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Cpon: Warum die Kabelnetzbranche einen neuen Glasfaserstandard schafft
Technik · 16.08.2026 12:54

Cpon: Warum die Kabelnetzbranche einen neuen Glasfaserstandard schafft

Kurz: Die Kabelnetzbranche entwickelt mit CPON einen neuen Glasfaserstandard, der 100 GBit/s ermöglicht und die Integration in bestehende Docsis-Strukturen erleichter

Die technologische Neuerung im Kabelnetzsektor

Die internationale Forschungsorganisation Cable Labs hat mit der Entwicklung von CPON, kurz für Coherent Passive Optical Network, einen bedeutenden Schritt in Richtung der nächsten Glasfaser-Generation vollzogen. Bei diesem neuen Standard handelt es sich um eine Technologie, die darauf ausgelegt ist, eine nutzbare Kapazität von 100 GBit/s auf einer einzigen Wellenlänge bereitzustellen. Die grundlegende Idee hinter diesem Vorhaben ist die Überwindung technischer Hürden, die beim schrittweisen Ersatz klassischer Koaxialkabelinfrastrukturen durch moderne Glasfaserleitungen bis in die Haushalte entstehen. Das Hauptziel der Entwickler besteht darin, Netzbetreibern eine Lösung an die Hand zu geben, mit der sie passive optische Netze (PON) steuern können, als handele es sich dabei um eine traditionelle Docsis-Infrastruktur. Dies verhindert die Notwendigkeit, zwei vollständig getrennte Steuerungs- und Abrechnungssysteme parallel betreiben zu müssen. CPON fungiert somit als essenzielle Schnittstelle, die den Übergang von alten Kupfer-basierten Systemen hin zu einer modernen Glasfaser-Architektur technisch harmonisiert und effizienter gestaltet.

Technische Details und Leistungsdaten

Der Kern von CPON liegt in der Anwendung kohärenter Optik, einer Technologie, die bisher primär in Kernnetzen und für Langstreckenverbindungen zum Einsatz kam. Im Gegensatz zur herkömmlichen Übertragung, bei der lediglich die Helligkeit des Lichts zur Datenkodierung genutzt wird, verwendet die kohärente Optik die Phase, die Amplitude sowie die Polarisation des Lichts für den Datentransport. Curtis Knittle, der als Vice President für Wired Technologies bei Cable Labs tätig ist, hebt hervor, dass diese Methode sowohl im Upstream als auch im Downstream angewendet wird. Dies führt zu einer signifikanten Verbesserung des Leistungsbudgets. Die technischen Vorteile sind dabei beachtlich: Die Reichweite der Netze kann sich durch den Einsatz dieser Technologie vervierfachen, während das sogenannte Split-Verhältnis, also die Aufteilung der Glasfaser auf verschiedene Endpunkte, um den Faktor 16 gesteigert werden kann. Neben dieser erhöhten Flexibilität und Reichweite steht die massive Steigerung der Spitzenkapazität auf 100 GBit/s im Fokus, was CPON zu einem leistungsstarken Werkzeug für zukünftige Breitbandanforderungen macht.

Der Hintergrund der Branchenentwicklung

Die Kabelnetzbranche befindet sich in einem fortlaufenden Transformationsprozess. Während der Ersatz von Koaxialkabeln durch Glasfaser vorangetrieben wird, ist die Branche laut Einschätzung von Experten wie Curtis Knittle noch weit davon entfernt, die etablierte Docsis-Technologie vollständig aufzugeben. Viele Netzbetreiber verfolgen derzeit eine hybride Strategie, bei der sowohl Docsis-basierte HFC-Netze als auch PON-Lösungen parallel zum Einsatz kommen. Cable Labs hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Mitgliedsunternehmen genau jene Werkzeuge bereitzustellen, die sie für den reibungslosen Betrieb dieser Dienste benötigen. Der aktuelle Standard Docsis 4.0 bietet bereits heute beachtliche Kapazitäten von 9 GBit/s im Downstream und 6 GBit/s im Upstream, was nach Ansicht von Branchenvertretern derzeit ausreicht, um den Breitbandbedarf der Verbraucher zu decken. Zudem ist eine Erweiterung des Downstream-Spektrums durch einen kommenden Anhang zu den Docsis-4.0-Spezifikationen geplant, welcher eine Anhebung von 1,8 GHz auf 3,0 GHz vorsieht, wodurch theoretisch 25 GBit/s im Downstream realisierbar wären.

Die Akteure hinter dem Projekt

Die treibende Kraft hinter CPON ist die Forschungsorganisation Cable Labs mit Sitz in Louisville im US-Bundesstaat Colorado. Als zentrale Instanz für die Kabelnetzbetreiber koordiniert sie die Entwicklung neuer Standards und stellt sicher, dass technologische Innovationen den spezifischen Anforderungen der Branche gerecht werden. Curtis Knittle, Vice President für Wired Technologies, fungiert dabei als einer der wichtigsten Sprecher und Experten für die technologische Ausrichtung. Er betont die strategische Bedeutung der kohärenten Optik für die Zugangsnetze. Die betroffenen Akteure sind primär die Kabelnetzbetreiber selbst, die vor der Herausforderung stehen, ihre Infrastruktur zukunftssicher zu machen, ohne dabei die Komplexität ihrer operativen Systeme unnötig zu erhöhen. Durch die Arbeit von Cable Labs erhalten diese Unternehmen die notwendige Unterstützung, um den Spagat zwischen bewährten Docsis-Strukturen und der notwendigen Glasfaser-Evolution zu meistern. Die Organisation fungiert somit als Bindeglied zwischen theoretischer Forschung und der praktischen Implementierung in den nationalen und internationalen Breitbandnetzen.

Einordnung der technologischen Bedeutung

Einzuordnen ist die Entwicklung von CPON als ein strategischer Schritt zur Vereinfachung der Netzverwaltung. Den Berichten zufolge ist die Technologie derzeit noch mit hohen Kosten verbunden, was ihre unmittelbare Massentauglichkeit einschränkt. Dennoch ist die technologische Stoßrichtung klar: Die Branche bereitet sich auf eine Zukunft vor, in der Glasfaser die dominierende Rolle spielt, ohne jedoch die bestehenden, hochgradig optimierten Steuerungsprozesse der Docsis-Welt aufgeben zu müssen. Die Integration kohärenter Optik in die sogenannten Access Networks markiert einen Paradigmenwechsel, da diese Technik bisher als zu komplex oder zu teuer für die letzte Meile galt. Durch die Steigerung der Kapazität auf 100 GBit/s positioniert sich CPON als eine Lösung für extrem hohe Bandbreitenanforderungen, die weit über das hinausgehen, was aktuelle Docsis-4.0-Spezifikationen leisten können. Die Strategie von Cable Labs ist es, den Betreibern eine technologische Brücke zu bauen, die sowohl die Effizienz der alten Welt als auch die enorme Leistungsfähigkeit der neuen Glasfaser-Welt in sich vereint.

Offene Fragen und zukünftige Herausforderungen

Obwohl die technischen Spezifikationen und die Vorteile von CPON durch die Arbeit von Cable Labs gut dokumentiert sind, bleiben einige wesentliche Fragen für die breite Markteinführung offen. Insbesondere die wirtschaftliche Komponente ist derzeit noch ungeklärt: Der Quelltext weist explizit darauf hin, dass CPON zum aktuellen Zeitpunkt noch sehr teuer ist. Es bleibt unklar, wann genau die Kosten für die kohärente Optik in einem Bereich liegen werden, der einen flächendeckenden Rollout in den Zugangsnetzen wirtschaftlich sinnvoll macht. Zudem wird nicht detailliert ausgeführt, welche konkreten Hardware-Komponenten für die Endkunden erforderlich sein werden, um von den 100 GBit/s zu profitieren. Auch der genaue Zeitplan für die kommerzielle Verfügbarkeit der CPON-Technologie über die Forschungs- und Standardisierungsphase hinaus wird im Quelltext nicht benannt. Es bleibt abzuwarten, wie schnell die Industrie auf die neuen Spezifikationen reagiert und inwieweit die Netzbetreiber bereit sind, die hohen Investitionskosten für die Umstellung auf kohärente Optik in ihren jeweiligen Ausbaugebieten zu tragen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/licht-sonnig-sonnenschein-gebaude-7400884/ · Foto: Nothing Ahead
Quelle: https://www.golem.de/news/cpon-warum-die-kabelnetzbranche-einen-neuen-glasfaserstandard-schafft-2608-211977.html