Eine neue Form der digitalen Bedrohung
Künstliche Intelligenz ist aus modernen Arbeitsabläufen kaum noch wegzudenken. Doch die Integration von KI-Assistenten wie Microsoft Copilot in Office-Umgebungen bringt neue Sicherheitsrisiken mit sich. Der Sicherheitsforscher Håkon Måløy hat nun eine Schwachstelle aufgezeigt, die es ermöglicht, Word-Dokumente in eine Art Computerwurm zu verwandeln. Diese Methode nutzt die Art und Weise aus, wie die KI Dokumente verarbeitet und Anweisungen interpretiert.
Das Prinzip der Prompt-Injektion
Die Basis für diesen Angriff bildet das bekannte Problem der Prompt-Injektion. Dabei werden schädliche Befehle in ein Dokument eingebettet, die für den menschlichen Betrachter unsichtbar bleiben. Måløy demonstrierte dies, indem er den Text der Anweisungen in einem Word-Dokument weiß färbte, sodass er auf weißem Hintergrund nicht mehr zu erkennen war. Während Nutzer den Text nicht wahrnehmen, kann die KI-Software diese versteckten Befehle problemlos auslesen und ausführen.
Selbstverbreitung durch KI-Workflows
Das Gefahrenpotenzial entsteht durch die Art der Befehlskette. Der in das Dokument eingebettete Prompt enthält nicht nur Anweisungen für eine einmalige Manipulation – etwa die unbemerkte Änderung von Finanzkennzahlen in einem Bericht –, sondern auch den Auftrag an die KI, diesen schädlichen Befehl in jedes neu generierte Dokument zu kopieren.
Wenn ein Anwender nun ein solches präpariertes Dokument als Quelle für eine neue Arbeit nutzt, infiziert er damit automatisch das Resultat. Wird dieses neue Dokument wiederum von Copilot referenziert, verbreitet sich der schädliche Code weiter. Auf diese Weise entsteht ein Mechanismus, der sich wie ein Computerwurm selbst vervielfältigt und innerhalb von Unternehmensnetzwerken unkontrolliert ausbreiten kann.
Risiken für den Unternehmensalltag
Ein realistisches Szenario ist die Arbeit mit externen Quellen. Lädt ein Mitarbeiter beispielsweise eine scheinbar harmlose Marktanalyse aus dem Internet herunter, die bereits mit einem solchen Prompt versehen wurde, kann Copilot bei der Erstellung interner Berichte manipuliert werden. Da die KI die Anweisungen in die finalen Dokumente übernimmt, gelangen diese in den internen Umlauf. Andere Mitarbeiter, die diese Dokumente anschließend als Basis für ihre eigenen Aufgaben verwenden, verbreiten die Manipulation ungewollt weiter.
Der Status der Problemlösung
Die Kommunikation zwischen dem Sicherheitsforscher und Microsoft verlief über einen längeren Zeitraum. Bereits Anfang März 2026 wurde das Unternehmen über die Schwachstelle informiert. Trotz einer verlängerten Frist von insgesamt 144 Tagen und der Veröffentlichung zweier Patches durch Microsoft konnte das Problem nach Angaben von Måløy bislang nicht vollständig behoben werden. Seine Tests zeigen, dass die Erstellung derartiger Wurm-Dokumente weiterhin möglich ist.
Entscheidung zur Offenlegung
Da die Sicherheitslücke weiterhin besteht und keine wirksame Lösung in Sicht ist, entschied sich Måløy zur öffentlichen Bekanntgabe. Er begründet diesen Schritt damit, dass Organisationen über bestehende Risiken informiert sein müssen, um fundierte Entscheidungen über ihre IT-Sicherheit treffen zu können. Da die Schwachstelle grundlegende Dokumenten-Workflows betrifft, auf die viele Unternehmen täglich angewiesen sind, hält der Forscher die Transparenz für den notwendigen Weg, um Verteidigungsstrategien zu ermöglichen.