markierte einen Wendepunkt im Kampf um den Gesamtsieg: Demi Vollering, die am Vortag am Mont Ventoux noch eine herbe Enttäuschung hinnehmen musste, sicherte sich den Tagessieg und eroberte damit das begehrte Gelbe Trikot.
Für die Niederländerin ist dies ein emotionaler Erfolg. Nachdem sie am Mont Ventoux nicht wie erhofft triumphieren konnte, gelang ihr in Nizza eine beeindruckende Aufholjagd. Mit nun acht Sekunden Vorsprung auf ihre schärfste Konkurrentin Kasia Niewiadoma geht sie in das Finale. Vollering beschrieb den Moment als Erfüllung eines Traums und betonte, dass sie sich bereits im Januar intensiv mit der Strecke in Nizza befasst habe, was ihr nun den entscheidenden Vorteil verschafft habe.
Vom Blumenverkauf zum Radsport-Star
Der Aufstieg von Demi Vollering ist bemerkenswert. Vor etwa einer Dekade entdeckte sie am Mont Ventoux ihr Talent für den Radsport. Nach einer Zeit als Blumenverkäuferin unterschrieb sie 2019 ihren ersten Profivertrag. Seitdem hat die ehemalige Eisschnellläuferin eine beeindruckende Karriere hingelegt, die Siege bei Monumenten wie Lüttich-Bastogne-Lüttich sowie den Gesamtsieg bei der Tour de France Femmes 2023 und dem Giro d’Italia 2026 umfasst.
Schwere Vorwürfe nach dem Finale
Der sportliche Triumph von Vollering wird jedoch von einer Kontroverse überschattet. Kasia Niewiadoma, die bis zur achten Etappe das Gelbe Trikot trug, äußerte sich nach dem Rennen äußerst kritisch. Sie warf Célia Gery, einer Teamkollegin von Vollering, vor, sie bei einer Attacke knapp fünf Kilometer vor dem Ziel absichtlich in die Barrieren gedrängt zu haben. Niewiadoma zeigte sich tief enttäuscht und erklärte, sie habe jeglichen Respekt vor dem gegnerischen Team verloren.
Die TV-Bilder des Rennens liefern bisher keine eindeutige Bestätigung für diese Vorwürfe, entlasten das Team FDJ-United-Suez jedoch ebenso wenig. Die Situation bleibt somit ein Streitpunkt zwischen den Beteiligten.
Vollerings Reaktion und der Blick nach vorn
Demi Vollering nahm ihre Teamkollegin Célia Gery in Schutz. Sie gab an, von dem Vorfall nichts mitbekommen zu haben und betonte, dass Gery lediglich einen starken Leadout gefahren sei. Sie zeigte sich überzeugt, dass es keine Absicht gegeben habe und solche Situationen im Radsport gelegentlich vorkommen können.
Für Vollering steht nun das große Finale bevor. Mit der Erinnerung an die knappe Niederlage im Vorjahr, als sie die Tour um lediglich vier Sekunden verlor, ist ihre Motivation groß. Sie betonte, alles geben zu wollen, um das Gelbe Trikot zu verteidigen. Die Entscheidung fällt auf einem anspruchsvollen Stadtkurs durch Nizza, der unter anderem über den Col d’Eze führt. Niewiadoma dürfte nach den Ereignissen des Vortages hochmotiviert in das letzte Rennen starten, um den Rückstand von acht Sekunden noch aufzuholen.