KI-Einsatz sorgt für neue Dynamik in der Arbeitswelt
Die Integration von Künstlicher Intelligenz in den Berufsalltag führt zu einer messbaren Verschiebung von Tätigkeitsfeldern. Eine aktuelle Untersuchung von OpenAI, die auf der Auswertung von über 800.000 ChatGPT-Nachrichten aus den USA basiert, verdeutlicht, dass die Technologie die Arbeitsteilung innerhalb von Unternehmen bereits transformiert, noch bevor diese Veränderungen in offiziellen Stellenbeschreibungen Einzug halten.
Die Daten legen nahe, dass KI-Tools wie ChatGPT es Beschäftigten ermöglichen, Aufgabenbereiche zu übernehmen, die über ihr ursprüngliches Kompetenzprofil hinausgehen. Dies betrifft insbesondere die Art und Weise, wie Arbeit organisiert und verteilt wird.
Übernahme berufsfremder Aufgaben nimmt zu
Ein zentrales Ergebnis der Analyse ist die Häufigkeit, mit der Nutzer Unterstützung für Tätigkeiten suchen, die üblicherweise in den Zuständigkeitsbereich anderer Kollegen fallen würden. Bei rund 16,8 Prozent aller arbeitsbezogenen Anfragen ließen sich diese als berufsfremd identifizieren. Betrachtet man ausschließlich Nachrichten, die einem spezifischen Berufsfeld zugeordnet werden konnten, stieg dieser Anteil sogar auf 43,5 Prozent.
Für OpenAI liegt die Schlussfolgerung nahe, dass dies besonders in kleineren Unternehmen eine neue Form der Autonomie schafft. So können beispielsweise Inhaber kleiner Betriebe eigenständig Texte verfassen oder Verträge prüfen, während im Vertrieb Datensätze analysiert werden, für die früher spezialisierte Analysten erforderlich gewesen wären.
Branchenspezifische Unterschiede bei der Nutzung
Die Verschiebung der Aufgabenbereiche ist je nach Berufsgruppe unterschiedlich stark ausgeprägt. Die Untersuchung zeigt, dass vor allem folgende Berufsgruppen häufig KI für fachfremde Anfragen nutzen:
* **Kundenservice:** 77 Prozent der berufsspezifischen Anfragen stammen aus anderen Fachbereichen.
* **Design:** 75 Prozent der Anfragen sind nicht dem eigenen Kernbereich zuzuordnen.
* **Personalwesen (HR):** 69 Prozent der Anfragen fallen in andere Disziplinen.
* **Rechtswesen:** 56 Prozent der Anfragen betreffen fachfremde Aufgaben.
* **Marketing:** 53 Prozent der Anfragen liegen außerhalb des eigenen Fachgebiets.
Muster bei der Aufgabenverteilung
Die Analyse der OpenAI-Forscher zeigt zudem, dass bestimmte Aufgaben – wie Finanzberechnungen, die Lösung technischer Probleme und die Erstellung von Marketingmaterialien – über nahezu alle untersuchten Berufsgruppen hinweg als fachfremde Tätigkeiten mit Hilfe von KI bearbeitet werden.
Dabei lassen sich zwei Richtungen beobachten: Einige Berufe fungieren als „Aufgaben-Importeure“, die verstärkt Tätigkeiten aus anderen Feldern übernehmen, während andere Berufe eher als „Exporteure“ agieren. Designer zeigen sich hierbei als besonders aktiv in der Übernahme fremder Aufgaben, während ihre eigenen Kernkompetenzen selten von anderen Berufsgruppen via KI angefragt werden. Im Ingenieurwesen ist das Bild entgegengesetzt: Hier liegt der Fokus stärker auf dem eigenen Fachbereich, während Ingenieur-Aufgaben in anderen Abteilungen nur einen geringen Anteil an den KI-Anfragen ausmachen.
Der Einfluss der Unternehmensgröße
Ein entscheidender Faktor für diese Entwicklung ist die Struktur des Arbeitgebers. In großen Organisationen mit spezialisierten Abteilungen werden Aufgaben nach wie vor häufiger an die zuständigen Stellen delegiert. In kleineren Betrieben hingegen ist die Hemmschwelle niedriger, ein Problem selbstständig unter Zuhilfenahme von KI zu lösen.
Dennoch gibt es Ausnahmen: Bei sehr intensiven Nutzern von KI-Systemen verschwimmen diese Unterschiede. Die Forscher vermuten, dass diese Anwender bereits so stabile Prozesse mit KI etabliert haben, dass die Unternehmensgröße für die Arbeitsweise eine untergeordnete Rolle spielt. Die fortschreitende Integration von KI deutet darauf hin, dass die Flexibilität der Mitarbeiter bei der Erledigung vielfältiger Aufgaben künftig weiter an Bedeutung gewinnen wird.