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Chaos an Schengen-Grenzen: Flughäfen schalten EES-Biometrie einfach ab
Technik · 06.08.2026 17:57

Chaos an Schengen-Grenzen: Flughäfen schalten EES-Biometrie einfach ab

Kurz: Das neue EU-Einreisesystem EES sorgt für massive Probleme an Flughäfen. Um den Reiseverkehr aufrechtzuerhalten, schalten Behörden die Biometrie-Erfassung tempor

Herausforderung an den Außengrenzen

Das Entry-Exit-System (EES) der Europäischen Union sollte ein neues Kapitel im digitalen Grenzmanagement aufschlagen. Ziel war es, die Ein- und Ausreise von Drittstaatsangehörigen durch die automatisierte Erfassung von Fingerabdrücken und Gesichtsscans lückenlos und modern zu gestalten. Doch die Realität an den großen europäischen Drehkreuzen sieht in der aktuellen Sommer-Hochsaison anders aus: Das System hat sich vielerorts als massives Nadelöhr erwiesen.

Die Folge sind kilometerlange Warteschlangen und eine steigende Zahl an Passagieren, die ihre Anschlussflüge verpassen. Um einen vollständigen Kollaps des Reiseverkehrs zu verhindern, greifen Flughafenbetreiber und Grenzbehörden zunehmend zu einer rechtlich verankerten Notmaßnahme: Sie schalten die biometrische Erfassung schlichtweg ab.

Notbremse im laufenden Betrieb

Seit dem 10. April 2026 ist das EES vollumfänglich in Kraft. Die logistischen Kapazitäten stoßen jedoch bei hohem Passagieraufkommen an ihre Grenzen. Wie unter anderem Air France-KLM für die Standorte Paris und Amsterdam bestätigte, wird die Biometrie-Komponente bei drohender Überlastung temporär deaktiviert. Auch an anderen bedeutenden Knotenpunkten wie Frankfurt am Main, Brüssel und Mailand gehört dieses Vorgehen mittlerweile zur gängigen Praxis.

Anstatt der vollautomatisierten Registrierung an den EES-Kiosken erfolgt dann wieder eine verkürzte, manuelle Überprüfung der Ausweisdokumente. Diese Vorgehensweise ist durch die EES-Verordnung gedeckt, die Ausnahmeregelungen für außergewöhnliche Umstände vorsieht, um den Passagierfluss aufrechtzuerhalten. Die EU-Kommission hat für die Sommermonate eine entsprechende Sondergenehmigung erteilt, die bis zum 6. September befristet ist.

Ursachen und Hintergründe

Der Hauptgrund für die aktuellen Verzögerungen liegt in der Erstregistrierung. Da das System erst seit Oktober 2025 schrittweise eingeführt wurde, muss nahezu jeder Reisende aus Drittstaaten derzeit zum ersten Mal vollständig biometrisch erfasst werden. Dies erfordert nicht nur Zeit an den Terminals, sondern bindet auch erhebliches Personal, das an vielen Flughäfen bereits jetzt überlastet ist.

Der Druck auf die Behörden ist groß. Lufthansa-Chef Carsten Spohr berichtete von unzumutbaren Wartezeiten, die ein Eingreifen erforderlich machten. Auch am Brüsseler Flughafen, unweit des Sitzes der EU-Kommission, mussten bereits im Frühjahr Notfallregelungen getroffen werden, nachdem innerhalb von 21 Stunden etwa 600 Reisende ihre Anschlüsse verpasst hatten.

Sicherheit versus Effizienz

Die Grenzbehörden betonen trotz der Abschaltungen, dass die Sicherheit im Schengen-Raum gewahrt bleibe. Die Identitätsprüfung und der Abgleich der Reisedokumente finden weiterhin statt, lediglich die zeitintensive Erfassung der biometrischen Merkmale entfällt in diesen Phasen. Die EU-Kommission hält grundsätzlich am EES fest und argumentiert, dass das System das veraltete manuelle Stempeln ersetzt und die Sicherheit spürbar erhöht.

Dennoch wächst der Widerstand gegen die strikte Vollanwendung ohne ausreichende Infrastruktur. Acht EU-Staaten sowie die Schweiz fordern bereits eine Verlängerung der Notfallregelung über den 6. September hinaus, um die öffentliche Ordnung an den Terminals nicht zu gefährden.

Ausblick auf weitere Digitalisierungsschritte

Die aktuellen Schwierigkeiten beim EES gelten für viele Experten als Vorbote für kommende digitale Hürden. Mit dem ETIAS-System steht bereits das nächste Vorhaben in der Planung. Dabei handelt es sich um ein kostenpflichtiges Online-Genehmigungsverfahren für visumfreie Drittstaatsangehörige, dessen Start nach mehrfachen Verschiebungen für das Jahr 2027 anvisiert ist. Die Luftfahrtbranche und Reisende müssen sich somit auf eine längere Phase der Anpassung an die neuen digitalen Grenzprozesse einstellen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/dunkel-vintage-zimmer-raum-8720260/ · Foto: cottonbro studio
Quelle: https://www.heise.de/news/Chaos-an-Schengen-Grenzen-Flughaefen-schalten-EES-Biometrie-einfach-ab-11402314.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag