Ermittlungsstand nach dem CSD-Anschlag
Im Zuge der Aufarbeitung des Anschlags beim Berliner Christopher Street Day (CSD) gibt es eine wichtige Entwicklung: Ein zweiter Mann, der vorläufig festgenommen worden war, befindet sich wieder auf freiem Fuß. Wie die Bundesanwaltschaft mitteilte, hat sich der Verdacht einer Tatbeteiligung nicht erhärtet. Berichten zufolge konnten Zeugenaussagen den Mann entlasten, da er sich von dem weißen Transporter entfernt hatte, den der Haupttäter am Samstagabend in die Menschenmenge gesteuert hatte.
Der mutmaßliche Attentäter selbst ist verstorben. Er wurde am Vorabend des Berichts bei einem Polizeieinsatz in einer Kleingartenanlage im Berliner Stadtteil Spandau lokalisiert. Bei dem Versuch der Festnahme lief der Mann den Einsatzkräften mit einer Stichwaffe entgegen, woraufhin das Berliner Spezialeinsatzkommando (SEK) von der Schusswaffe Gebrauch machte. Der 21-Jährige verstarb noch am Ort des Geschehens.
Hintergrund zum Täter und zur Tat
Bundesinnenminister Dobrindt ordnet das Geschehen als islamistischen Terroranschlag ein. Der getötete Täter, ein im Jahr 2005 in Deutschland geborener deutscher Staatsbürger mit libanesischen Wurzeln, war den Sicherheitsbehörden bereits bekannt. Laut Generalstaatsanwaltschaft war er im November 2025 am Flughafen BER festgenommen worden, nachdem er versucht hatte, sich der Terrororganisation IS in Syrien anzuschließen.
Im Mai 2026 erfolgte eine Verurteilung durch ein Jugendschöffengericht zu einer Jugendstrafe von 22 Monaten, unter anderem wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Da die Generalstaatsanwaltschaft Berufung gegen das Urteil eingelegt hatte, um eine höhere Strafe zu erreichen, war das Urteil noch nicht rechtskräftig. Die Entscheidung über eine mögliche Bewährung war für sechs Monate zurückgestellt worden. Bundesinnenminister Dobrindt äußerte sich kritisch dazu, dass ein als Gefährder eingestufter Straftäter trotz seines Strafregisters nicht in Haft verblieb.
Der Angriff selbst forderte ein Todesopfer; 29 weitere Personen wurden teilweise schwerst verletzt. Nach der Tat mit dem Kastenwagen und der anschließenden Messerattacke wurde der CSD abgebrochen.
Politische Reaktionen und Sicherheitsdebatte
Bundeskanzler Merz verurteilte die Tat scharf und betonte den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Er rief dazu auf, sich durch den Terror nicht einschüchtern zu lassen. Ziel derartiger Anschläge sei es, die Gesellschaft zu spalten und die Freiheit der Bürger einzuschränken. Gemeinsam mit Bundesinnenminister Dobrindt und der Berliner Innensenatorin Spranger besuchte der Kanzler den Tatort im Tiergarten, um der Opfer zu gedenken.
Angesichts der Ereignisse forderte Dobrindt die Veranstalter von Großveranstaltungen dazu auf, ihre Sicherheitskonzepte grundlegend zu überprüfen. Angesichts anstehender CSD-Veranstaltungen und weiterer Großevents müsse geprüft werden, ob Sicherheitsmaßnahmen verschärft werden können. Zwar sei es unwahrscheinlich, doch könne die Gefahr von Nachahmern nicht vollständig ausgeschlossen werden. Die nächsten Schritte der Ermittlungsbehörden konzentrieren sich nun auf die lückenlose Aufarbeitung des Tathergangs und die Analyse der Radikalisierung des Täters.