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China: Gründer von Pleitekonzern muss lebenslang in Haft
Schlagzeilen · 20.08.2026 11:20

China: Gründer von Pleitekonzern muss lebenslang in Haft

Kurz: Der Gründer des Immobilienriesen Evergrande, Xu Jiayin, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Konzern muss zudem Milliardenstrafen wegen Betrugs zahlen.

Ein schwerwiegendes Urteil gegen den Immobilien-Tycoon

Der Zusammenbruch des chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande hat nun seinen juristischen Schlusspunkt gefunden. Am 20. August 2026 sprach das Mittlere Volksgericht der Stadt Shenzhen den Gründer des Unternehmens, Xu Jiayin, schuldig und verurteilte ihn zu einer lebenslangen Haftstrafe. Xu Jiayin, der international auch unter seinem kantonesischen Namen Hui Ka Yan bekannt ist, wurde für eine Vielzahl schwerwiegender Wirtschaftsdelikte zur Verantwortung gezogen. Das Gericht entzog ihm darüber hinaus auf Lebenszeit sämtliche politischen Rechte und ordnete die vollständige Einziehung seines privaten Vermögens an. Dieses Urteil markiert den vorläufigen Höhepunkt einer beispiellosen Krise, die den chinesischen Immobiliensektor seit Jahren erschüttert. Der Prozess, der bereits im April 2026 stattfand, endete mit einem Schuldbekenntnis des Angeklagten, der vor Gericht Reue zeigte. Dennoch fiel das Strafmaß drastisch aus, was die Entschlossenheit der chinesischen Justiz unterstreicht, gegen die Verantwortlichen hinter dem monumentalen Scheitern des einstigen Branchenriesen vorzugehen. Die Entscheidung des Gerichts in Shenzhen ist somit nicht nur eine persönliche Strafe für den Gründer, sondern auch ein deutliches Signal der chinesischen Zentralregierung an die gesamte Wirtschaft des Landes.

Die Details der Verurteilung und die Sanktionen gegen den Konzern

Die juristische Aufarbeitung der Evergrande-Pleite umfasst eine ganze Reihe von Anklagepunkten. Laut Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua wurde Xu Jiayin wegen insgesamt acht Wirtschaftsdelikten verurteilt. Dazu gehören unter anderem der Betrug bei der Kapitalbeschaffung, die betrügerische Ausgabe von Wertpapieren, Veruntreuung sowie Bestechung. Das Gericht stellte fest, dass Xu und die Unternehmen des Konzerns zwischen 2016 und 2021 in großem Umfang und über einen langen Zeitraum hinweg Finanzdaten manipuliert hatten. Dabei wurden Vermögenswerte künstlich aufgebläht und Verbindlichkeiten systematisch verschleiert. Zudem verschafften sich Xu und Evergrande durch Bestechung die Kontrolle über verschiedene Finanzinstitute, um sich auf rechtswidrige Weise Kredit- und Versicherungsgelder zu sichern. Neben der persönlichen Haftstrafe für den Gründer wurden auch gegen zwei Gesellschaften des Konzerns empfindliche Geldstrafen verhängt. Die Evergrande Group muss eine Strafe in Höhe von 8,82 Milliarden Yuan zahlen, was etwa 1,1 Milliarden Euro entspricht. Die Immobiliengesellschaft Evergrande Real Estate wurde zu einer weiteren Zahlung von 7 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 900 Millionen Euro, verurteilt. Zusätzlich zu diesen Urteilen wurden in weiteren Verfahren in Shenzhen 56 weitere Personen aus dem Umfeld des Konzerns zu Haftstrafen verurteilt, die zwischen einem Jahr und zehn Monaten sowie 18 Jahren liegen.

Der Aufstieg und Fall eines Immobilienimperiums

Die Geschichte von Evergrande ist eng mit dem rasanten Wachstum des chinesischen Immobilienmarktes verknüpft. Während des jahrelangen Booms wuchs der Konzern mit Hilfe von massiv aufgenommenen Krediten zu einem der größten Immobilienentwickler Chinas heran. Die Strategie des schnellen Wachstums auf Pump funktionierte so lange, wie der Markt stieg und die Nachfrage ungebrochen war. Die Wende trat ein, als die Regierung in Peking im Jahr 2020 begann, die Kreditaufnahme für hoch verschuldete Bauträger drastisch zu begrenzen. Diese Maßnahme traf Evergrande mit voller Wucht und verschärfte die bereits bestehenden finanziellen Probleme des Unternehmens massiv. Ende 2021 geriet der Konzern schließlich bei internationalen Anleihen in Zahlungsverzug. In seinem letzten Halbjahresbericht zum 30. Juni 2023 wies das Unternehmen Verbindlichkeiten in Höhe von 2,39 Billionen Yuan aus, was umgerechnet rund 305 Milliarden Euro entspricht. Der Zusammenbruch von Evergrande wurde damit zum zentralen Symbol für die tiefgreifende Immobilienkrise in China. Nachdem keine tragfähige Umschuldung des Konzerns erreicht werden konnte, ordnete ein Gericht in Hongkong im Januar 2024 die Abwicklung der dort börsennotierten Konzernholding an. Im August 2025 folgte schließlich das Delisting der Evergrande-Aktie von der Börse in Hongkong.

Die Akteure und die Rolle der Justiz

In den Prozess gegen Xu Jiayin und die anderen Beteiligten waren verschiedene staatliche Institutionen involviert. Das Mittlere Volksgericht der Stadt Shenzhen fungierte als entscheidende Instanz, die sowohl über den Gründer als auch über das Umfeld des Konzerns urteilte. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete umfassend über die Urteilsverkündung. Neben den verurteilten Personen, darunter der Gründer Xu Jiayin und 56 weitere involvierte Personen aus dem Umfeld von Evergrande, steht die chinesische Zentralregierung unter Beobachtung. Experten wie Dan Wang, der Direktor des China-Teams der Euroasia Group, ordnen das Vorgehen der Justiz als politisches Signal ein. Der Regierung in Peking geht es darum, die tiefsitzenden Probleme im Immobiliensektor in den Griff zu bekommen, ohne dabei die Stabilität der Binnenwirtschaft zu gefährden. Die Urteile dienen als klare Botschaft an andere Unternehmen, dass ein „schuldenbewusstes“ Handeln in Zukunft zwingend erforderlich ist. Die Regierung signalisiert damit gleichzeitig, dass sie nicht bereit ist, den Immobiliensektor durch staatliche Rettungsmaßnahmen vor den Konsequenzen ihrer eigenen Fehlentscheidungen zu bewahren.

Einordnung der wirtschaftlichen und politischen Folgen

Die Krise auf dem chinesischen Immobilienmarkt hat weitreichende Konsequenzen für die gesamte Wirtschaft des Landes. Da der Sektor lange Zeit als wesentlicher Wachstumstreiber fungierte, hat der Einbruch das Verbrauchervertrauen nachhaltig erschüttert. Viele potenzielle Immobilienkäufer halten sich aufgrund der unsicheren Lage und der negativen Schlagzeilen rund um große Bauträger wie Evergrande vom Markt fern. Die Verurteilung von Xu Jiayin ist aus Sicht von Beobachtern ein entscheidendes Signal dafür, dass die Zentralregierung in Peking ihren politischen Kurs nicht ändern wird. Den Berichten zufolge ist das Urteil als Bestätigung zu verstehen, dass der Immobiliensektor nicht mit staatlichen Mitteln gerettet werden soll. Die Strafe gegen den Gründer und die Milliardenzahlungen gegen die Unternehmen verdeutlichen, dass die Führung in China nun verstärkt auf Disziplinierung setzt. Es ist ein Versuch, die Turbulenzen für die Binnenwirtschaft zu begrenzen und gleichzeitig die Verantwortlichen für die massiven Finanzmanipulationen zur Rechenschaft zu ziehen. Die wirtschaftliche Bedeutung dieses Falls kann kaum überschätzt werden, da das Vertrauen in den Immobilienmarkt als Fundament für die Stabilität der chinesischen Wirtschaft gilt.

Offene Fragen und der weitere Ausblick

Trotz der harten Urteile bleiben zahlreiche Fragen offen. Der Quelltext beantwortet beispielsweise nicht, wie die Milliardenstrafen gegen die Evergrande-Gesellschaften konkret eingetrieben werden sollen, wenn der Konzern bereits hoch verschuldet ist und sich in der Abwicklung befindet. Auch bleibt unklar, inwieweit die betroffenen Immobilienkäufer, die bereits Zahlungen für Wohnungen geleistet haben, entschädigt werden können oder ob ihre Investitionen verloren sind. Zudem gibt der Text keine Auskunft darüber, ob weitere, bisher nicht genannte Führungskräfte oder Finanzinstitute in die Ermittlungen einbezogen werden könnten. Was die Zukunft betrifft, so ist der Prozess gegen Xu Jiayin mit dem Urteil vom 20. August 2026 abgeschlossen. Die Abwicklung der Konzernholding, die bereits im Januar 2024 von einem Gericht in Hongkong angeordnet wurde, dürfte jedoch noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Die Regierung in Peking wird weiterhin versuchen, die Turbulenzen im Immobiliensektor zu managen, während der Markt nach neuen Impulsen sucht. Ob die nun verhängten Strafen ausreichen, um das Vertrauen der Käufer und Investoren langfristig wiederherzustellen, bleibt abzuwarten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/hafen-krane-behalter-container-20712619/ · Foto: Wolfgang Weiser
Quelle: https://www.zdfheute.de/panorama/kriminalitaet/china-evergrande-gruender-haftstrafe-100.html