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Ceferin will nicht als Fifa-Präsident kandidieren
Sport · 24.08.2026 09:21

Ceferin will nicht als Fifa-Präsident kandidieren

Kurz: UEFA-Präsident Aleksander Ceferin schließt eine Kandidatur für den FIFA-Vorsitz aus. Er kritisiert den amtierenden FIFA-Chef Gianni Infantino scharf.

Ein Machtvakuum an der Spitze des Weltfußballs

Die internationale Fußballlandschaft befindet sich in einer Phase tiefgreifender Unsicherheit, die nun durch eine klare Absage aus den Reihen der UEFA eine neue Wendung erhalten hat. Aleksander Ceferin, der langjährige Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA), hat offiziell erklärt, dass er bei der anstehenden Wahl zum FIFA-Präsidenten im März 2027 nicht als Gegenkandidat antreten wird. Diese Entscheidung markiert einen bedeutenden Moment in der anhaltenden Auseinandersetzung zwischen den europäischen Fußballverbänden und dem Weltverband FIFA unter der Leitung von Gianni Infantino. Ceferin, der seit einem Jahrzehnt die Geschicke der UEFA lenkt, betonte im Rahmen eines Interviews im Podcast "The Rest is Politics", dass seine Ambitionen nicht auf den Posten des FIFA-Chefs gerichtet seien. Stattdessen wolle er sich weiterhin auf seine Arbeit in Europa konzentrieren. Damit ist eine der am heißesten gehandelten Optionen für eine mögliche Ablösung des unter Druck geratenen FIFA-Präsidenten vom Tisch. Die Nachricht schlägt hohe Wellen, da sie die Suche nach einem ernsthaften Herausforderer für Infantino, der derzeit in der größten Krise seiner Amtszeit steckt, erheblich erschwert und die strategische Ausrichtung der UEFA in diesem Machtkampf neu definiert.

Details zum Zerwürfnis und den personellen Konsequenzen

Die Hintergründe für die angespannte Lage sind vielschichtig und lassen sich auf konkrete Fehltritte in der FIFA-Führung zurückführen. Besonders die Pläne von Gianni Infantino, Investoren für zukünftige Weltmeisterschaftsgeschäfte einzubinden, lösten weltweit Empörung aus. Obwohl Infantino diese Vorhaben mittlerweile offiziell zurückgenommen hat, bleibt das Vertrauen in seine Führung schwer erschüttert. Aleksander Ceferin, der 58-jährige Slowene, bezeichnete sich selbst als einen der schärfsten Kritiker des Schweizers. Die UEFA hat in diesem Zusammenhang sogar mit einem Boykott sämtlicher FIFA-Wettbewerbe gedroht, was die Schwere des Konflikts unterstreicht. Ceferin gab zudem preis, dass die Kommunikation zwischen den beiden Spitzenfunktionären vollständig zum Erliegen gekommen ist. Seit Beginn der Krise habe es keinen direkten Austausch mehr gegeben. Interessant ist in diesem Kontext Ceferins Hinweis auf die Herkunft Infantinos: Er erinnerte daran, dass der FIFA-Präsident selbst Europäer sei und einst von der UEFA unterstützt wurde, bevor er den Weg an die Spitze des Weltverbandes antrat. Nun jedoch sieht sich die FIFA mit einer Front konfrontiert, die nicht nur aus Europa, sondern auch aus den Verbänden CONCACAF und AFC besteht, die gemeinsam gegen den Kurs des amtierenden Präsidenten opponieren.

Die historische Entwicklung des Konflikts

Der aktuelle Machtkampf ist das Ergebnis einer jahrelangen Entfremdung, die sich in den vergangenen Monaten drastisch verschärft hat. Noch vor einiger Zeit galt die Wiederwahl von Gianni Infantino beim FIFA-Kongress im März 2027 in Rabat als reine Formsache. Es schien, als gäbe es keine nennenswerte Opposition, die den Schweizer ernsthaft gefährden könnte. Doch die jüngsten Vorstöße zur Kommerzialisierung der Weltmeisterschaften haben das Bild gewandelt. Die UEFA, die sich als Hüterin europäischer Fußballwerte versteht, hat ihre Drohungen, FIFA-Turniere zu boykottieren, auch nach der Rücknahme der Investorenpläne aufrechterhalten. Dies deutet darauf hin, dass es nicht nur um die konkreten Pläne geht, sondern um ein fundamentales Misstrauen gegenüber dem Führungsstil von Infantino. Die FIFA versucht derweil, die Situation zu ihren Gunsten zu deuten, indem sie laut Ceferin das Narrativ des "arroganten Europas" bedient, das sich gegen den Weltverband verschworen habe. Diese rhetorische Strategie zielt darauf ab, die globale Solidarität innerhalb der 211 Mitgliedsverbände zu schwächen und den Fokus von den inhaltlichen Kritikpunkten abzulenken. Dennoch wächst der Widerstand, was sich unter anderem darin zeigt, dass der nordamerikanische Kontinentalverband CONCACAF den FIFA-Präsidenten sogar von einem Jugendturnier in der Dominikanischen Republik auslud.

Die Akteure im Ringen um die Macht

Im Zentrum dieses Konflikts stehen neben Aleksander Ceferin und Gianni Infantino vor allem die großen Kontinentalverbände. Die UEFA agiert hierbei als treibende Kraft der Opposition. Auf der anderen Seite steht die FIFA-Administration, die trotz der massiven Kritik weiterhin auf die Unterstützung zahlreicher Verbände weltweit setzen kann. Ein weiterer Akteur, der in den Fokus rückt, ist Victor Montagliani, der Präsident des CONCACAF-Verbandes. Er wird als möglicher Herausforderer für das Amt des FIFA-Präsidenten gehandelt, da sein Verband neben der UEFA und dem asiatischen AFC zu den lautesten Kritikern gehört. Diese drei Verbände haben bereits eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, um ihre Interessen zu bündeln und die "Fußballfamilie" hinter einem Kurswechsel zu vereinen. Die Entscheidung, wer letztlich als Gegenkandidat ins Rennen geht, liegt nun bei den Verbänden, die sich gegen Infantino positioniert haben. Es ist ein komplexes Geflecht aus Allianzen und Interessen, bei dem die 211 Mitgliedsverbände der FIFA bei der Wahl im März 2027 das letzte Wort haben werden. Während Infantino derzeit als einziger offizieller Kandidat gilt, bleibt abzuwarten, ob die Allianz aus Europa, Nord- und Mittelamerika sowie Asien einen gemeinsamen Herausforderer präsentieren kann.

Einordnung der aktuellen Lage

Einzuordnen ist die Absage von Ceferin als ein taktischer Schritt, der seine eigene Glaubwürdigkeit stärken soll. Indem er betont, kein Interesse an dem FIFA-Posten zu haben, möchte er den Vorwurf entkräften, es gehe ihm lediglich um eine persönliche Machtübernahme oder die Verdrängung eines Rivalen. Den Berichten zufolge ist Ceferins Strategie darauf ausgerichtet, den Druck auf Infantino so weit zu erhöhen, dass dieser entweder von sich aus zurücktritt oder bei der Wahl im März 2027 mit einem ernsthaften Gegenkandidaten konfrontiert wird. Die UEFA-Führung scheint davon überzeugt zu sein, dass Infantino die notwendige Unterstützung für eine Wiederwahl verloren hat. Dennoch bleibt die Situation volatil. Die FIFA-Strukturen sind oft so beschaffen, dass ein amtierender Präsident über erhebliche Vorteile verfügt. Dass Ceferin den Rücktritt als eine der zwei Möglichkeiten für Infantino nennt, zeigt, wie sehr die UEFA auf eine Lösung ohne langwierigen Wahlkampf hofft. Die öffentliche Distanzierung von Infantino durch die Verbände ist ein Novum, das die Stabilität des Weltverbandes in den Grundfesten erschüttert hat. Es bleibt jedoch eine Bewertung, ob dieser Druck ausreicht, um die Mehrheitsverhältnisse bei der Wahl in Rabat tatsächlich zu verschieben.

Offene Fragen und die Zukunft des Weltfußballs

Trotz der klaren Worte von Ceferin bleiben zahlreiche Fragen unbeantwortet, die für den weiteren Verlauf des Machtkampfes entscheidend sind. Zunächst ist völlig unklar, wer nun tatsächlich als Gegenkandidat gegen Infantino antreten wird. Ceferin gab offen zu, dass er selbst keinen Namen nennen könne. Auch bleibt offen, wie stark die Unterstützung für Infantino in den anderen Kontinentalverbänden außerhalb der Allianz aus UEFA, CONCACAF und AFC wirklich ist. Die FIFA hat den 18. November als Frist für die Nominierung von Herausforderern festgelegt; bis zu diesem Datum wird das Spekulationskarussell wohl weiterlaufen. Zudem ist fraglich, ob die Drohungen der UEFA bezüglich eines Boykotts von FIFA-Wettbewerben jemals in die Tat umgesetzt werden oder ob sie lediglich als Druckmittel dienen. Auch die Rolle der 211 Mitgliedsverbände ist in ihrer Gesamtheit schwer einzuschätzen, da die öffentliche Kritik nicht zwangsläufig mit dem Abstimmungsverhalten bei einer geheimen Wahl korreliert. Die Unsicherheit darüber, wie sich die FIFA nach dem März 2027 aufstellen wird, bleibt bestehen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Allianz der Kritiker in der Lage ist, einen konsensfähigen Gegenkandidaten zu finden, der sowohl die Unterstützung der Verbände genießt als auch die notwendige Vision für die Zukunft des Fußballs mitbringt. Der Zeitplan ist eng, und der Druck auf alle Beteiligten wächst mit jedem Tag, der bis zur Nominierungsfrist verstreicht.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/architektur-reise-reisen-stadion-27348420/ · Foto: AXP Photography
Quelle: https://www.sportschau.de/ceferin-will-nicht-als-fifa-praesident-kandidieren,ceferin-will-nicht-als-fifa-praesident-kandidieren-100.html